Kreis Südliche Weinstraße Wie Licht zum Wertstoff wird

„Cape noctem“ steht auf einem Schild im Flur von Holger Alexis Haus. „Cape noctem“ heißt – für alle Nichtlateiner: Nutze die Nacht. „Das Schild habe ich selbst gemacht, der Spruch ist meine Idee, aber das trifft es doch ganz gut“, sagt Alexi und lacht. Eigentlich ist Holger Alexi in der Dienstleistungsbranche tätig, ist selbstständig, macht „Business Development“, wie er sagt. Im Klartext: Er erschließt für Geschäftsleute und Unternehmen ausländische Märkte, ist viel in Asien und Afrika unterwegs. Erfindungen sind sein Hobby. „Ich schaue genau hin und mache mir dann meine Gedanken darüber, wo man etwas verbessern kann“, erzählt der 63-Jährige. Die Grundidee für das Licht-Recycling kam ihm aus der Beobachtung, dass viele Kinder oder auch ältere Menschen nachts nur mit Licht schlafen können. Das kostet Energie. Und was passiert bei Stromausfall? „Ich bin viel in Nigeria oder auf den Philippinen unterwegs, dort gibt es fast täglich fünf bis acht Stunden Stromausfall“, schildert Alexi seine Erfahrungen. Was es in diesen Ländern aber reichlich gibt, ist Sonnenschein. Soweit die Voraussetzungen. In Holger Alexis Kopf begann eine Idee zu reifen. Er fing an zu tüfteln. Zunächst pinselte er ein Marmeladenglas mit einer grünlich-gelben Farbe an, in der sich Leuchtkristalle befanden. Der Erfolg war bescheiden, außerdem war klar, „dass lässt sich nicht so leicht duplizieren“, sagt Alexi. Als nächstes hatte er die Idee Kunststoffblättchen produzieren zu lassen und diese mit besagter Farbe zu bestreichen. „Ich dachte zunächst an eine Blindenwerkstatt, doch die konnten das nicht leisten.“ Alexi fand einen Familienbetrieb im Schwarzwald, der seine Idee umsetzen konnte. Allerdings mussten noch einige Entwicklungsphasen durchlaufen werden, bis das Endprodukt Licht-Recycler fertig war. „Ich habe verschieden Materialien getestet, die Leuchtformulierung musste immer wieder angepasst werden. Auch das Design wurde mehrfach verändert“, schildert Alexi den Prozess. Der fertige Licht-Recycler kostet 20 Euro, sieht aus wie ein Bierdeckel und passt in jede Hemdtasche. Er lässt sich sowohl durch Tageslicht als auch durch Kunstlicht aufladen. „Nach einer Stunde aufladen, leuchtet er rund 130 Stunden“, versichert Alexi. Die Leuchtkristalle werden aus seltenen Erden gewonnen, sie müssen extrahiert werden. China dominiere den Markt mit seltenen Erden, so Alexi. Die Chinesen gingen aber in eine andere Entwicklungsrichtung, außerdem seien sie mit der Technik noch nicht soweit. „Ich finde auch, wir sollten das Know-how in Deutschland lassen“, sagt Alexi, der deshalb mit einheimischen Unternehmen zusammenarbeitet. Der Licht-Recycler leuchtet türkis-aqua, was sehr beruhigend für die Augen ist. Holger Alexi bezeichnet sein Produkt als Teil alternativer Energie-Konzepte. „Wenn eine Million Haushalte nur zehn Watt pro Tag an Energie dadurch einsparen, sind das aufs Jahr gesehen einige Milliarden Watt an eingesparter konventioneller Energie“, rechnet Alexi vor. „Für Kinderspielzeug zertifizierte Leuchtkristalle sind eine nachhaltige Alternative. Die eingesparte Energie ist messbar, jede eingesparte Kilowattstunde schont unsere Energiereserven und verringert den Kohlendioxid-Ausstoß“, versichert der Erfinder. Im Kinderzimmer oder Schlafzimmer mache der Licht-Recycler Sinn, in Nasszellen von Wohnmobilen sei er gut zu verwenden, dort gebe es eine tolle Reflexion. „Sinnvoll ist er eigentlich für alle Menschen, die mit unseren Energie-Ressourcen bewusst umgehen und für die Nachhaltigkeit wichtig ist“, meint Alexi. Eine Wermutstropfen gebe es aber doch: Der Licht-Recycler könne keine Taschenlampe ersetzen. 550 Licht-Recycler wurden bisher produziert, weitere werden hergestellt. Derzeit werden sie bei einem Projekt mit Straßenkindern in Uganda getestet. „Die Idee ist, dass hier durch Spenden von Kunden Licht-Recyler finanziert werden. Wie senden die an eine Mission, die mit diesen Kindern arbeitet. In Uganda gibt es sehr häufig Stromausfälle. Die Kinder können den Licht-Recycler für ein paar Euro verkaufen und haben so ein Einkommen. Die Familie, die den Licht-Recycler kauft, hat weniger Ausgaben für Energie, also mehr Geld für dringend benötigte Dinge zur Verfügung, da der Recycler Orientierung in der Nacht gibt“, beschreibt Alexi seinen Plan. Der Licht-Recycler ist übrigens nicht die erste Erfindung von Holger Alexi. 1986 entwickelte er eine Knoblauch-Presse, die als Knobi-Press immer verkauft wird. „Ich habe den Vertrieb an eine Firma abgeben. Aber das Ding verkauft sich immer noch“, freut sich Alexi.