SÜW
Wie geht es nach der Erdölförderung in der Südpfalz weiter?
Überall in Deutschland machen sich Kommunen Gedanken zur Wärmeplanung. Wie kann die Wärmewende gemeistert werden? In der Südpfalz kommen einem beim Gedanken an das Thema Energie schnell die grünen „nickenden Pferdekopfpumpen“ in den Sinn, die zumeist in Weinbergen oder an Feldern stehen und zur Erdölförderung eingesetzt werden. Hinter diesen Pumpen steht das Energieunternehmen Oneo mit Sitzen in Wien und Hannover, das das Erdölfeld mit seinen rund 60 Anlagen im Jahr 2021 von der BASF-Tochter Wintershall Dea übernommen hatte.
Das Unternehmen hat bekundet, die Förderstellen irgendwann für nachhaltige Energieerzeugung in Form von Fotovoltaik oder Erdwärme nutzen zu wollen. Hieran anknüpfend hat es bereits Gespräche mit SÜW-Landrat Dietmar Seefeldt gegeben. Das Augenmerk liegt auf den Ortsgemeinden Walsheim und Knöringen, denn dort existieren bereits 18 Förderstellen mit einer Tiefe von etwa 900 bis 1300 Metern, wie Oneo-Sprecher Andreas Bachmeier auf Anfrage der RHEINPFALZ mitteilt.
Mission Wärmewende bis 2045
Laut Bundesbauministerium verursacht die Wärmeversorgung mit mehr als der Hälfte des Energieverbrauchs derzeit einen wesentlichen Teil des Treibhausgasausstoßes in Deutschland. Im Gebäudesektor stammt die Wärme noch überwiegend aus fossilen Energiequellen wie Erdgas und Öl. Deshalb rückt das Thema Wärmeplanung auch auf lokaler Ebene immer mehr in den Fokus. Die „Wärmewende“, also die Transformation der derzeit fossil dominierten Wärmeversorgung von Gebäuden und Industrie hin zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung, soll bis zum Jahr 2045 gelingen. „Natürlich machen wir uns hierzu unsere Gedanken“, sagt Landrat Seefeldt.
Die gesetzliche Pflicht zur kommunalen Wärmeplanung betreffe künftig viele Kommunen – auch einige im Landkreis SÜW. „Nach unserem Informationsstand haben die meisten Verbandsgemeinden im Kreis bereits einen Förderantrag gestellt, um die zu erwartenden Kosten durch die kommunale Wärmeplanung mit Bundesmitteln abzufedern“, erklärt Dietmar Seefeldt. „Wir liegen in einem seltenen Gunstgebiet für Erdwärme.“
Ein „natürlicher Schatz“
Eben jene Erdwärme halte im Oberrheingraben in geringer Tiefe schon große Wärmemengen bereit. Sie sei deshalb auch im Landkreis ein Hoffnungsträger für die künftige Energieversorgung. „Darum haben wir das Thema auch im Klimaschutzkonzept festgehalten.“ Die Zuständigkeiten für die Projekte lägen dann bei den Orts- und Verbandsgemeinden. Auch Überlegungen mit der Firma Oneo könnten ein Baustein sein. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage darüber möglich, in welcher Dimension diese Form der Energie genutzt werden könne. Es sei alles in einem sehr frühen Stadium, hält der Landrat fest.
Es liegt auf der Hand, dass die vorhandenen Pumpen eine gewisse Infrastruktur vorgeben können. Davon ist Knöringens Ortsbürgermeister Dieter Ditsch überzeugt, auch wenn man mit den Überlegungen und Plänen hierzu noch ganz am Anfang stehe. Er sieht die Erdwärme im Oberrheingraben als eine Art natürlichen Schatz. Die gemeinsamen Gespräche mit dem Unternehmen Oneo und weiteren Experten habe er als fruchtbar empfunden. Wichtig sei es auch, sobald es in irgendeiner Form konkretere Pläne gebe, die Bürger mit ins Boot zu nehmen. Am Ende, so ist er sich sicher, könnten viele Haushalte profitieren.
Wie geht es nun weiter?
Die entscheidende Frage ist also – auch wenn das nach heutigem Stand noch Zukunftsmusik ist: Was geschieht mit den Bohrlöchern, wenn die Erdölförderung stillgelegt wird? „Die Weiternutzung von Erdölbohrungen für Geothermie ist möglich, muss jedoch in jedem Einzelfall untersucht werden. Es sind aber auch neue Bohrungen denkbar“, sagt Oneo-Sprecher Bachmeier. In jedem Fall brauche es dafür eine Machbarkeitsstudie. Eine solche Studie ermittle die Wirtschaftlichkeit des Projekts, das Interesse zur Beteiligung am Projekt sowie den privaten und gewerblichen Wärmebedarf im Umkreis, so Bachmeier.
Erst danach lägen allerdings fundierte Aussagen zur möglichen Wärmeförderung vor. „Eine solche Studie durchzuführen, dauert ungefähr ein Jahr. Ab wann die Erdwärme nutzbar sei, könne also noch nicht gesagt werden.“ Fakt ist unterdessen: Die Erdölförderung an den noch bestehenden Förderstellen in den Bereichen Knöringen/Walsheim ist noch für mehrere Jahre geplant, teilt das Unternehmen Oneo weiter mit.
In Sachen Erdwärme werden Gespräche geführt, heißt es. Neuigkeiten, was den Projektstand angeht, werde es dann möglicherweise im neuen Jahr geben, kündigt das Unternehmen an.