Kreis Südliche Weinstraße Zur Sache: Q-Fieber und Zelltherapie

Zum Einbruch der Patientenzahl und Stornierungen hatte zuletzt der Q-Fieber-Ausbruch in der Südpfalz geführt, der sich bis nach Asien rumgesprochen habe, wie Gesellschafter Rainer Klingler weiß. „Das hat uns ganz enorm geschädigt. Wir wussten nicht, ob wir die Klinik überhaupt weiterführen können.“ Q-Fieber ist eine Tierseuche, die für den Menschen nicht ungefährlich ist, in seltenen Fällen sogar zum Tod führen kann. Sie war 2014 in Lachen-Speyerdorf ausgebrochen. Nachgewiesen wurde der Erreger in zwei Schafherden. Schlachttiere aus einer dieser Herden lieferten regelmäßig das Material für die Frischzellen-Therapien der Villa Medica und eines anderen Frischzellen-Arztes in Edenkoben. Laut Gesundheitsamt waren knapp drei Dutzend Menschen mit der Krankheit infiziert. Die Behörden gehen davon aus, dass mehr als die Hälfte sich bei dem Arzt und in der Klinik angesteckt haben. Laut Klingler waren keine Patienten der Villa Medica betroffen, allerdings einige Mitarbeiter. Das Gesundheitsamt habe die Klinik daraufhin umfassend kontrolliert. Alle Patienten, die sich seit Januar einer Frischzellen-Therapie unterzogen hatten, wurden informiert. Mittlerweile – eingeleitet schon vor dem Seuchenausbruch – hat die Klinik auf Zelltherapie umgestellt, verwendet also keine frischen Zellen mehr, sondern gefrorene, dadurch abgestorbene und später wieder aufgetaute. Dies erhöhe die Sicherheit, so Klingler. Zudem habe die Klinik eine eigene Schafherde bei der Uni Gießen, die auf Veterinärmedizin spezialisiert sei. Jede Schlachtung werde beim Gesundheitsamt gemeldet, das Schaf vor der Schlachtung untersucht und das Zellmaterial einem externen Berater gegeben. Laut Klinglers gibt es in Deutschland nur die Villa Medica als Anbieter von Zelltherapien, außerdem vier bis fünf weitere Ärzte, die mit Frischzellen-Kuren arbeiten, jedoch keine weitere Klinik. In vielen anderen Ländern ist diese Therapie verboten. Auch Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) hatte im Sommer davor gewarnt und tierschutzrechtliche Bedenken geäußert. „Ich habe den Eindruck, dass es immer noch Bestrebungen gibt, die Therapie zu unterbinden“, ist Klingler bewusst. (höj)