Rohrbach RHEINPFALZ Plus Artikel Start der Bärlauchsaison: Was Sie über das Kraut wissen sollten

Die Pflanzen dürfen nur für den Eigenbedarf gesammelt werden.
Die Pflanzen dürfen nur für den Eigenbedarf gesammelt werden.

Beim Waldspaziergang steigt Knoblauchgeruch in die Nase? Dann sprießt der Bärlauch. Mit dem heimischen Wildkraut lassen sich köstliche Speisen zubereiten. Doch Vorsicht! Es besteht Verwechslungsgefahr mit giftigen Doppelgängern.

Ob der Bärlauch seinen Namen den Bären verdankt? Meister Petz wird jedenfalls nachgesagt, dass er nach seinem langen Winterschlaf gerne das vitaminreiche Wildkraut verzehrt, um schnell wieder zu Kräften zu kommen. Beweisen lässt sich das nicht. Tatsache dagegen ist, dass Bärlauch in fast ganz Europa bis hinauf in die Höhenlagen der Alpen verbreitet ist – ohne dass dort jemals Bären gesichtet worden wären.

Im „Allium ursinum“, so der botanische Namen der Pflanze aus der Familie der Amaryllisgewächse, stecken in jedem Fall Bärenkräfte. Davon ist Inge Angenendt aus Rohrbach überzeugt. Sie ist Mitbegründerin des Pflanzentausch-Tages, der zwei Mal im Jahr stattfindet, und bietet Führungen auf dem Wildpflanzen-Lehrpfad gegenüber dem Rohrbacher Bahnhof an.

Kraut mit vielen Namen

Bereits in der Antike wurde Bärlauch als Heil- und Gewürzkraut verwendet, erzählt die Kräuterexpertin. Eigentlich ist er ein Winzling: Er wird circa 30 Zentimeter hoch, hat sternenförmige, weiße Blüten und ein Laubblatt, das sich um den Stiel windet. Bärlauch ist nicht sein einziger Name. Andere Bezeichnungen, wie Hexenzwiebel, Wurmlauch, wilder Knoblauch oder Teufelsknoblauch weisen auf seine Verwandtschaft mit den in der Küche beliebten Lauchgewächsen hin. Entsprechend verströmt er ein intensives, knoblauchartiges Aroma.

Der Bärlauch liebt schattige, feucht- und humusreiche Laubwälder, er wächst gerne an Bachläufen. „Und solche Flächen, wie man sie von Auwäldern kennt, gibt es im Rohrbacher Wald wahnsinnig viele und sie sind auch leicht zu finden. Wenn der Bärlauch von Mitte April bis Ende Mai blüht, bilden Abertausende weiße Blüten einen riesigen, wunderschönen Teppich“, erzählt Angenendt.

Heilkraut mit Wunderkräften?

Mit der Ernte der Blätter sollte man aber bereits vor der Blüte, also im März, beginnen, da ansonsten zu viele Inhaltsstoffe verloren gehen. Somit gehört Bärlauch zu den ersten frisch-geernteten Küchenkräutern im Gartenjahr: „Er schmeckt nach Frühling“, schwärmt die Kräuterfrau, die ihn auch selbst im heimischen Garten anpflanzt. Und zwar völlig unkompliziert, denn das Wildkraut sei sehr „ausbreitungsfreudig“. Das heißt: eine Zwiebel in den Boden gesteckt, bringe im darauffolgenden Jahr einen wahren „Bärlauch-Teppich“.

Doch was macht Bärlauch so beliebt? Bärlauch wird gerne in der Naturheilkunde eingesetzt. Seine Inhaltsstoffe, wie Eisen, Kalzium, Magnesium, Vitamin C und viele andere wirken anregend, antibakteriell und entgiftend. Die kleinwüchsige Pflanze soll bei Erkältung, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Bluthochdruck, Appetitlosigkeit, Darm- und Verdauungsproblemen helfen. Sie soll sogar Wehen auslösen. Mit anderen Worten: ein wahres Wunderheilmittel. Und daran ändert auch sein gewöhnungsbedürftiger Geruch nichts.

Zudem ist Bärlauch ein Gewürzkraut, das vielen Speisen das gewisse Extra verleiht: Bärlauch-Blättchen im Quark, mit Butter auf dem Brot, in Pestos und Aufstrichen, in Wildkräutersalaten, Suppen oder in Saucen – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Das Küchenkraut lässt sich einfrieren, verliere aber dadurch etwas von seinem würzigen Geschmack, sagt die Expertin Inge Angenendt. Zur Trocknung sei es dagegen völlig ungeeignet.

Achtung Verwechslungsgefahr

Für den Sammler gibt es aber auch einen Wermutstropfen, aber dafür ist der Bärlauch nicht verantwortlich. Die Probleme bereiten drei andere Pflanzen, die eine Ähnlichkeit mit ihm haben und hochgiftig sind. So kommt es immer wieder, besonders bei unerfahrenen Sammlern, zu Verwechslungen, die sogar tödlich enden können.

Die größte Gefahr geht vom ebenfalls weißen Maiglöckchen aus, weil es nicht selten zusammen mit Bärlauch im selben Garten vorkommt. Die Pflanzenexpertin erklärt den Unterschied der beiden Pflanzen: „Wie der Name schon sagt, sind die Blüten beim Maiglöckchen glockenartig, dagegen beim Bärlauch sternenförmig. Unterschiede gibt es auch bei den Blättern. Beim Maiglöckchen umfassen zwei Blätter den Stiel wie einen Mantel, während beim Bärlauch lediglich ein Blatt aus dem Stiel herauswächst“. Die Verwechslungsgefahr ist am besten gebannt, indem man die beiden Pflanzen zuhause weit auseinander setzt.

Im Wald sei das nicht möglich, berichtet Siegfried Knopp, Revierleiter des Forstbezirks Herxheim-Queichwaldungen. Da gebe es Flächen mit Bärlauch und Flächen mit Maiglöckchen und dazwischen Übergangszonen, in denen beide vorkommen. Hier gilt erhöhte Aufmerksamkeit. Der zweite falsche Freund ist der Aronstab, der ebenfalls im Laubwald wächst und dessen Blätter nur im Anfangsstadium denen des Bärlauchs ähneln.

Sammeln in kleinen Mengen

Das Gleiche gilt für die violett blühende Herbstzeitlose, die meist auf Wiesen zu finden ist. Alle drei giftigen Pflanzen besitzen glänzende Blätter, während beim Bärlauchblatt nur die Vorderseite glänzt, die Rückseite dagegen stumpf ist. Noch einfacher ist die Unterscheidung, wenn man der Nase nachgeht. Denn nur der Bärlauch verbreitet einen eindringlichen Knoblauchgeruch, die drei anderen haben keinen Duft.

Da der Bärlauch nicht vom Aussterben bedroht ist, steht er auch nicht unter Naturschutz. Revierförster Knopp weist aber auf Paragraph 39 des Bundesnaturschutzgesetzes hin, wonach es nicht erlaubt ist, wildlebende Pflanzen grundlos von ihrem Standort zu entfernen. Für Sammler gilt deshalb: Die Pflanzen dürfen nur für den Eigenbedarf in einer haushaltsüblichen Menge gesammelt werden. Wie groß diese Menge ist, sei Auslegungssache, erklärt der Förster.

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