Bellheim / Rohrbach RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn Betrüger klingeln: Dachhaie dank Google entlarvt

Nicht alle Handwerker haben auch immer die besten Absichten.
Nicht alle Handwerker haben auch immer die besten Absichten.

Immer wieder werden Hausbesitzer Opfer sogenannter Dachhaie. Handwerker, die einen vermeintlichen Schaden sofort reparieren wollen. Verlockende Angebote werden schnell zur teuren Betrugsfalle. Eine Betroffene erzählt, wie sie den Tätern auf die Schliche kam.

Es ist immer die gleiche Masche: umherziehende Handwerker, die angeblich einen Schaden am Dach entdeckt haben, der schnell repariert gehört. „Doch das sind meist nur vermeintliche Dachdecker, die es auf Ihr Geld abgesehen haben“, warnt die Polizei. Diese sogenannten Handwerker drängen sich ihren Opfern geradezu auf, versprechen eine kostengünstige „Reparatur“ und verlangen am Ende einen völlig überzogenen Lohn für ihre „Dienstleistung“. Nicht selten setzen sie die Opfer unter Druck, um an das Geld zu kommen.

Erst Mitte des Monats meldete die Polizei einen Fall in Rohrbach. Dabei war es zu einem Schaden von 5000 Euro gekommen. „Dachhaie“ wollten bei einer Familie defekte Ziegel austauschen. Letztlich seien die Arbeiten dilettantisch durchgeführt worden, und die angeblichen Handwerker hätten immer mehr Geld gefordert. Daraufhin schaltete die Familie die Polizei ein. Die vor Ort angetroffenen „Mitarbeiter“, die bereits polizeilich bekannt waren, erwartet nun ein Ermittlungsverfahren.

Großeltern wurden Opfer

Wie dreist solche Betrüger vorgehen, hat auch Alisa Huhle aus Bellheim am eigenen Leib erfahren. Die 23-jährige Studentin war Anfang Februar bei ihren Großeltern, beide Mitte 70, als dort eine Gruppe Handwerker an der Tür klingelte. Es ging um das Dach über der Garage, das angeblich erneuert werden müsste. „Die wollten das Dach für 500 Euro sofort erneuern. Mein Opa war kurz mit ihnen draußen, da standen sie schon auf dem Dach“, erzählt Huhle. So schnell habe man gar nicht gucken können.

Ab diesem Zeitpunkt sei sie skeptisch geworden. „Ich habe dann sofort ein Schreiben aufgesetzt, in dem einfach stand, was die Handwerker genau machen wollten und was sie dafür verlangen“, sagt die 23-Jährige weiter. Um Informationen wie die Namen der Arbeiter und der Baufirma zu erfahren sowie eine Unterschrift der Arbeiter zu bekommen, habe sie dann mit dem „Chef“ der Gruppe gesprochen. Er sei auch der einzige gewesen, der einigermaßen gut Deutsch reden konnte.

Einfach mal googlen

„Das Gespräch hat ihm nicht gefallen – dem Mann stand der Schweiß im Gesicht. Er war gestresst und hat rumgedruckst“, erinnert sich Huhle. Sie habe daraufhin die Firma gegoogelt – und keine Einträge gefunden. Doch nicht nur das: Auch das Angebot der angeblichen Handwerker hatte sich auf einmal geändert. Plötzlich stand ein Betrag von 6800 Euro im Raum. „Das Dach war zu dem Zeitpunkt schon halb abgedeckt, man wollte meinen Großeltern keine andere Wahl lassen“, sagt die 23-Jährige.

Erst nach Androhung, die Polizei zu rufen, flüchteten die Handwerker – und ließen den Schaden zurück. Nachbarn hatten der Familie zwar geholfen, die Platten behelfsmäßig wieder auf das Dach zu zimmern. Repariert werden musste es dann trotzdem. Diesmal professionell. Die Kosten von 3000 Euro wiegen dabei fast genauso schwer wie die Scham. „Meinen Großeltern passiert sowas nie. Wir haben Polizisten in der Familie, und sie passen immer auf. Es war ihnen sehr peinlich“, erzählt Huhle. Gegen die Täter läuft aktuell ein Verfahren.

Doch was tun, wenn plötzlich Handwerker an der eigenen Haustür klingeln? Die Polizei warnt ausdrücklich vor Geschäften an der Haustür. Die 23-jährige Huhle empfiehlt jedem aus Erfahrung: skeptisch sein. „Erst einmal ein Angebot machen lassen und explizit nach Namen und Firma fragen. Es ist wichtig, die Leute etwas unterschreiben zu lassen. Professionelle Handwerker fühlen sich davon ja auch nicht unter Druck gesetzt“, sagt sie. Außerdem natürlich: Googel befragen. Und im Zweifelsfall immer die Polizei benachrichtigen und das Nummernschild fotografieren, damit es gar nicht erst zu einem Schaden kommt.

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