Rodalben
60 Jahre im Arbeitsleben: Seniorchef als berufstätiger Rentner
Der Wandel dieser Äußerlichkeiten deutet nur exemplarisch viele Veränderungen in einer langen Zeitspanne an, jetzt mit einem außergewöhnlichen Jubiläum. Nach der Schule trat der damals 14-jährige Edgar Schechter eine Lehrstelle bei einer VW-Werkstatt in Pirmasens an. Zufällig, denn ursprünglich wollte er als Maschinenbauer in den Beruf starten. Der Lehre folgten Bundeswehr und Gesellenzeit, die Meisterprüfung 1970, dann die technische Leitung in einer Opel-Werkstatt in Waldfischbach-Burgalben. Mit nebenberuflichen Autoreparaturen in der hauseigenen Garage bahnte er sich ab 1976 den Weg in die Selbstständigkeit.
Bald ging es Schlag auf Schlag aufwärts mit vielen Stationen in rund 30 Jahren: Einrichtung einer Werkstatt im Untergeschoss der Gaststätte „Peterhof“ (1979), Umzug „auf die grüne Wiese im Hanauischen Eck“ ins eigene Autohaus (1986), Bau einer großen Ausstellungshalle mit Büroräumen (1996), Einrichtung eines zweiten Standorts durch Übernahme und Modernisierung des Opel-Betriebs in Pirmasens (2010), Modernisierungen in Rodalben durch den Bau einer Aufnahmestation mit Hebebühne und einer neuen Waschanlage, Opel-Direkthändler. Das Autohaus Schechter ist sein Lebenswerk.
Im Ehrenamt bei Innung und Handwerkskammer
Weil ihm die Arbeit nie zu viel wurde, ließ sich Schechter noch bis vor drei Jahren für Ehrenämter in die Pflicht nehmen: als Vorstandsmitglied der Kfz-Innung Pirmasens/Südwestpfalz und als Mitglied der Vollversammlung der Handwerkskammer Pfalz.
Er machte sein Hobby zum Beruf und umgekehrt seinen Beruf zum Hobby. „Immer zu Hause zu sein, das wäre für mich unmöglich, ich brauche meine Arbeit“, sagt Schechter. So findet er sich aktuell immer noch nach einem verlängerten Wochenende, das er vorzugsweise in seinem Anwesen in der Wengelsbach verbringt, dienstags ganztägig im Betrieb ein, mittwochs bis freitags bis um 13 Uhr. Gerne holt er um diese Zeit Enkelin Nina von der Schule in Pirmasens ab.
Den Arbeitstag lässt der Seniorchef als „berufstätiger Rentner“ allerdings entspannt angehen. Ist er vor Ort, entlastet er Sohn Dirk (Rodalben) und Tochter Heike (Pirmasens) in der Geschäftsführung vor allem von Bankgeschäften, und er kümmert sich um Kunden, die nach wie vor ihn als Ansprechpartner suchen. Dabei verkauft er auch „das eine oder andere Auto“. In „das Kaufmännische“ arbeitete er sich schon vor fast 20 Jahren ein. Ein Blick in sein Büro belegt, wovon er spricht. Da läuft der PC, da stehen eine Menge Ordner im Büroschrank und auf dem Schreibtisch sind die Ablagen gut gefüllt.
An der Autotechnik macht er sich nicht mehr zu schaffen. Abseits von „Schraubenzieher und Zehnerschlüssel“ sei ihm „die Entwicklung selbst nach jahrzehntelanger Praxis davongelaufen“, räumt er ein. Mit den Computerprogrammen in der Werkstatt und der modernen Elektronik sei er nicht mehr vertraut. Lieber pflegt er die persönlichen Beziehungen mit der Kundschaft.
In der Freizeit aufs Rad
Schechter hat sich früh für Sport begeistert. Er spielt Tennis, fährt Rad und Ski. Und wenn es wieder möglich ist, sitzt er am Stammtisch und spielt Skat. Mit dem Rad tourt er des Öfteren noch nach Erfweiler, der Gemeinde, aus der er stammt und mit der ihn seit jeher freundschaftliche Kontakte verbinden. Mittwochs trifft er sich zu Ausflügen mit seiner Wandergruppe. Außerdem mag er Reisen per Flugzeug und Schiff.
Zur Arbeit zieht es ihn aber immer wieder zurück. Geht es nach seinem Wunsch, soll sich daran „noch lange nichts ändern“.