Südpfalz / Pfälzerwald
Windräder: Wo neue gebaut werden sollen und wo nix geht
48 Windkraftanlagen stehen in der Südpfalz, wenn man die Rotoren in den Landkreisen Germersheim und Südliche Weinstraße zusammenrechnet. Bisher, muss man allerdings sagen, denn es sollen mehr werden. Die erneuerbaren Energien auszubauen, ist politischer Wille. „Die spürbaren Folgen der Erderwärmung und die Folgen der Abhängigkeit fossiler Importe bewirken offenkundig ein Umdenken“, schreibt der Klimaschutzmanager des Landkreises SÜW, Philipp Steiner, in seinem Bericht für das vergangene Jahr. Die Stoßrichtung ist also klar. Doch auch wenn es in der Region Bewegung gibt und einige Anlagen neu entstehen sollen: Nicht überall können und dürfen Windräder errichtet werden, nicht überall sind sie sinnvoll. Das merkt man vor allem im Kreis SÜW.
16 Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 39 Megawatt stehen auf dem Gebiet des Kreises. Das ist genug, um über 20.000 Haushalte zu versorgen. Trotzdem sind es im Nachbarkreis Germersheim mit 32 doppelt so viele. Ein Grund für die ungleichen Zahlen ist der Pfälzerwald. Dort dürfen keine Windräder errichtet werden – und das wirkt sich auf den ganzen Westen der Südlichen Weinstraße aus, vor allem auf Annweiler. Fast die gesamte Fläche der Verbandsgemeinde zählt zum Pfälzerwald. Zusätzlich gibt es noch eine weitere geschützte Fläche östlich der Haardt. Auch dort sind Windräder tabu. Neben Annweiler sind davon auch die Verbandsgemeinden Maikammer, Edenkoben, Landau-Land und Bad Bergzabern betroffen.
Windenergie für Landau-Land
Zumindest in einer der Verbandsgemeinden passiert aber trotzdem etwas. In Landau-Land plane die Unternehmensgruppe UKA (Umweltgerechte Kraftanlagen) auf einer Fläche zwischen Mühlhofen, Steinweiler, Winden und Hergersweiler vier Windräder, wie Bürgermeister Torsten Blank mitteilt. Diese sollen etwa 200 Meter hoch werden und eine Leistung von je sechs Megawatt erreichen. Damit soll dieser Windpark am Ende bis zu 18.000 Haushalte versorgen können. Die notwendigen Beschlüsse habe die Ortsgemeinde Billigheim-Ingenheim, zu der das Gebiet gehört, bereits gefasst. Die Windräder kommen also.
Damit gesellt sich Landau-Land zu den Verbandsgemeinden Offenbach (neun) und Herxheim (sieben) im Kreis SÜW sowie Kandel (elf), Lingenfeld (sieben), Bellheim (sechs), Jockgrim (fünf) und Rülzheim (drei) im Kreis Germersheim. Es wird deutlich: Auf Germersheimer Gebiet verteilen sich die Windkraftanlagen deutlich breiter. Während die Weinstraßen-Windkraftanlagen bisher nur in zwei verschiedenen Verbandsgemeinden stehen, gibt es im Kreis Germersheim nur in den Städten Germersheim und Wörth sowie in der Verbandsgemeinde Hagenbach keine.
Planungen an vielen Orten
Auch dort, wo bereits Windräder stehen, gibt es weitergehende Planungen. Im Kreis Germersheim betrifft das etwa die Verbandsgemeinden Bellheim und Lingenfeld. In Erstgenannter laufen bereits die Bauvorbereitungen für ein weiteres Windrad, in Letztgenannter befindet sich eines in der Genehmigungsphase. Damit soll auch der restliche Platz, der der Windkraft dort zur Verfügung steht, ausgefüllt werden. Neun neue Anlagen könnten in der Verbandsgemeinde Kandel entstehen, teilt Jens Forstner von der Kandeler VG-Verwaltung mit. Einerseits soll der auf Freckenfelder Gebiet stehende Windpark um vier Räder mit einer Gesamtleistung von 25 Megawatt erweitert werden. Andererseits könnten auf einem gemeinsamen Gebiet der Stadt Kandel und der Ortsgemeinde Minfeld, südöstlich von Winden, noch einmal fünf weitere Windräder errichtet werden.
In den beiden bisherigen Windkraftzentren der Südlichen Weinstraße bleiben die Verantwortlichen ebenfalls nicht untätig. Zwischen Offenbach und Herxheim soll westlich des bestehenden Offenbacher Windparks ein neuer errichtet werden. Entstehen könnten bis 2027 bis zu elf neue Anlagen, bis zu sechs davon auf Offenbacher Gebiet. Das hat jedenfalls die Gruppe UKA vor. In der VG Herxheim wurde darüber hinaus entschieden, 590 Hektar für Windkraftanlagen auszuweisen. Die Flächen befinden sich nördlich und südlich von Herxheim sowie zwischen Herxheim und Insheim. Projektierer hätten bereits Kontakt zu Grundstückseigentümern aufgenommen, teilt Verbandsbürgermeister Christian Sommer mit. Er geht davon aus, dass in den kommenden Jahren zehn bis zwölf neue Anlagen entstehen könnten.
Trotz Änderungen noch viele Hürden
Dass es so viel Bewegung gibt, liegt auch an neuen gesetzlichen Regelungen. So wurde der Mindestabstand zu Wohnhäusern von einem Kilometer für über 200 Meter hohe Windräder auf nur noch 900 Meter für alle reduziert. Außerdem gilt der Mast und nicht mehr die weiteste Ausdehnung der Rotoren als Ausgangspunkt der Messung. Allein dadurch seien mehr als sieben Prozent der Landesfläche für Windenergie hinzugewonnen worden, teilt das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium auf Anfrage mit – eine Fläche größer als das halbe Saarland. Trotzdem steht nicht alles davon für Windkraft zur Verfügung, schränkt das Ministerium ein. So gebe es auch dort teils noch Ausschlusskriterien, beispielsweise den Natur- oder den Artenschutz.
Dennoch wurde und wird aufgrund dieser Änderungen vielerorts aufs Neue überprüft, ob Gemeindeflächen nicht doch für Windenergie infrage kommen. Auch in Landau war die Freude anfangs groß, denn durch die Verringerung der Mindestabstände schien der Bau von Windrädern auf einem Gebiet bei Mörlheim möglich. Das sorgte für Diskussionen. Schließlich schaltete sich das Landesamt für Geologie und Bergbau ein und schob der Idee einen Riegel vor.
30 neue Windräder in der Südpfalz
Ein ähnliches Schicksal teilen die Verbandsgemeinden Bad Bergzabern und Maikammer. Im Bad Bergzaberner Land gebe es nur bedingt geeignete Flächen, sagt Bernd Heinz, Leiter der Bauabteilung. Aktuell sei kein Anlagenbau geplant. Und in Maikammer gebe es zwar Potenzialflächen, schreibt Verbandsbürgermeisterin Gabriele Flach. Es müsse aber noch geprüft werden, ob der Wind dort überhaupt ausreiche, um Anlagen wirtschaftlich betreiben zu können. Denn die Werte lägen jeweils knapp unter der Empfehlung.
Doch auch so wird sich die Zahl der Anlagen in der Südpfalz deutlich erhöhen, zusammengerechnet könnten auf absehbare Zeit bis zu 30 Windräder neu dazu kommen. Noch deutlicher wird sich allerdings die produzierte Energie steigern, denn moderne Anlagen sind leistungsstärker als ältere Modelle. Das verdeutlichen die Kenndaten. Die schwächsten Weinstraßen-Windräder sind drei Anlagen im Windpark Herxheimweyher-Rülzheim, die im kommenden Jahr ihren 20. Geburtstag feiern. Sie haben laut Energieatlas Rheinland-Pfalz eine Leistung von 1,5 Megawatt. Anlagen wie diejenigen, die in Landau-Land errichtet werden sollen, kommen auf eine Leistung von sechs bis sieben Megawatt.
Alte Anlagen sollen ersetzt werden
Deshalb soll neben dem Neubau auch das „Repowering“ vorangetrieben werden. Das heißt, alte Anlagen werden durch neue ersetzt. So kann die gleiche Fläche effizienter genutzt werden. Doch bis dahin dauert es noch. Die Energie Südpfalz teilt mit, dass das Repowering ihrer Anlagen im Windpark Offenbach nach jetzigem Kenntnisstand frühestens 2030 anstehe. Auch das Unternehmen Pfalzwind, das gemeinsam mit anderen Anbietern unter anderem Windräder der Windparks Offenbach und Herxheim-Bellheim betreibt, setzt auf den Austausch alter Anlagen, wie Sprecher Sven Claus bestätigt.
