Massweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Aufgerissene Pakete im Wald

Gestern Mittag brauste ein Paketauto durch den Wald. Pakete will der Fahrer nicht abgeladen haben.
Gestern Mittag brauste ein Paketauto durch den Wald. Pakete will der Fahrer nicht abgeladen haben.

Kleidung im Internet bestellt, zwei bis drei Tage später nach Hause geliefert. So läuft es zumindest regulär ab. Seit einigen Wochen jedoch landen Pakete mit Maßweiler Adresse im Wald zwischen Siedlung und Golfplatz. Teilweise sind die Kleider-Tüten aufgerissen, die Klamotten liegen im Schlamm, und nicht weit davon weg war ein zerrissener Lieferschein zu finden. Die Waldfischbacher Polizei will den Vorfällen nachgehen.

„Bequemer Kauf auf Rechnung, 100 Tage Rückgabefrist, Lieferzeit ein bis drei Werktage.“ Das steht in der obersten Zeile des Online-Kleidungs-Versandhandel Bonprix. Allerdings landeten in den vergangen Wochen Bonprix-Pakete im Wald bei Maßweiler. Hier und da liegen neuwertige, jedoch völlig verdreckte und daher nicht mehr tragbare Kleidungsstücke auf dem braunen, schlammigen und mit nassem Laub bedeckten Boden. Dicht beieinander lagen dort gestern Mittag etwa ein dunkelviolettes Oberteil, nur wenige Meter auf der anderen Wegesseite eine graue Bluse. Daneben zwei aufgerissene Bonprix-Tüten. Bis vor einigen Tagen lag dort sogar ein zerrissener Lieferschein, adressiert an eine Maßweilerin.

Paketdienst Hermes will der Angelegenheit nachgehen.

Als Lieferdienst gibt Bonprix auf seiner Internetseite die Hermes-Logistik-Gruppe an, deren Sitz ist in der Elbstadt Hamburg. In mehreren Unterpunkten wirbt Bonprix mit Vorzügen eines Paketversands mit Hermes: Genaue Angabe der Lieferzeit, Lieferung innerhalb einer Woche, bis zu drei Zustellversuche und danach sogar eine telefonische Vereinbarung, wann das Paket beim Kunden ankommen soll. Eine ausführliche Presseantwort schickte Hermes bis Redaktionsschluss nicht. Allerdings erklärte Pressesprecherin Marei Martens, dem Vorfall nachzugehen. „Der von ihnen geschilderte Vorfall ist uns leider nicht bekannt“, schreibt Julia Kühnemuth, ebenfalls von der Hermes Pressestelle. Am Telefon zeigte sich die Pressestelle schockiert über den Vorfall, erklärte, dass so etwas nicht passieren dürfe.

Die Bonprix-Pressestelle gab bis Redaktionsschluss keine Antwort auf die RHEINPFALZ-Anfrage. Allen voran blieb die Nachfrage offen, ob die Geschädigten die unzugestellten Waren nun auch bezahlen müssen.

Die Maßweilerin, deren Name samt Adresse auf dem Lieferschein stand, erfuhr zufällig über den Paketfund im Wald. Eine Passantin fand den Schein beim Gassigehen und kontaktierte die Frau. Bis dahin wartete sie auf das Paket. Laut RHEINPFALZ-Informationen setzte sie sich mit Bonprix in Verbindung.

Bei der Polizei Waldfischbach-Burgalben wurden die Vorfälle am vergangenen Freitag angezeigt, derzeit werde wegen Paket-Diebstahls ermittelt. Es gebe jedoch auch die Überlegung, dass ein Dritter die Pakete von der Haustür mitgenommen und in den Wald gebracht hat. Das müsse dann nicht unbedingt der Paketlieferant gewesen sein. Seit Beginn der Corona-Pandemie müssten viele Paketlieferanten zur Kontaktvermeidung die Zustellung eines Paketes nicht mehr quittieren lassen. Das Paket wird dann lediglich vor die Haustür gelegt. Laut Andreas Kohler, Sprecher der Polizei Waldfischbach-Burgalben, kann das zum Nachteil der Empfänger ausfallen. „Es entsteht hier eine Beweislücke“.

Die Polizei werde nun über den Lieferschein den Paketboten ausfindig machen. Ob der allerdings die Tat gestehe, sofern er sie begangen hat, sei fraglich. Dann stehe auch die Staatsanwaltschaft vor einem Beweis-Problem. Anders sei es, wenn sich nun weitere Geschädigte bei der Polizei melden, deren nicht zugestellte Pakete zu ein und demselben Zustellunternehmen zurückzuführen sind.

Waldstrecke als Abkürzung

Just als die RHEINPFALZ gestern Mittag vor Ort recherchierte, fuhr ein weißer Lieferwagen des Paketdienstes GLS durch den Maßweiler Wald. Auf Nachfrage, ob der Zusteller etwas von den Paketen im Wald weiß, verneinte er. Der Mann sagte, er habe jedoch früher einmal bei Hermes gearbeitet und schon einen Lieferwagen von denen beim Wald gesehen. Ob der Hermes-Zusteller auch Pakete in den Wald warf, wusste er nicht.

Die Strecke durch den Wald befuhr der GLS-Fahrer nach eigenen Angaben als Abkürzung: Von der Hauptstraße nach Thaleischweiler, über den Golfplatz in die Maßweiler Siedlung. Offiziell hätte er das jedoch nicht gedurft, am Waldeingang steht ein Durchfahrts-Verbot-Schild, nur Land- und forstwirtschaftlicher Verkehr darf passieren.

Zwei aufgerissene Bonprix-Tüten liegen am Wegesrand...
Zwei aufgerissene Bonprix-Tüten liegen am Wegesrand...
... ebenso vor einigen Tagen ein zerrissener Lieferschein.
... ebenso vor einigen Tagen ein zerrissener Lieferschein.
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