Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Wie es mit der Volkshochschule weitergeht

Die Volkshochschule muss aus dem Alten Rathaus ausziehen: Angelika Burkhard (links) und Rosa Jalali Modlagh füllen die Umzugskar
Die Volkshochschule muss aus dem Alten Rathaus ausziehen: Angelika Burkhard (links) und Rosa Jalali Modlagh füllen die Umzugskartons.

Die Kurstadt hat ihre gut funktionierende Volkshochschule vor die Wand gefahren. Bisher ist kein Vertrag mit dem Kreis unterschrieben, der sie übernehmen soll. Es gibt keine Leitung mehr – und kein Programm.

Ob es mit der Volkshochschule (VHS) in Bad Bergzabern weitergeht, und falls ja, wie und wo es weitergeht, steht in den Sternen. „Der Kreis übernimmt die Volkshochschule“, war in der Vergangenheit zu hören, wenn die Rede auf den Verkauf des Alten Rathauses kam, der mit dem Auszug der Volkshochschule und der Stadtbücherei verbunden war. „Ob der Zeitplan, der die Fusion zum Jahresbeginn 2025 anvisiert hat, haltbar ist, muss aktuell infrage gestellt werden“, sagt dazu die Kreisverwaltung auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Fakt ist, dass es derzeit nichts gibt, was konkret auf die Übernahme hinweist – außer einem vorläufigen Vertragsentwurf, den noch niemand unterschrieben hat. Dessen juristische Prüfung dauert an, wie die Kreisverwaltung mitteilt.

VHS nicht informiert

Doch von vorne: Der Verkauf des Alten Rathauses mit der Stadtbücherei im Erdgeschoss und der Volkshochschule im ersten Stock ging schnell über die Bühne. Das denkmalgeschützte Gebäude im Stadtkern ging für 400.000 Euro weg – ohne, dass es die Vertreter der Stadt nötig fanden, die Macherinnen der VHS zu informieren. Es wurde auch in Kauf genommen, dass viele der bereits angemeldeten Teilnehmer für Kurse des Herbstsemesters gar nicht mehr rechtzeitig benachrichtigt werden konnten. Und mit ihren bereits gekauften Lehrmaterialien dann ohne Kurs dastanden.

Ehrenamtliche Leiterin der VHS: Nadine Burckgard-Bohrer.
Ehrenamtliche Leiterin der VHS: Nadine Burckgard-Bohrer.

Die ehrenamtliche Leiterin der VHS, Nadine Burckgard-Bohrer, die die Einrichtung fünf Jahre lang geleitet hat, erfuhr von der Schließung aus der Zeitung, wie sie der RHEINPFALZ am Tag des Auszugs mitteilte. Und sie werde auch nicht weitermachen, sagt sie.

Keinen Platz mehr zum Arbeiten hat auch Angelika Burkhard, die die Geschäftsstelle und die Verwaltung innehatte. Lediglich Rosa Jalali Modlagh, die die noch laufenden Integrationskurse für rund 60 Geflüchtete verwaltet, sitzt derzeit noch in einem Kämmerlein in der Verbandsgemeindeverwaltung. Monika Kukyte, Leiterin der Kreisvolkshochschule (KVHS), hält zur derzeitigen Situation fest: „Die VHS Bad Bergzabern arbeitete in der Vergangenheit sehr professionell. Nachdem nun vor Ort allerdings so viele Veranstaltungen abgesagt worden sind, werden wir erst einmal viel Kraft investieren müssen, um dort überhaupt das typische Bildungsangebot einer Volkshochschule im nächsten Jahr wieder ins Programm zu bekommen. Das wird herausfordernd, aber wir wollen es schaffen“

Gähnende Leere im Rathaus

Im Alten Rathaus in der Stadtmitte herrscht derzeit noch gähnende Leere. Die Stadt hat das Gebäude zum 1. November dem neuen Besitzer übergeben. Nach Informationen der RHEINPFALZ gehört es jetzt einer Tochterfirma von HWS, einer Steuerberater- und Wirtschaftskanzlei mit 20 Standorten in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, unter anderem in Bad Bergzabern und Landau.

Mit dem Verkauf des Gebäudes war auch der Auszug der Stadtbibliothek verbunden, die jetzt wesentlich verkleinert im Haus des Gastes untergebracht wird. Wie und in welchen Räumen künftig die Volkshochschule unter der Leitung des Kreises weitermachen wird, ist derzeit nicht bekannt.

Sie war bisher eine Bildungseinrichtung, die mit Gewinn gewirtschaftet hat. Beispielsweise wurden vor zwei Jahren 74 Kurse angeboten, die von 651 Teilnehmern besucht wurden. Ergebnis: Ein Plus von fast 30.000 Euro. Der Gewinn kam auch wegen der Integrationskurse zustande, für die die VHS Bad Bergzabern als einzige im Kreis eine Zertifizierung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hat. Dass die Integrationskurse wichtig sind, bestätigt die Kreisverwaltung. „Es ist aber kein Angebot, dass die KVHS unbedingt haben oder übernehmen wollte“, heißt es hierzu weiter. Die Kreisverwaltung hätte die VHS der Stadt „viel lieber“ ohne die Integrationskurse übernommen. Und warum? „Diese Kurse machen die Struktur kompliziert und ziehen viele Ressourcen ab“, erklärt die Kreisverwaltung. Sprich, sie machen eine Menge Arbeit, die sich die Kreisverwaltung eigentlich nicht aufhalsen wollte.

Kreis: Integrationskurse finanziell nicht attraktiv

Zudem teilt der Kreis mit, dass die Integrationskurse finanziell nicht so attraktiv sind wie sie auf den ersten Blick aussehen. Die Verwaltung rechnet allenfalls mit einem kleinen Gewinn oder einer schwarzen Null. Trotzdem strebe er eine eigene Qualifizierung an, teilt der Kreis weiter mit. Man gehe auch davon aus, dass die Stadt noch das Programm für das erste Halbjahr 2025 erstellt. „Uns wurde seitens der VHS zugesagt, dass die Planung des Semesterprogramms fürs erste Halbjahr 2025 wie bisher erfolgt und der derzeit noch bestehenden VHS obliegt.“

Der Landkreis will auch den Vorschlag der Verbandsgemeinde für den ehrenamtlichen Posten der Leitung der VHS abwarten. Die Verbandsgemeinde habe das Vorschlagsrecht für diesen Posten. Allerdings stehe ein Büro für die ehrenamtliche Leitung nicht zur Verfügung, ein Büro für die Geschäftsstelle werde noch gesucht.

Michael Nauth aus Blankenborn war von 2015 bis 2019 ehrenamtlicher Leiter der VHS. „Es ist ein unwürdiges Schauspiel der Stadtspitze, dass niemand von der Volkshochschule rechtzeitig informiert wurde“, sagt er. Er ziehe seinen Hut vor der ehemaligen Leiterin Nadine Burckgard-Bohrer, davor wie sie die Einrichtung durch die Coronazeit gebracht habe. Das alles sei wenig oder gar nicht gewürdigt worden. „Die VHS ist einträglich, da bleibt was hängen, in meiner Zeit hatten wir einmal sogar knapp 60.000 Euro Überschuss in einem Jahr“, so Nauth. Dass Bildungsangebote öffentliche Pflicht sind, der die Stadt sich jetzt entledigt hat, stehe für ihn fest.

x