Billigheim-Ingenheim / Waldleiningen RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein Paar seinen zweiten Frühling in der Pandemie erlebt

Walli Krämer und Oswald Kullmer haben sich beim Wandern kennengelernt. In die Natur zieht es die beiden immer wieder.
Walli Krämer und Oswald Kullmer haben sich beim Wandern kennengelernt. In die Natur zieht es die beiden immer wieder.

Mit über 70 Jahren erleben Walli Krämer und Oswald Kullmer ihren zweiten Frühling. Das verliebte Pärchen führt eine Fernbeziehung zwischen der Südpfalz und dem Kreis Kaiserslautern. In Corona-Zeiten eine Herausforderung. Aber für seine Walli würde der Westpfälzer sogar bei Nacht und Nebel mit dem Fahrrad durch die Wälder fahren.

Sie hatten beide ihre Lieben, aber dann hat sie das Schicksal alleine gelassen. Dass sie zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes bei einem Wanderausflug ein neues Glück finden würde, damit hatte Walli Krämer nicht gerechnet, als sie 2015 mit einer Freundin an der Landauer Hütte Rast machte. Dort hatte sich gerade eine Gruppe des Pfälzerwald-Vereins aus dem westpfälzischen Waldleiningen niedergelassen, man kam ins Gespräch, und zwischen ihr und dem Vorsitzenden des Vereins funkte es. „Es hat nicht lange gedauert, bis wir zusammenkamen. In unserem Alter kann man sich das nicht mehr lange überlegen“, meint die 74-Jährige schmunzelnd.

Allerdings trennt das Paar 60 Kilometer Entfernung. Und Zusammenziehen ist für es keine Option. „Ich bin hier bei den Landfrauen aktiv, und er ist dort Ortsbürgermeister. Wir können beide nicht weg“, stellt Walli Krämer klar. So führen sie und Oswald Kullmer seit sechs Jahren eine Fernbeziehung zwischen Billigheim-Ingenheim und der Westpfalz. Jeden Morgen wird am Frühstückstisch miteinander telefoniert, im Laufe des Tages fliegen Whatsapp-Nachrichten hin und her, und die verlängerten Wochenenden gehören der Zweisamkeit. Da wird gewandert, im Garten gewerkelt und zu Urlauben aufgebrochen. Mehrere Foto-Collagen hat Walli Krämer von den Trips an ihrer Wohnzimmerwand hängen. Bilder aus vergangenen Tagen. Denn Corona macht ja aktuell allen Reiseplänen einen Strich durch die Rechnung. „Das Virus hat uns jetzt schon ein ganzes Jahr gestohlen. Das ist gerade in unserem Alter nicht optimal“, findet Walli Krämer. Und auch ihre Beziehung lässt die Pandemie nicht kalt.

Bei Nacht und Nebel durch die Wälder

Gerade im ersten Lockdown, als die Kontakterlaubnisse sehr eingeschränkt waren, hatten die beiden Angst, sich nicht mehr sehen zu dürfen. Und auch jetzt noch „befürchten wir jede Woche, dass es durch Corona nicht mehr möglich ist, uns gegenseitig zu besuchen“, sagt Walli Krämer. Aber ihrer Nähe würden sie durch nichts und niemanden einen Riegel vorschieben lassen: „Wir haben uns überlegt, wenn ein Verbot käme, würde mein Partner mit dem Fahrrad bei Nacht und Nebel durch die Wälder über Johanniskreuz und Hofstätten nach Billigheim fahren. Er müsste dann nur auf die Wildschweine achten“, erzählt sie und ist glücklich: „Ja, das ist wahre Liebe.“

Trotzdem, die Sorge ist präsent, sich oder den Partner anstecken zu können. „Wir sind vorsichtig. Aber die Gefahr ist da, und man muss sich darauf einstellen und einschränken“, macht Oswald Kullmer deutlich, der beispielsweise Gemeinderatssitzungen im Online-Format abhält. Seine Partnerin hat aus nächster Nähe erfahren, wie hart das Virus zuschlagen kann. In der Nachbarschaft war eine ganze Familie erkrankt. „Die hat es schlimm erwischt“, ist Walli Krämer nachdenklich. Sie hat für die Nachbarn in der Quarantänezeit die Einkäufe erledigt. Für sich und ihren 75-jährigen Partner hofft sie nun, „dass wir die Pandemie überstehen, bis wir geimpft sind“.

„Im Alter wird man gelassener“

Die beiden verbinden übrigens nicht nur die gemeinsamen Hobbys, auch beruflich waren sie im gleichen Metier tätig. Walli Krämer arbeitete in einer Apotheke, in einem Modegeschäft und zuletzt in einem Post-Shop. Oswald Kullmer war sein Leben lang bei der Post beschäftigt. Briefe oder Karten schicken sich die beiden trotz dessen nicht zu, dafür hat man heutzutage schließlich das Handy.

Dass ihre Eltern in reiferen Jahren noch einmal einen zweiten Frühling erleben, damit haben die fünf Kinder der beiden kein Problem. „Die freuen sich, dass wir noch mal jemand Neues gefunden haben“, sagen die beiden unisono. Das Schöne an einer Partnerschaft im Alter sei, dass man mehr Rücksicht aufeinander nehme, findet Walli Krämer: „Man wird gelassener und nimmt die Macken des anderen eher in Kauf.“ Darauf ertönt es von der Seite: „Ich habe keine Macken.“ Beide müssen schmunzeln. „Ah so ...“, kommentiert die 74-Jährige. Überhaupt haben die zwei ihr Herz auf der Zunge, und besonders Walli Krämer ist um keinen guten Spruch verlegen. Das zeigt sich auch bei der Inneneinrichtung des Billigheimer Hauses. Farbenprächtige Malereien, Tiffany-Lampen und Fensterbilder zieren das Wohnzimmer. Den Glasschmuck stellt Oswald Kullmer her. „Was mir gefällt, luchse ich ihm ab“, bemerkt seine Partnerin. Die Bilder stammen von ihrem verstorbenen Gatten. „Ich such’ mir die Männer immer so aus, dass sie künstlerisch begabt sind“, sagt sie und grinst. Miteinander haben die beiden auf jeden Fall einen guten Fang gemacht. Wenn es dann noch dieses Jahr möglich wird, dass Oswald Kullmer seinen 75. Geburtstag groß nachfeiern könnte, wäre für ihn alles perfekt.

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