Schweigen-Rechtenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Tankstelle am Weintor: Großprojekt erst einmal ausgebremst

Auf der Fläche unten war einst eine Tankstelle in unmittelbarer Nähe zum Weintor.
Auf der Fläche unten war einst eine Tankstelle in unmittelbarer Nähe zum Weintor.

Der Landauer Unternehmer Thomas Frühmesser kann sich eine Tankstelle unweit des Weintors vorstellen. Die Gemeinde lehnt das zunächst ab. Vom Tisch ist die Idee aber nicht.

Das Deutsche Weintor, zahlreiche Wanderwege, Weinstuben, Hotels, der Ausblick über die Rebzeilen bis nach Frankreich – es ist kein Wunder, dass Schweigen-Rechtenbach ein Magnet für Besucher aus allen Himmelsrichtungen ist. Angereist wird – auch in Ermangelung von Bahngleisen in der Doppelgemeinde – per Auto oder per Reisebus. Mehrere Parkplätze für große und kleine Fahrzeuge tragen dem Rechnung. Eine Sache, die dazu passen würde, gibt es allerdings nicht: eine Tankstelle.

Genau genommen muss man sagen, eine Tankstelle gibt es unweit des Weintors nicht mehr. Denn einst konnten sich Autofahrer direkt an der Weinstraße, kurz bevor die Bebauung des Ortsteils Rechtenbach beginnt, mit Kraftstoff versorgen. Das liegt allerdings viele Jahre zurück. Nachdem der damalige Pächter die Total-Station nicht mehr betreiben wollte, wurde die Anlage abgebaut. Ein Grund für deren Aufgabe war sehr wahrscheinlich, dass die Tankstelle an dieser Stelle nicht rentabel war, da lange Zeit der Sprit in Frankreich, das nur einen Steinwurf entfernt ist, deutlich günstiger war als in Deutschland.

Die Zeiten haben sich dahingehend geändert. Die Preise für Benzin und Diesel liegen dies- und jenseits der Grenze längst nicht mehr so weit auseinander. Lohnt sich also wieder eine Tankstelle in Schweigen-Rechtenbach? Womöglich schon – denkt auch Thomas Frühmesser. Zumindest hat der Geschäftsführer des gleichnamigen Landauer Mineralölhandels, der mehrere Tankstellen in der Südpfalz betreibt, die Idee, in Sichtweite zum Deutschen Weintor eine Station zu bauen.

Er weiß sogar schon, wo genau: an der Stelle, an der einst die Total-Tankstelle war und heute eine Wiese ist. Denn das Grundstück direkt an der B38 ist in seinem Eigentum, wie er gegenüber der RHEINPFALZ bestätigt. Er habe das Areal unterhalb des Kreisels in Richtung Rechtenbach im vergangenen Jahr gekauft. Dass er sich dort eine Tankstelle vorstellen kann, wurde jüngst öffentlich bekannt, weil sich der Gemeinderat und einige Tage zuvor der Bauausschuss mit dem Thema befasst haben.

Konkret hatte Frühmesser eine Bauvoranfrage für den Neubau einer Tankstelle mit Shop-Gebäude, Waschhalle, SB-Waschboxen, E-Ladeplätzen und Camper-Stellplätzen eingereicht. Auf den beiliegenden Plänen sind unter anderem vier Zapfsäulen, vier Ladestellen sowie vier Wohnmobilplätze vorgesehen. Kurzum: in unmittelbarer Nähe zum Weintor ist ein Großprojekt geplant. So zumindest der erste Eindruck.

Bei genauerem Hinschauen stellt sich die Sache anders dar. Zunächst einmal handelt es sich lediglich um eine Bauvoranfrage. Sie dient in erster Linie dazu, die baurechtliche Zulässigkeit eines Vorhabens überprüfen zu lassen. Bis zu einem Bauantrag ist es von diesem Punkt aus noch ein Stück. „Das ist keine Planung“, stellt Frühmesser auf RHEINPFALZ-Nachfrage klar. „Das ist nur eine Idee, was man machen könnte.“ Und dass sich Frühmesser als Mineralölhändler eine Tankstelle auf einem Grundstück in seinem Eigentum vorstellen kann, ist nun einmal naheliegend.

„Das ist ein Prozess zwischen mir als Investor und der Gemeinde“, erklärt Frühmesser. „Und der steht noch ganz am Anfang.“ Was der Unternehmer damit meint: Er möchte mit den Verantwortlichen der Ortsgemeinde besprechen, was an dieser Stelle für sie vorstellbar ist. Erst danach möchte er konkret tätig werden. „Was auf dem Grundstück einmal gebaut wird, steht in den Sternen.“

Klar ist, dass in naher Zukunft keine Tankstelle kommen wird. Der Gemeinderat hat nämlich die Bauvoranfrage auf Empfehlung des Bauausschusses negativ beschieden. Und zwar „aufgrund der vorliegenden Pläne“, wie Ronny Bodenseh (CDU), Erster Beigeordneter Schweigen-Rechtenbachs, erklärt. Die Dimension ist zuerst einmal zu groß. „Ich weiß, dass es im Dorf sehr unterschiedliche Auffassungen dazu gibt“, sagt Bodenseh.

Bürgermeisterin Sabine Bentz (FWG) sieht das genauso. Ihr sei bewusst, dass einige Anwohner das nicht gut finden, sagt sie. Dass die Bauvoranfrage zunächst negativ beschieden wurde, begrüßt sie. „Weil wir als Gemeinde möglichst ein Mitspracherecht haben wollen, was an der Stelle gebaut wird.“ Sie befürchtet, dass genau das nicht gegeben gewesen wäre, wenn man die Anfrage positiv bewertet hätte. „Ich habe da eine Verantwortung gegenüber meiner Gemeinde.“

Grundsätzlich möchte die Bürgermeisterin nichts ausschließen. Bevor sich die Gemeinde allerdings positioniert, wolle sie mit den Bürgern Schweigen-Rechtenbachs ins Gespräch kommen, was sie sich vorstellen könnten. Etwa bei einer Anwohnerversammlung. Kurzfristig wird das Areal kurz vor der Bebauung im Ortsteil Rechtenbach jedenfalls eine Wiese bleiben. Oder wie es Frühmesser ausdrückt: „Da kommt auf absehbare Zeit kein Bagger.“

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