Bad Bergzabern
Senioren schildern bewegende Momente aus harter Corona-Zeit
Über die Fahrten zum Impfzentrum, die ärztliche Betreuung oder die Versorgung mit Lebensmitteln während der harten Einschränkungen in der Pandemie gab es keine Beschwerden. Das sei alles gut gelaufen, so die einheitliche Meinung. Beim Thema Vereinsamung sah es ganz anders aus. „Natürlich hat es Vereinsamung gegeben“, so die zweite Vorsitzende des Seniorenbeirats, Ingrid Schiller. Heiligabend habe sie bei ihrer Tochter verbracht. „Wir standen zwei Stunden draußen um ein Feuer, dann sind wir wieder heimgefahren“, erzählte sie. Er habe seine Söhne trotzdem besucht, berichtete ein Mitglied des Seniorenbeirats. Seine Tochter sei im Krankenhaus gewesen, nicht mal ihre Mutter habe sie besuchen können. Seine Söhne wohnen im Ahrtal. „Wenn ihnen bei der Flut irgendetwas etwas passiert wäre, hätte ich es mir nicht verziehen, sie damals nicht besucht zu haben“, so der Vater.
„Wir Rentner hatten finanziell keine Einbußen, die Jungen mussten teils in Kurzarbeit“, sagte Wolfgang Thiel. Ein Riesenproblem sei für ihn gewesen, dass man die Enkel nicht mehr in den Arm habe nehmen können. Über das Internet seien zwar unter anderem Videokonferenzen möglich gewesen, aber viele Senioren seien mit der Technik nicht vertraut. „Vielen war es ein Bedürfnis zu reden“, so Walter Ringshauser, der sich im Haus der Familie engagiert und unter anderem Senioren zum Impfzentrum gefahren hat. Auch habe sich der Kreis derer vergrößert, die am Telefonring teilnehmen. Bei dieser Initiative rufen sich Menschen, die alleine sind, einmal pro Tag an, um zu erfahren, ob alles in Ordnung ist.
Keine Heizung in der Wohnung
Eine erschreckende Geschichte erzählte Ursula Nauerth. „Vor Weihnachten hatte ich keine Pellets mehr für meine Heizung und die Firma hatte Lieferschwierigkeiten“, so die Seniorin. Bei Bekannten unterzukommen, sei nicht möglich gewesen. Der telefonische Versuch, eine private Bleibe für einige Tage zu finden, sei gescheitert. „Die Menschen hatten wegen der Pandemie panische Angst, jemanden aufzunehmen“, so Nauerth. Zudem habe sie wegen des Beherbergungsverbots auch kein Hotel buchen können.
Das traurige Ergebnis war, dass sie eine Woche lang mit einer Matratze vor dem einzigen Nachtspeicherofen, der sich noch in ihrer Wohnung befindet, übernachtet hat. Denn der Rest ihres Zuhauses war eiskalt. „Zum Glück bin ich Archäologin, da habe ich schon in ganz anderen Situationen übernachtet“, so die Seniorin.