Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel „Zum Engel“: Sanierung startet mit unschöner Entdeckung

Der Engel in Bad Bergzabern ist eines der markantesten Gebäude in der Pfalz.
Der Engel in Bad Bergzabern ist eines der markantesten Gebäude in der Pfalz.

So prächtig das Renaissancehaus „Zum Engel“ in Bad Bergzabern ist: Man merkt ihm das Alter an. Mittlerweile hat die große Sanierung begonnen. Mit negativen Überraschungen.

Mit seinen rot-weiß gestreiften Fensterläden ist es eines der markantesten Gebäude in der Pfalz. Manche sprechen gar davon, dass es eines der schönsten aus der Renaissance sei, also aus der Epoche zwischen der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und dem frühen 17. Jahrhundert, die den Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit markiert. Die Rede ist vom Haus in der Königstraße 45 in Bad Bergzabern. Gebaut wurde es zwischen 1556 und 1579 von den Herzögen von Pfalz-Zweibrücken als Verwaltungs- und Amtssitz für die Oberamtmänner des Oberamtes Bergzabern. Sein heute geläufiger Name geht auf Reinhard Fleckstein zurück, der das Haus 1802 erwarb und darin die Gaststätte „Zum Engel“ einrichtete.

Bis ins Jahr 2015 wurde das Gebäude fortan gastronomisch genutzt. Geändert haben sich in dieser Zeitspanne allerdings die Besitzverhältnisse, seit 1980 ist die Stadt Eigentümerin. Diese beiden Jahreszahlen sind wichtig für das, was dieser Tage im Engel passiert. Das wird beim Vor-Ort-Besuch deutlich. Mit dabei sind der für Bau und Planung zuständige Beigeordnete der Kurstadt, Rolf Enke (SPD), und der Architekt Kristoph Rheinwalt aus Edesheim. Die beiden treffen sich jeden Dienstagmorgen am Renaissancehaus, um den Baufortschritt zu begutachten und die nächsten Schritte zu besprechen.

Beigeordneter Rolf Enke (links) und Architekt Kristoph Rheinwalt begutachten die von Holzständern abgestützte Stuckdecke im Trau
Beigeordneter Rolf Enke (links) und Architekt Kristoph Rheinwalt begutachten die von Holzständern abgestützte Stuckdecke im Trauzimmer.

2015 droht dem Engel der Zerfall

„Das Haus hat eine bewegte Geschichte“, sagt Rheinwalt. Das trifft zwar wie bereits beschrieben fraglos zu, der Architekt hat dabei allerdings weniger Eigentumsverhältnisse und Nutzung im Blick, sondern vielmehr die Bausubstanz. Im wahrsten Sinne des Wortes bewegt hat sich das Gebäude im Jahr 2015. Damals wurden Risse an den Wänden innen und außen entdeckt, die darauf schließen ließen, dass es sich setzt. Das Haus ist, wie Rheinwalt erklärt, komplett auf Eichenbalken gegründet. Durch den fallenden Grundwasserpegel lagen die plötzlich trocken und wurden morsch – das Gebäude drohte, den Halt zu verlieren und zu zerfallen. Betoninjektionen retteten den Prachtbau, mittlerweile steht er wieder auf einem stabilen Fundament.

Die Risse zeugen von dieser prekären Lage – noch. Denn der Engel wird komplett auf Vordermann gebracht.

Das Besondere sei, dass das Gebäude nicht nur instandgesetzt, sondern auch energetisch saniert werde, erklärt Rheinwalt. So bekommt der Engel unter anderem einen Dämmputz und eine Pelletheizung, zudem wird jedes einzelne Fenster ausgetauscht. Neu ist die Idee, dem altehrwürdigen Wahrzeichen der Stadt neuen Glanz zu verleihen, nicht. Schon seit Jahren wird darüber diskutiert. Das große Problem an der Sache war immer, dass die Stadt das mehrere Millionen Euro teure Projekt nicht stemmen kann.

Im Trauzimmer ist die einzige erhaltene historische Stuckdecke.
Im Trauzimmer ist die einzige erhaltene historische Stuckdecke.

Land versagt Fördergelder für Gastronomie

„Die Frage war: Wie bekommen wir ein förderfähiges Konzept hin?“, erklärt Enke. Die Antwort darauf war nicht einfach. Zunächst schwebte den Entscheidern vor, die Gaststätte wiederzubeleben. „Wir hätten sogar schon einen Pächter gehabt“, sagt der Beigeordnete. Eine Voranfrage beim Land zerstreute diese Idee jedoch schnell. Denn aus Mainz kam laut Enke das eindeutige Signal, dass es bei gastronomischer Nutzung keine Fördergelder geben wird. Schließlich ist es aber gelungen, eine für alle passende Planung auf die Beine zu stellen. Künftig wird es im Engel Platz für das Stadtmuseum, das dort auch vor der großen Sanierung seine Heimat hatte, das Tourismusbüro der Verbandsgemeinde, das Büro des Stadtbürgermeisters, ein Trauzimmer und einen Veranstaltungsraum geben.

„Das alles ist nicht unkompliziert“, sagt der Planer beim Rundgang durch das altehrwürdige Gemäuer. „Es macht aber trotzdem viel Spaß.“ Mittlerweile hätte Rheinwalt wohl ergänzen müssen. Denn rund um den Jahreswechsel – die Arbeiten haben Ende 2024 begonnen – kamen negative Überraschungen zum Vorschein. „Überall, wo man grünes Holz sieht, wurde kaputtsaniert“, erklärt Rheinwalt, den Blick hinauf zur Decke gerichtet. Das sei zwar etwas übertrieben formuliert, im Großen und Ganzen sei es aber so.

Im Speicher räumt ein Arbeiter die Gefache der Decke aus – händisch.
Im Speicher räumt ein Arbeiter die Gefache der Decke aus – händisch.

Erst nach Baubeginn werden gravierende Mängel sichtbar

Mit „grünem Holz“ meint er die imprägnierten Dachlatten, die bei der bis dato letzten großen Sanierung eingebaut worden sind. Unmittelbar nach dem Kauf der Stadt im Jahr 1980 war das. „Alle Maßnahmen waren damals am Ziel vorbei“, sagt der Architekt. Er zeigt im Laufe des Rundgangs Stellen, an denen das auch für den Laien eindeutig sichtbar ist. Wände im Obergeschoss wurden neben und nicht auf dem darunterliegenden Mauerwerk hochgezogen, Gefache in der Decke wurden mit allerlei Bauschutt und Müll aufgefüllt, Köpfe von Holzbalken wurden entweder gar nicht oder so „repariert“, dass sie heute nicht mehr mit der Außenwand des Hauses verbunden sind.

Das Gebäude ist komplett entkernt. Vor allem die Decke ist an einigen Stellen in einem sehr schlechten Zustand.
Das Gebäude ist komplett entkernt. Vor allem die Decke ist an einigen Stellen in einem sehr schlechten Zustand.

Um die Schäden zu erfassen, seien vier Männer zwölf Wochen beschäftigt gewesen, erklärt Rheinwalt. Dass die gravierenden Mängel erst nach dem Baubeginn und nicht schon bei der Begutachtung zur Planung erkannt worden sind, hat übrigens mit dem Land zu tun. Vereinfacht gesagt, ist es nämlich so, dass nicht gearbeitet werden darf, bevor die Förderzusage da ist. So war es also vorab zum Beispiel nicht möglich, die abgehängten Decken zu öffnen. „Jetzt, nachdem alles erfasst ist, läuft es“, sagt Enke.

Beigeordneter Rolf Enke (links) und Architekt Kristoph Rheinwalt besprechen Woche für Woche den aktuellen Baufortschritt.
Beigeordneter Rolf Enke (links) und Architekt Kristoph Rheinwalt besprechen Woche für Woche den aktuellen Baufortschritt.

Altes Handwerk trifft auf moderne Technik

Was das bedeutet, hört man schon von außen und sieht man gut innen. In allen Ecken des Anwesens wird gehämmert, gebohrt, geschraubt und gesägt. „Das ist das Schöne daran, dass das Gebäude so groß ist“, sagt Rheinwalt. „Es können so gut wie alle Gewerke parallel arbeiten.“ Besonders im Speicher wird deutlich, dass Maschinen nicht überall weiterhelfen. Ein Handwerker ist dort nämlich gerade dabei, die Gefache der Decke auszuräumen, und zwar mit den Händen. Auch ohne Nachfrage ist klar: Das ist sehr mühsam.

Architekt Kristoph Rheinwalt (links) und Beigeordneter Rolf Enke schauen sorgenvoll in Richtung Decke, die bei der letzten große
Architekt Kristoph Rheinwalt (links) und Beigeordneter Rolf Enke schauen sorgenvoll in Richtung Decke, die bei der letzten großen Sanierung eher beschädigt als repariert wurde.

Grundsätzlich trifft auf der Großbaustelle im Herzen Bad Bergzaberns immer wieder altes Handwerk auf moderne Technik. So wurde das geschichtsträchtige Haus aus dem 16. Jahrhundert komplett in 3D aufgemessen, erzählt Rheinwalt. Auch, um den Anbau, den der Engel erhält, präzise planen zu können. Von der Königstraße aus gesehen links neben dem Gebäude entsteht ein gläserner Quader, in dem ein neues Treppenhaus sowie ein Aufzug für den barrierefreien Zugang gebaut werden. Es wird die einzige von außen sichtbare Veränderung sein, der Rest bleibt so, wie er schon immer war – Stichwort Denkmalschutz.

Im künftigen Büro des Stadtbürgermeisters war die Decke so stark beschädigt, dass sie komplett erneuert werden musste. Architekt
Im künftigen Büro des Stadtbürgermeisters war die Decke so stark beschädigt, dass sie komplett erneuert werden musste. Architekt Kristoph Rheinwalt (links) und Beigeordneter Rolf Enke wurden bei Baubeginn vom schlechten Zustand überrascht.

Ende 2026 muss die Sanierung abgeschlossen sein

Mit dem, also mit der dafür zuständigen Behörde, funktioniere die Zusammenarbeit sehr gut, betonen sowohl Rheinwalt als auch Enke. Dasselbe gilt für die beteiligten Baufirmen. Die kommen laut dem Planer trotz europaweiter Ausschreibung nahezu alle aus der Region. „Wir haben keine einzige Firma, die den Bau verzögert“, sagt Rheinwalt. Und das ist außerordentlich wichtig. Denn „es gibt eine Achillesferse“, betont der Architekt: Sämtliche Arbeiten müssen bis 31. Dezember 2026 abgerechnet sein, sonst sind die Fördergelder futsch. Und die sind beträchtlich. Von den 4,56 Millionen Euro, die die Sanierung laut Planung kosten wird, übernimmt das Land rund 3,5 Millionen Euro. Die Stadt muss also „nur“ gut eine Million Euro selbst finanzieren. Sofern das von Rheinwalt und Enke ausgegebene Ziel erreicht wird: Anfang des vierten Quartals 2026 mit den Arbeiten durch zu sein.

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