Kreis Südliche Weinstraße
Offenbach: Könnte geplante Ölbohrung gefährlich für Menschen und Gebäude sein?
Von Schäden an Häusern ist die Rede, von Grundwasserverseuchung und Gesundheitsgefahren. Kritiker der geplanten Ölsuche auf einem Acker in der Nähe von Offenbach sind besorgt. Ist das berechtigt? Und was ist genau geplant?
Manchmal wachen Menschen erst auf, wenn eine Sache schon Fahrt aufgenommen hat. Ein Beispiel dafür ist Stuttgart 21. Obwohl das Projekt schon seit Jahren geplant wurde, und das war auch bekannt, gingen Bürger, im Übrigen nicht nur erfahrene Demotouristen, sondern auch pensionierte Studienräte und Rechtsanwaltsgattinen, auf die Straße. Der Rest ist bekannt. Die Frage ist nun: Kommt auf die Südpfalz eine Art Mini-Stuttgart-21 zu?
Im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass die Firma Neptune Energy von einem Feld bei Offenbach nach Öl suchen möchte – und es nach einer erfolgreichen Suche auch fördern würde, wenn das wirtschaftlich machbar wäre. Das Grundstück gehört inzwischen dem Unternehmen, damit kann es sein Projekt angehen. Doch jetzt regt sich langsam Widerstand. Es sind Bürger, darunter viele Landwirte, die eine Initiative ins Leben gerufen haben. Name: „Kein Erdöl in Offenbach“. Vorsitzender ist Karlheinz Adam, Bauer aus Herxheim. Er ist derzeit noch Pächter jenes Grundstücks, das schon bald als Fläche für eine Industrieanlage dienen könnte. Er sagt unumwunden: „Das Ziel unseres Vereins ist ganz klar: Wir wollen die Ölsuche und -förderung verhindern. Aber das kann uns nur gelingen, wenn wir die Menschen auch erreichen.“
50 Meter hoher Bohrturm
Aber was hat Neptune Energy konkret vor? Zunächst die Vorgeschichte: Vor Jahren hatten seismische Messungen Hinweise geliefert, dass unterhalb Offenbachs ein Ölvorkommen existieren könnte. Viele Südpfälzer werden sich noch an die Untersuchungen erinnern, dafür waren Rüttelfahrzeuge über Wochen in der Region unterwegs. Um sicher sein zu können, dass tatsächlich Öl im Boden schlummert, braucht es eine Erkundungsbohrung, wie Neptune Energy gegenüber der RHEINPFALZ erklärt. Und als Basis dafür soll das angesprochene Feld dienen. Dieser Bohrplatz wäre weit genug von den Wohngebieten in Offenbach entfernt, erklärt die Firma. Heute sei es technisch möglich, gerade nach unten zu bohren und dann den Bohrkopf umzulenken. Heißt: Er kann seine Nase nach unten oder oben kippen wie ein Flugzeug. Um eine Probebohrung zu machen, müsste auf dem Acker eine bis zu 50 Meter hohe Anlage für die Dauer von etwa drei Monaten aufgebaut werden. Anschließend würde die Anlage wieder abgebaut, betont Neptune Energy. Und: „Sollte eine Erdölförderung nach Beendigung der Bohrung nicht wirtschaftlich möglich sein, muss das Bohrloch sicher verfüllt und der Platz komplett zurückgebaut werden. Eine landwirtschaftliche Nutzung wäre nach einem abgeschlossenen Rückbau wieder uneingeschränkt möglich.“ In Deutschland werde nur nach jeder fünften Erkundungsbohrung auch tatsächlich Öl gefördert.
Förderung möglicherweise 30 Jahre
Wann eine Erkundungsbohrung in Angriff genommen werden könnte, sei derzeit noch nicht klar. Das hänge maßgeblich vom weiteren Verlauf des Genehmigungsverfahrens ab, heißt es von dem Unternehmen. Wie groß das vermutete Ölvorkommen in Offenbach ist, sei ebenfalls noch nicht bekannt. Das werde sich erst nach der Erkundungsbohrung herausstellen. Ein solches Vorkommen dürfe man sich aber nicht als Ölblase, Ölsee oder Ölkammer vorstellen, erklärt Neptune Energy. Das Erdöl finde sich immer in einem porösen Gestein, das als Speichermedium diene – in vermutlich rund 2200 Metern Tiefe. Sollte in Offenbach Öl gefördert werden können, bedürfe es einer Genehmigung des Bergbauamtes. Würde das Vorhaben bewilligt, liefe die Genehmigung über einen Zeitraum von 30 Jahren. „Ob so lange gefördert werden könnte, ist von der Beschaffenheit der Lagerstätte abhängig“, betont Neptune Energy. Auch die Kosten für das Projekt seien noch unklar, die könnten erst nach einer Probebohrung ermittelt werden. Eine solche kostet in Deutschland durchschnittlich zehn Millionen Euro. Wenn die Planungen für das Projekt weiter fortgeschritten seien – gemeint sind damit beispielsweise die Wirtschaftlichkeit einer Förderung oder der Verlauf des Bohrpfades –, dann werde Neptune Energy die Öffentlichkeit darüber transparent informieren.
„Ölförderung rückwärtsgewandt“
Auch wenn sich das alles vergleichsweise harmlos anhören mag, Kuno Volz aus Essingen bereitet das Vorhaben große Sorgen. Der Winzer ist ein erfahrener Kommunalpolitiker, führt die FWG-Fraktion im Verbandsgemeinderat Offenbach. Und ist Initiator der Bürgerinitiative. „Als ich von den Plänen erfahren habe, war ich sofort angestachelt. Nachdem ich dann im Verbandsgemeinderat verkündet hatte, eine Bürgerinitiative gründen zu wollen, bin ich von ganz vielen Menschen angesprochen worden“, sagt Volz, der schließlich Kontakt zu Adam aufnahm. Er fürchtet, die Bohrungen könnten unter anderem zu Schäden an Häusern in Offenbach führen – aufgrund von Absenkungen. Außerdem sorge er sich um die Reinheit des Grundwassers und um steigenden Verkehr in den umliegenden Gemeinden, weil Lastwagen das geförderte Öl zu einer Raffinerie bringen müssten. „Jeder sagt inzwischen, wir müssen Ressourcen sparen. Da finde ich es total rückwärtsgewandt, in der Südpfalz erneut Erdöl fördern zu wollen.“
„Keine Gefahr für Menschen“
Wie reagiert Neptune Energy auf die Kritik? Es gebe weltweit mehrere geologische Strukturen, die mit denen des Oberrheingrabens vergleichbar seien. Und aus denen werde auch Erdöl gefördert, erklärt das Unternehmen. Das Oberrheintal sei seit den 1950er-Jahren Schauplatz umfangreicher Bohr- und Erdölförderaktivitäten gewesen. Seitdem seien dort – und damit auch in der Südpfalz – mehr als 1300 Bohrungen vollzogen worden. Es sei kein Beispiel bekannt, bei dem die Erdölförderung in dieser Region zu Schäden bei Menschen oder an Gebäuden aufgrund von Absenkungen geführt habe. Auch in Offenbach habe die Erdölförderung eine lange Tradition. Bis in die 1980er-Jahre habe es dort zehn Bohrungen gegeben.
Wenige Lkw-Fahrten
Auch die Sorge um eine steigende Verkehrsbelastung versucht die Firma zu zerstreuen. Wie viele Lastwagen täglich verkehren würden, lasse sich derzeit noch nicht sagen. In Speyer, wo aus einem wesentlich weiter entwickelten Feld Öl gefördert werde, würden aktuell rund zwölf bis 15 Fahrten von Tanklastern pro Tag anfallen. Deshalb wären es in Offenbach vermutlich deutlich weniger Fahrten, sollte dort tatsächlich Öl gefördert werden, heißt es.
„Keine Auswirkungen auf Grundwasser“
Zur Sorge um das Grundwasser: „Alle Bohrungen und Ausrüstungen werden so ausgelegt, geplant und errichtet, dass schädliche Einwirkungen auf das Grundwasser ausgeschlossen werden können“, teilt Neptune Energy mit. Das beginne bereits mit der Standortwahl. Die wasserschutzrechtliche Gefährdungsabschätzung vor einer Bohrung sei Gegenstand eines Betriebsplanverfahrens und werde eng mit den zuständigen Behörden abgestimmt.
Kritik an Bistum Speyer wegen des Acker-Deals
Dass von dem Acker bei Offenbach überhaupt nach Öl gesucht werden kann, war zunächst unklar. Zwar hatte die Pfarrpfründestiftung des Bistums Speyer das Feld, das ihr gehörte, an Neptune Energy verkauft, die Kreisverwaltung erklärte den Deal im Nachgang jedoch für ungültig und bezog sich dabei auf das Grundstückverkehrsgesetz. Darin ist geregelt, dass landwirtschaftliche Flächen erhalten werden sollen, wenn Bauern diese nutzen möchten. Karlheinz Adam, aktueller Pächter des Grundstücks und Vorsitzender der Bürgerinitiative „Kein Öl in Offenbach“, hatte bereits sein Kaufinteresse angemeldet. Das französische Konsortium leitete nach der Entscheidung der Kreisverwaltung rechtliche Schritte ein. Nachdem das Amtsgericht Landau die Behörde in ihrer Haltung bestätigt hatte, legte Neptune Energy erneut Beschwerde ein. Der Fall wanderte ans Oberlandesgericht in Zweibrücken, das den Fall wieder ans Amtsgericht in Landau verwies und damit den Hinweis gab, dass es mit der Entscheidung nicht einverstanden ist. Das Landauer Amtsgericht entschied schließlich im März, der Verkauf sei doch rechtens. Die Geschichte um den Acker-Deal hatte für Aufsehen gesorgt. Nach einer ersten Berichterstattung der RHEINPFALZ waren auch andere Medien auf den Streit zwischen Ölfirma und Kreis aufmerksam geworden. Das Bistum Speyer war für das Geschäft in die Kritik geraten – unter anderem deshalb, weil es das Areal für den fünffachen Preis des Verkehrswertes veräußert hatte, wie unsere Recherchen gezeigt haben.