Kreis Südliche Weinstraße Regional kaufen, aber wo?
Die Leader-Aktionsgruppe hatte im September vergangenen Jahres das Regionalentwicklungsbüro Docissimo beauftragt, eine Studie zu regionaler Wertschöpfung zu erstellen. Dazu wurde untersucht, welche Produzenten Nahrungsmittel erzeugen – Winzer wurden nicht berücksichtigt – und ermittelt, wie man deren Potenzial besser ausschöpfen könnte. In der Hauptsache ging es um Landwirte und Jäger. Das Büro nahm sowohl die Erzeugung der Nahrungsmittel als auch deren Verarbeitung unter die Lupe. Die Leader-Studie zeigt, dass die regionalen Erzeugerbetriebe „eher klein strukturiert und weit verstreut“ sind. Der Zugang zum Markt sei schwierig. Nur mit hohem Aufwand könnten die Erzeuger ihre Waren als regionale Produkte vermarkten. Zur Verbesserung schlägt die Studie „ein gezieltes Produktmanagement über die gesamte Wertschöpfungskette“ vor. Dafür brauche es einen „starken Kümmerer“ und eine bessere regionale Infrastruktur. So sollten regionale Produkte in sozialen Netzwerken und auf Online-Plattformen viel mehr beworben werden. Eine regionale Internetpräsenz könnte aufgebaut werden, die Kunden informiert – etwa über saisonal verfügbare Produkte und Veranstaltungen – und die direkte Vermarktung erleichtert. Zudem könnte eine Regionalinitiative entstehen, die sich des Themas annimmt. Die Studie empfiehlt auch, Konzepte zu erstellen, die sich mit dem Thema Wild befassen und wie landwirtschaftliche Betriebe bei der Ausschöpfung von Förderprogrammen unterstützt werden können. Außerdem soll die Leader-Arbeitsgruppe „Natur- und Kulturlandschaft“ mit Vertretern der Erzeuger, Verarbeiter und Vermarkter besetzt werden. Politik und Verwaltung müssten die Initiativen unterstützen. „Eine effiziente Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung regionaler Produkte kann langfristig nur durch eine professionelle Organisation vorangebracht werden.“ „Für eine bessere Vermarktung wird vielerorts die Kennzeichnung der Produkte durch ein Regionallabel favorisiert. Um die Vermarktung der Produkte zu forcieren, genügt ein Label an sich nicht. Es braucht vielmehr eine gute Infrastruktur, um die Produkte erfolgreich auf dem Markt abzusetzen“, heißt es in der Studie. Die Region Pfälzerwald habe als Natur- und Naherholungsraum einen großen Bekanntheitsgrad und trage durch die Auszeichnung als Unesco-Biosphärenreservat ein positives Image, heißt es. Doch sei das Angebot an Lebensmitteln gering, da es vergleichsweise wenig landwirtschaftlich genutzte Fläche gebe. Wegen der vielen geografischen und touristischen Bezeichnungen für die Teilregionen – Wasgau, Sickinger Höhe, Dahner Felsenland, Trifelsland, Urlaubsregion Hauenstein, Zweibrücker Hügelland – sei es schwierig, einheitliche Grenzen für die Region zu finden, mit denen sich die Bevölkerung identifizieren kann und innerhalb deren man eine Infrastruktur für regionale Produkte aufbauen kann. „Auch aus diesen Gründen erscheint die Betrachtung der gesamten Pfalz als Region als sinnvoll.“ Unter den 732 landwirtschaftlichen Betrieben fänden sich 41 Biohöfe, überwiegend in den Verbandsgemeinden Zweibrücker Land und Bad Bergzabern. Die Viehhaltung in der Region konzentriere sich auf den Raum Zweibrücken, Zweibrücken-Land, Pirmasens-Land und Thaleischweiler-Fröschen. Wichtig für die Entwicklung von Konzepten sei die Hofnachfolge, die bei 80 Prozent der befragten Landwirte als nicht gesichert gilt, obwohl viele schon älter sind. Die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe gehe immer mehr zurück, besonders bei den hauptberuflichen Bauern. Auch deshalb sei es wichtig, gegenzusteuern und regionale Produkte gemeinsam zu vermarkten, um die Position der Erzeuger zu stärken. Info Leader steht für „Liaison Entre Actions de Développement de l’Économie Rurale“ (Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft) und ist ein EU-Programm zur Förderung ländlicher Räume. Das Gebiet der Lokalen Aktionsgruppe Pfälzerwald plus umfasst die Verbandsgemeinden Dahner Felsenland, Hauenstein, Pirmasens-Land, Rodalben, Thaleischweiler-Wallhalben, Waldfischbach-Burgalben, Zweibrücken-Land, Annweiler, Bad Bergzabern, Kaiserslautern-Süd und Lambrecht. Die kreisfreien Städte Pirmasens und Zweibrücken wurden in die Studie einbezogen.