Kreis Südliche Weinstraße Mit Genen von Kunstschmieden und Porzellanmalern
Von Kindheit an hatte Andrea Ramsel ein Faible für Ölgemälde. Vor allem faszinierten sie Porträts. Ihr Triptychon „Waterloo“ besteht aus den drei Porträts von General Blücher, dem englischen Oberbefehlshaber Wellington und Napoleon, dem französischen Kaiser. Kürzlich wurde es in Kirrweiler präsentiert. Die Gemeinde, wo Blücher einst zum General wurde, nahm das Jubiläum „Vor 200 Jahren Schlacht von Waterloo“ zum Anlass für ein historisches Symposium. Und die einheimische Künstlerin trug ihren Teil dazu bei.
Andrea Ramsel lebt in Kirrweiler auf dem Weingut ihres Mannes. Die gebürtige Landauerin hat in Heidelberg studiert und ist in der IT-Branche tätig. Außerdem hat sie einen Abschluss als zertifizierter Work-Life-Balance-Coach. Daneben pflegt die Mutter zweier Söhne zum Ausgleich ihre Passion: die Malerei. Gestartet als Autodidakt, sei der Wunsch nach professioneller Ausbildung immer stärker geworden. So begann sie ein Fernstudium „Kreative Malerei“ an der Hamburger Akademie und schloss dies mit Auszeichnung ab. Darauf aufbauend, absolviert Ramsel zurzeit ein vertiefendes Studium der figurativen Malerei in London. „Ich will mich noch weiter vervollkommnen in Porträtmalerei. Weil mich das sehr fasziniert.“ Ihre Gemälde beweisen ureigenen Stil. Die farbenfrohen Bilder, ob Landschaft oder Tiere, Stillleben oder Porträts, zeigen jene für sie typischen Pinselstriche. Dem Betrachter erschließt sich die Freude beim Herausarbeiten der Farben mit ihren unzähligen Tonwerten. Neben den Ölfarben verwendet die Kunstmalerin unter anderem Pastellkreiden. „Beim Waterloo-Triptychon, um flüchtige Begegnungen mit Siegern und Besiegtem zu inszenieren“, erklärt sie. Andrea Ramsel wurde das Talent in die Wiege gelegt. Nicht nur einmal, sondern gleich doppelt. Die Pfälzerin vereint in sich Sachsens Glanz und Preußens Gloria, hat einen illustren Stammbaum. Sie ist eine geborene Görß. Vom Alten Fritz bis Wilhelm II. stand die Familie, eine Dynastie von Silber- und Kunstschmieden, in Diensten des Hauses Preußen. Ein anderer Familienzweig sind die Königlich Sächsischen Porzellanmaler Lustig. Das weiße Gold Sachsens, das berühmte Meißner Porzellan, zu bemalen, war deren besondere Kunstfertigkeit. Zwischen den Höfen gab es einen interkulturellen Austausch und so kam es schließlich zu einer Heirat. Und wie kam das vereinte Talent in die Pfalz? Im Ersten Weltkrieg dankte der Kaiser ab, und damit war die Kaiserliche Hofhaltung aufgelöst. Der letzte Hof-Kunstschmied Görß war arbeitslos. Im elsässischen Pechelbronn – dem ersten Ort Europas, wo Erdöl gewonnen wurde – verdiente der Berliner sich das Geld für eine Existenz im Kunsthandwerk. Zur neuen Heimat wurde die nächstgelegene deutsche Stadt: Landau. „Hier gründete sein Sohn mit Hochstadterin den Pfälzer Familienzweig. Und das waren meine Großeltern“, erzählt Andrea Ramsel. Die fühlt sich heute in Kirrweiler sehr wohl, entwirft Künstleretiketten für die Weine ihres Mannes Karl – und malt Bilder für ihre nächste Ausstellung. (jzs)