Bad Bergzabern
Stadt saniert Heimatstube am „Dicken Turm“
Der „Dicke Turm“ aus dem 13. Jahrhundert ist einer der Wehrtürme der einstigen Stadtmauer in Bad Bergzabern. Der Zahn der Zeit konnte ihm nichts anhaben. Mit direktem Zugang zum Turmzimmer hat die örtliche Trachtengruppe in den 1950er-Jahren in Eigenleistung ein einstöckiges Häuschen als Vereinsheim angebaut. Das bedarf schon lange einer Sanierung, um wieder genutzt werden zu können – für Proben des derzeit 40 Mitglieder starken Vereins, für öffentliche Veranstaltungen oder auch für private Feiern. Dafür hat die Stadt als Eigentümer in der jüngsten Stadtratssitzung mit der Freigabe von 30.000 Euro grünes Licht gegeben.
Martin Körner ist Vorstand der Trachtengruppe. Bei einer Begehung mit der RHEINPFALZ wird schnell klar, dass etwas passieren muss. Denn in einem der beiden zusammen mehr als 100 Quadratmeter großen Räume der Heimatstube zieht sich seit Jahrzehnten ein immer breiter werdender Riss. Nicht nur durch die Wand, sondern auch unter dem Fußboden hindurch. Aber jetzt sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden, sagt Martin Körner. Der Maschinenbauingenieur hat bereits Angebote eingeholt und hofft, dass der Verein in diesem Monat mit der Sanierung beginnen kann.
Immer 18 Grad im Turmzimmer
Hauptbrocken ist es, das Fundament in der vorderen Stube zu sanieren, um damit zu verhindern, dass die Wand mit dem breiten Riss zusammenfällt. Auch für die etwas altertümlich anmutende Toilette gibt es bereits ein Angebot für die Sanierung. Zudem soll eine Küchenzeile mit einer Durchreiche zum zweiten Raum eingebaut werden. Die veraltete Nachtspeicherheizung hat der Verein bereits 2013 auf eigene Kosten durch eine moderne Elektroheizung ersetzt. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich in den ebenerdigen Räumen mit den bleiverglasten Fenstern und dem schönen Außenbereich zum Beispiel eine Familienfeier vorzustellen.
Das Besondere ist, dass die Räume einen direkten Zugang zum „Dicken Turm“ haben. Zum ebenerdigen runden Turmzimmer, in dem ebenfalls getafelt, Wein probiert oder diskutiert werden kann. Der Raum hat im Sommer wie im Winter eine angenehme Temperatur. Warum das so ist, kann sich auch Martin Körner nicht erklären. „Er hat eine durchgehende Wärme von, ich schätze, 18 Grad.“ Natürlich sollen auch die Aktivitäten und Versammlungen des Trachtenvereins in den renovierten Räumen wieder stattfinden. Aber die Räume dann als „gute Stube der Stadt“ auch für andere Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen, ist im Interesse des Vereins.
Verein darf Räume mietfrei nutzen
1952 wurde er gegründet und erhielt im wahrsten Sinne des Wortes mit Brief und Siegel die Zusicherung der Stadt, die Räume mietfrei nutzen zu können, solange der Verein besteht. Viele Tänze wurden seither einstudiert in Trachten, die nach historischen Vorbildern gefertigt wurden. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten auch die Eltern von Martin Körner, Evi und Willi. „Die Vereinsmitglieder haben bereits 1952 in Frankreich pfälzische Volkstänze vorgeführt. Für die Jugend waren die Reisen etwas ganz Besonderes“, erzählt Martin Körner. Damals sei der Grenzübertritt nicht so einfach gewesen, das sei nur mit Genehmigung gegangen.
Sein 20-jähriger Sohn ist heute ebenfalls im Vorstand der Trachtengruppe und setzt die Familientradition fort. „Als ich 1997 mit meiner Frau Brigitte wieder nach Bad Bergzabern gezogen bin, sind wir wieder richtig eingestiegen“, erzählt Martin Körner. Nicht nur als Tanzpaar, sondern auch im Vorstand. „Es ist ein Traditionsverein, und es ist uns eine Herzensangelegenheit“, sagt er.