Kreis Südliche Weinstraße Neun Betten für zwölf Männer
«Bad Bergzabern.» Wer bei dem schweißtreibenden Wetter gestern nach Abkühlung suchte, dem kamen einige Ideen. Der Besuch eines Bunkers war wohl kaum dabei. Rund 35 Grad waren es gestern um 17 Uhr in der Kurstadt, in den Bunkern des Westwallmuseums in der Kurfürstenstraße waren es 20 Grad weniger. Die Kühle in den Räumen passt perfekt zum beklemmenden Gefühl, das dort aufkommt. Nichts für Menschen, die unter Klaustrophobie leiden. Für Martin Robert Galle, ein Hüne von Mann, heißt es im Museum des Öfteren: Kopf einziehen. „Passen sie bitte auf, das ist ein Armeebauwerk, da wurde solider Stahl verwendet und solider Beton, wenn man sich da anstößt, tut es weh – und zwar sofort“, warnte Galle die RHEINPFALZ-Leser. Die beherzigten Galles Tipp. Dass die militärische Führung im Dritten Reich plante, Soldaten im Krieg mehrere Wochen in diesen Bunkern ausharren zu lassen – bei verschlossenen Türen, wohlgemerkt – macht nachdenklich. Zwölf Männer in einem Bunker – aber nur neun hochklappbare Betten? „Nun ja, einer muss das Funkgerät bedienen, zwei halten Wache, neun schlafen, später wird getauscht“, erklärte Galle. Für noch mehr Erstaunen sorgte die Info, dass es im Bunker weder fliesendes Wasser noch Strom gab. Als Toilette diente ein halb mit Torf gefüllter Eimer. „In einer Feuerpause durften dann die beiden Kameraden, die sich zuletzt unbeliebt gemacht haben, den Eimer sauber machen“, sagte Galle. Die drei Artilleriebunker in Bad Bergzabern sind die einzigen, die es vom Westwall noch gibt. Dabei war diesen Bollwerk an der deutschen Westgrenze einmal ein Ausdruck nationalsozialistischen Wahnsinns. Allein im sogenannten Otterbachabschnitt, dem Gelände zwischen Pfälzerwald und Neuburg am Rhein, wurde auf einer Strecke von rund 20 Kilometern 650 Bunker errichtet. Rund 17,3 Millionen Tonnen Beton und 1,2 Millionen Tonnen Stahl seien dafür verwendet worden, berichtete Galle. Dabei sind die Bunkeranlagen nie ganz fertiggestellt worden beziehungsweise wurden bereits 1940 von der Wehrmacht ausgeschlachtet. Nach dem Einmarsch in Frankreich waren sie überflüssig. Nach der Landung der Amerikaner in der Normandie hat man versucht sie 1944 noch einmal zu reaktivieren. Allerdings fehlten da schon die Mittel. Galle betonte mehrfach, dass im Westwallmuseum nicht so sehr um Militärgeschichte gehe: „Mir sind die Auswirkungen, die der Bau der Bunker auf die Zivilbevölkerung hatte, besonders wichtig.“ Allein viermal wurden die Menschen aus 78 Gemeinden zwischen 1940 und 1945 evakuiert. Beim Bau der Westwall-Bunker wurden 120.000 Hektar Land beschlagnahmt, rund 5600 landwirtschaftliche Betriebe mussten aufgeben. „Viele Dörfer an der Grenze waren nach dem Krieg völlig zerstört, Steinfeld etwa zu 95 Prozent“, so Galle. „Da sah es so aus, wie heute in Aleppo. Aber das gilt auch für die Dörfer im Elsass, das betraf die ganze Region.“ Zum Abschluss der knapp zweistündigen Führung durften die RHEINPFALZ-Leser noch einen Blick in den dritten Bunker werfen. Der dient derzeit noch als Lager für allerhand Kriegsfunde aus der Region, wird aber hergerichtet. „Geplant ist, ihn einmal für wechselnde Ausstellungen zu nutzen“, verriet Galle. Der Naturschutzbund hat bereits Interesse signalisiert. „Für die Renovierung verwenden wir die Eintrittsgelder“, sagte der Museumsleiter. Jeden zweiten und vierten Sonntag werden Führung angeboten. Galle hofft, in Zukunft mehr Schulklassen begrüßen zu können. „Das Museum soll ja auch eine Mahnung für die junge Generation sein“, betonte Galle. Info —www.otterbachabschnitt.de