Bad Bergzabern Wir über uns: Wie der Hexensprung einen Fasnachtsmuffel mitreißt
Bei der Fasnacht gibt es nur schwarz oder weiß. Entweder man freut sich das ganze Jahr über auf die fünfte Jahreszeit, oder man möchte nichts davon wissen. Zu letztgenannter Fraktion zähle ich. Schon seit Jahren bin ich bekennender Fasnachtsmuffel. Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich bin ein großer Freund des Brauchtums im Allgemeinen und seiner Pflege. Deshalb sollte die Fasnacht immer gebührend zelebriert werden. Nur eben ohne mich.
Ausgehend davon können Sie sich vorstellen, mit wie viel Vorfreude ich nach Bad Bergzabern zum Hexensprung gefahren bin. Richtig, sie lag unterhalb des messbaren Bereichs. Hilft ja aber alles nix, dachte ich mir, einfach hinfahren und hoffen, dass es wenigstens nicht regnet. Die Hoffnung zerschlug sich leider schnell, der Himmel öffnete die Pforten. Aber: Das war überhaupt nicht schlimm.
Guggenmusik wird nie mein Ding werden
Hunderte Menschen bevölkerten den Schlossplatz. Manche waren verkleidet, andere nicht, allesamt strahlten Freude aus. Das Schloss selbst erstrahlte rot illuminiert und bot eine atemberaubend prächtige Kulisse für den Hexensprung. Die ersten Prozente Skepsis waren direkt verflogen.
Dann war es so weit. Das Narrenvolk zog ein auf den Platz des Geschehens, mit Pauken und Trompeten sorgten Guggemusiker für einen lauten Klangteppich. Mein Begeisterungslevel war zu diesem Zeitpunkt noch sehr niedrig, denn Guggemusik wird wohl nie mein Ding werden. Doch dann passierte das nicht für möglich Gehaltene.
Bei Backstreet Boys haben sie mich
Die Lichter gingen aus, in der Torgasse gegenüber dem Schloss spuckte eine Maschine Kunstnebelschwaden, aus den Lautsprechern dröhnten mystische Klänge. Die Hutschelhexen traten aus dem Nebel und zogen bedeutungsschwanger in Richtung Schlossplatz, um im Schein der Flammen ein neues Mitglied in ihren Reihen aufzunehmen. Der Hexenmeister sprach dazu mit sonorer Stimme dunkle Worte. Wow, was ein Spektakel. Die vier Sprünge der wagemutigsten aller Hexen über das Feuer, Lichteffekte, wummernde Musik im Hintergrund – einfach mitreißend.
Wie aus dem Nichts kam dann mein ganz persönlicher Höhepunkt. In der irrigen Annahme, das schaurig-schöne Schauspiel sei vorbei, war ich schon die ersten Schritte in Richtung Auto gegangen, als urplötzlich mir wohlbekannte Töne aus den Boxen dröhnten. „Everybody“ hörte ich die Backstreet Boys singen. Ja, ich habe eine Schwäche für die legendäre Boyband aus den 90ern. Spätestens jetzt stand für mich fest: Diese Veranstaltung ist großartig.
Zum Fasnachter hat sie mich allerdings nicht gemacht. Von der Narretei möchte ich nach wie vor nichts wissen. Der Hexensprung steht aber schon jetzt in meinem Terminkalender 2026.