Queichhambach
Montessori-Schule Landau kauft Gut Hohenberg
Gut Hohenberg ist ein weit über die Landesgrenzen hinaus bekannter Lernbauernhof für Schulklassen. Und das soll er auch bleiben, versichert Frank Henigin, Geschäftsführer der Landauer Montessori-Schule, die das Gut oberhalb des Annweilerer Stadtteils Queichhambach kaufen wird. Seit Herbst vergangenen Jahres liefen dazu Verhandlungen mit der Stiftung Ökologie und Landbau (SÖL) mit Sitz in Bad Dürkheim, der das Gut gehört. Da sie wegen der anhaltenden Niedrigzinspolitik in finanzielle Schieflage geraten war, sah sie sich nicht mehr im Stande, diesen außerschulischen Lernort weiter zu finanzieren. Ende vergangen Woche wurde der Verkauf in trockene Tücher gebracht: Zum 1. September wird die Privatschule den Hof und den dazugehörenden Bauernhof-Wald-Kindergarten übernehmen.
Dabei ist die Lage wegen der derzeitigen Corona-Beschränkungen angespannt. Die Schule hat gerade erst wieder ihren Betrieb in realen statt virtuellen Klassenräumen aufgenommen. Viel ist da noch zu organisieren und koordinieren. Klassenfahrten wird es bundesweit definitiv nicht mehr in diesem Schuljahr geben. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar. Damit fehlt Gut Hohenberg eine wichtige Einnahmequelle. Bisher schon musste die Stiftung jährlich 100.000 Euro zuschießen. Sollten in diesem Jahr keine Schulaufenthalte mehr möglich sein, hat Uli Zerger, Vorstandsvorsitzender der SÖL, ein Defizit von 200.000 Euro prognostiziert. Kann sich das eine Schule leisten?
Was will die Schule auf dem Hof ändern?
„Man macht sich natürlich mehr Gedanken als in anderen Zeiten, aber die Vorteile durch den Erwerb überwiegen für uns. Und wir wollen auch ein positiv Signal setzen“, sagt Montessori-Geschäftsführer Henigin, der zum Kaufpreis keine Angaben macht. Er gehe positiv an die Sache heran und denke, dass Schulaufenthalte unter Hygieneschutzbestimmungen nach den Ferien möglich sein werden. Zudem habe die Schule bereits einige Ideen, um den Hof auf neue Beine zu stellen. „Ziel ist eine schwarze Null, so schnell wie möglich“, macht Henigin deutlich. Solidarische Landwirtschaft, also eine Kooperation zwischen einer Verbrauchergruppe und dem Hof, Produkte herstellen und diese verkaufen, die Auslastung verbessern beispielsweise mit Pädagogik-Seminaren für Erwachsene an den Wochenenden und in den Ferien, ein mobiler Hühnerstall oder eine Wanderreitstation schweben der Schule als Möglichkeiten vor, um die finanzielle Lage des Hofs zu verbessern. „Wir wollen auch die Vorschläge der Mitarbeiter einbeziehen“, sagt Henigin, der zusichert, dass die gesamte Belegschaft übernommen werde.
Das Betreiben einer Farm ist ein zentrales Element der Montessori-Pädagogik. Deswegen hatte die Landauer Privatschule schon länger geplant, einen Hof zu erwerben. Dass es nun möglich wurde, Gut Hohenberg zu kaufen, mit dem die Schule schon länger verbunden ist, ist ein Glücksgriff für die Schule. Dabei soll es aber nicht bloß um Ferien auf dem Bauernhof gehen, vielmehr wird der Hof zur „Erfahrungsschule des sozialen Lebens“. Die Jugendlichen betreiben Landwirtschaft, vermarkten ihre Produkte und führen ein Gästehaus. So werde theoretischer Unterricht in die Praxis getragen. Das Arbeiten mit Kopf, Herz und Hand biete neue Lernanreize und Entwicklungsmöglichkeiten. Bisher habe es nur Teillösungen gegeben, mit dem Schulgarten oder Projektarbeiten, erklärt Schulleiter Stephan Haas. Nun könnten viele Unterrichtsfächer auf dem Hof praktisch umgesetzt werden.
Schüler schlüpfen in Rolle des Hofbetreibers
Konkret heißt das, dass die Landauer Montessori-Schüler nicht nur Aufenthalte auf Gut Hohenberg verbringen, sondern den Hof selbst mitbetreiben werden. Sie bringen sich nicht nur in die Pflege der Tiere und den Obst- und Gemüseanbau ein, sondern verkaufen die Produkte auch beispielsweise auf Wochenmärkten oder im Hofladen und betreuen die Klassenfahrten anderer Schulen. Da werden Mathe-Aufgaben nicht im Schulheft durchgerechnet, sondern am konkreten Beispiel nachvollzogen, wie viel Waren man für die Verpflegung einer Klasse braucht, was vorhanden ist, was dazugekauft werden muss, wie die eigenen Produkte vermarktet werden können, wie die Preise dafür zu kalkulieren sind et cetera, erklärt Haas. „Diese neuen Lernmöglichkeiten machen mehr Spaß und haben einen Bezug zur Realität.“ Etwa eine Woche pro Monat werden die Sechst- bis Achtklässler auf dem Hof verbringen, überschlägt Haas. Das Ganze könne natürlich nicht von heute auf morgen umgesetzt werden, sondern brauche Entwicklungszeit.
Als erste große Projekte stehen der Bau einer Lagerhalle für die landwirtschaftlichen Geräte und der Bau eines Stalls an. Dafür setzt die Schule auch auf das Engagement der Eltern. „Wir haben 700 Familien in unserer Elterninitiative. Die Schule lebt vom Solidaritätsgedanken“, macht Henigin deutlich. Sowohl die Schüler als auch die Kollegen freuten sich schon auf den neuen Teil ihrer Schule. „Viele scharren schon mit den Füßen und wollen sofort anfangen“, berichtet Haas.