Kreis Südliche Weinstraße
Neue Infotafel auf dem jüdischen Friedhof in Ingenheim eingeweiht
Einst waren mehr als 30 Prozent der Bürger Ingenheims jüdischen Glaubens. An die Bedeutung der jüdischen Gemeinde erinnert heute nur noch der Friedhof. Eine Projektgruppe um Pfarrer i. R. Ralf Piepenbrink will das kulturelle Erbe bewahren. Unter anderem mit einer neuen Infotafel auf dem Friedhof.
„Der jüdische Friedhof in Ingenheim ist das Einzige, was von dem einst blühenden Leben und der wechselvollen Geschichte jener größten jüdischen Landgemeinde der Pfalz noch übrig geblieben ist. Die vorhandenen Steine sind Zeugnis einer 250 Jahre währenden Bestattungskultur.“ Diese Sätze sind auf der neuen Infotafel am Haupteingang des Friedhofes zu lesen, die am Sonntag am „Tag des offenen Denkmals“ vor knapp 150 Besuchern der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
„Wir helfen mit, das ,Denkmal jüdischer Friedhof’ als kulturelles Erbe bekannt zu machen und die Besucher für die Geschichte der in Ingenheim Beerdigten zu sensibilisieren. Wir versuchen die gesellschaftliche Bedeutung und den kulturellen Wert dieses besonderen Glaubenszeugnisses jüdischen Lebens in Ingenheim und in der Region zu vermitteln sowie einen persönlichen Zugang dazu zu ermöglichen“, sagte Pfarrer Ralf Piepenbrink von der Projektgruppe jüdischen Lebens in Ingenheim gegenüber der RHEINPFALZ.
Gleichzeitig wurde beim „Tag des offenen Denkmals“ das denkmalpflegerische Engagement einiger Bürger von Billigheim-Ingenheim und Impflingen um Bernd Jantzer präsentiert, die sich seit 2012 zum Ziel gesetzt haben, dieses Kleinod instand zu halten und zu pflegen. Wichtige Aufgabe sei es, so Piepenbrink, die Grabsteine möglichst zugänglich zu halten und dafür Sorge zu tragen, dass die Inschriften lesbar sind.
Die letzte Beerdigung war 1978
Die neue Infotafel gibt den Hinweis, dass auf dem Verbandsfriedhof in Ingenheim auch Juden aus den Gemeinden Billigheim, Niederhorbach, Bad Bergzabern, Pleisweiler, Klingenmünster, Göcklingen und Heuchelheim-Klingen beerdigt sind. Die letzte Beerdigung fand im Jahre 1978 statt. Die Gräber bleiben nach jüdischer Tradition für alle Zeiten im Besitz der an diesem Ort Bestatteten. Hier warten sie auf die Auferstehung, wenn der Messias erscheinen wird. Daher haben jüdische Friedhöfe auch den Namen „Haus des Lebens“, „Haus der Ewigkeit“ oder in unserer Region auch „Gut-Ort“.
Ortsbürgermeister Dietmar Pfister wies in seiner Rede darauf hin, dass der Anteil der jüdischen Bevölkerung in Ingenheim einmal mehr als 30 Prozent betrug. Es verstehe sich, dass bei diesem hohen Anteil die jüdische Bevölkerung eine wichtige Rolle im Leben der Gemeinde spielte. So war der jüdische Bürger Bernhard Roos Bürgermeister von 1869 bis 1884. Bei der Urwahl der Wahlmänner zum bayerischen Landtag hatte Jonathan Blum die meisten Stimmen auf sich vereint. Der Rabbiner Mandel war lange Zeit erster Vorsitzender des MGV und wurde 1925 Ehrenvorsitzender. Pfister nahm die Gelegenheit wahr, den „Jantzerboys“ für ihr Engagement bei der Pflege des Friedhofs zu danken.
Vielfältige Pflegearbeit auf dem Friedhof
„Ein Mensch ist nur vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitierte Bürgermeister Torsten Blank aus dem „Talmud“, eine der bedeutendsten jüdischen Schriften. Diesem Gedanken und Glauben folgend seien die jüdischen Grabstätten geschaffen für die Ewigkeit. „Damit ist der jüdische Friedhof nicht nur ein Kulturdenkmal, sondern ein ewigliches Zeugnis des ehemals lebendigen Lebens in Ingenheim“, so Blank. Auch Blank dankte Ralf Piepenbrink und der Arbeitsgruppe jüdisches Leben für ihre wertvolle Gedenkarbeit auf dem Friedhof, aber auch in den Archiven, wo die Arbeitsgruppe die Lebensläufe der in Ingenheim bestatteten Juden recherchieren und dokumentieren.
Matthias Müller, Designer aus Busenberg, der die Infotafel gestaltet hat, sprach über das „Gestalten der Erinnerung“ in guter Zusammenarbeit mit der Projektgruppe.
Bernd Jantzer gab einen Überblick über die vielfältige Pflegearbeit der Arbeitsgruppe auf dem Friedhof. Eberhard Dittus, Beauftragter der Kultusgemeinde Speyer zur Prüfung der 80 jüdischen Friedhöfe in der Pfalz auf ihren Zustand, zollte der Mannschaft um Bernd Jantzer großes Lob. Der jüdische Friedhof Ingenheim sei ein Musterbeispiel gelungener Friedhofspflege.
Musikalisch umrahmt wurde die Vorstellung der Infotafel durch Christa Hirsch-Piepenbrink auf dem Akkordeon mit israelitischen Melodien.