Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Luftige Schokoküsse: Firma Trauth setzt auf Klasse statt Masse

Die Süßwarenfabrik Trauth gibt es seit 111 Jahren.
Die Süßwarenfabrik Trauth gibt es seit 111 Jahren.

Die Schokoküsse von Trauth aus Herxheim haben nach wie vor Konjunktur. Ein Dorn im Auge sind dem Familienunternehmen die Rohstoffknappheit und die gestiegenen Preise. Wo geht die Reise hin? Diese Ungewissheit macht dem Firmenchef zu schaffen.

Es wabert ein Duft von Schokolade und Eischnee durch die Luft. „Ich rieche es nicht mehr“, sagt Firmeninhaber Daniel Trauth und lächelt. In seiner Fabrik gehen tagtäglich im Schnitt 500 Kartons, gefüllt mit jeweils 25 Schokoküssen, über die Ladentheke. Von einer Massenproduktion kann hier aber nicht die Rede sein. Im Gegenteil, vieles wird noch mit der Hand gemacht – in Verbindung mit komplexen, modernen Maschinen.

Eine Produktion im großen Stil schließt Daniel Trauth auch weiter aus. Klasse statt Masse soll das Credo bleiben – wie schon seit nunmehr 111 Jahren, als die Firma aus der Taufe gehoben wurde. Auf neun Vollzeitkräfte beziffert der 38-Jährige sein Team, das die Leckerei herstellt, verpackt und verkauft. Neben dem klassischen Schokokuss werden auch die Geschmacksrichtungen Kokos, Mokka und Rum angeboten. Saisonal gibt es auch die Sorte Erdbeere. „Am beliebtesten ist mit Abstand unser Klassiker, danach kommt Kokos.“ Eine vegane Variante sei nicht angedacht. Die Produkte seien laktosefrei, in den Waffeln ist Gluten enthalten.

„Jeder muss den Gürtel enger schnallen“

Zu schaffen machen ihm die gestiegenen Rohstoffpreise seit Anfang des Jahres. „Der Preis für Eiweiß ist um 150 Prozent nach oben gegangen.“ In Euro heißt das: Anfang des Jahres hat der Herxheimer für eine Tonne noch 10.000 Euro bezahlt, mittlerweile muss er dafür 25.000 Euro einkalkulieren. „Das ist schon enorm“, bilanziert er. Auch die Preise für Zartbitter-Schokolade (30 Prozent mehr), Kokosflocken (40 Prozent mehr) und Zucker (zwischen fünf und zehn Prozent mehr) sind deutlich gestiegen. Hinzu kommen gestiegene Energiekosten um rund 50 Prozent.

„Bei uns muss jeder den Gürtel enger schnallen“, sagt er. Denn drei kleinere Preissteigerungen zwischen zehn und 20 Cent für einen Karton voller Schokoküsse, die im Laufe des Jahres gemacht wurden, könnten die gestiegenen Rohstoffpreise nicht ausgleichen. Je nach Sorte kostet ein Karton mit dem leckeren Inhalt derzeit zwischen 6,40 und 7,80 Euro. „Die Qualität muss stimmen und hoch bleiben“, sagt er. „Das zeichnet uns aus.“ Und: „Die Nachfrage nach unseren Produkten ist hoch.“

Investitionen in den Maschinenpark

Der Maschinenpark wurde in den vergangenen Jahren stetig erneuert, und hier soll auch künftig Geld investiert werden. Denn neuere, modernere Maschinen sorgen auch für eine stabilere Produktion. „Das ist für uns enorm wichtig, da wir tagesaktuell und auch auf Bestellung produzieren.“ Verkauft werden die Schokoküsse nur noch am Standort in Herxheim. Wer die luftige Süßspeise genießen möchte, muss sie dort abholen. „Wir liefern im Vergleich zu früher nicht mehr aus“, sagt Daniel Trauth. Er führt das Unternehmen in vierter Generation fort. Der Neffe der langjährigen Firmenchefin Marie-Luise Trauth übernahm im Jahr 2018 den Betrieb. Das Handwerk lernte er von der Pike auf. Er knüpft an die Tradition seines Urgroßvaters an, denn nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Bäcker. Anschließend qualifizierte er sich weiter zum Lebensmitteltechniker. „Ich habe die Abläufe schon früh kennengelernt, war in der Produktion und im Verkauf tätig“, erzählt er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Auch in die Funktionalität der Maschinen wurde er früh eingeweiht. Es könne gut sein, dass in Zukunft noch weitere Familienmitglieder ins Unternehmen einsteigen, berichtet Daniel Trauth.

Die luftigen Schokoküsse kennt jeder in der Region.
Die luftigen Schokoküsse kennt jeder in der Region.

Grob gesagt wird eine schaumige Zucker-Eiweiß-Masse auf eine Waffel gesetzt und mit flüssiger Schokolade überzogen. Die Kuvertüre besteht zu 54 Prozent aus Kakao. Charakteristisch für die Optik der Schokoküsse ist ein Zipfelchen in der Mitte. Konservierungsstoffe sind keine enthalten. Das Haltbarkeitsdatum beträgt 14 Tage. Am wohlsten fühlen sich die Schokoküsse bei einer Temperatur von 16 bis 18 Grad Celsius und trockener Luft. „Direkte Sonne und Hitze sind die natürlichen Gegner des feinen Geschmacks und der äußeren Erscheinung aller vier Sorten“, weiß der Firmenchef. Der letzte Produktionstag für dieses Jahr ist der 22. Dezember. „Wir werden voraussichtlich am 23. Dezember ausverkauft sein“, sagt Daniel Trauth. Das Unternehmen begibt sich dann bis 5. Januar 2023 in die Winterpause.

Film über die Firmengeschichte

Die rassistische Bezeichnung Negerkuss oder Mohrenkopf ist längst dem Wort Schokokuss gewichen. Das Unternehmen stehe für Vielfalt und Respekt gegenüber allen Menschen, sagt der Firmenchef. Zum 111-jährigen Bestehen der Süßwarenfirma wurde der Film „100 Jahre Trauth – Schokoküsse aus Herxheim“ vom Landauer Christian Schega auf Youtube online gestellt. Der Film erzählt die Geschichte des Unternehmens und wurde ursprünglich zum 100. Jubiläum angefertigt. Er zeigt Bilder aus der Produktion und dem Verkauf, und erzählt auch ein Stück Herxheimer Zeitgeschichte. Der Film ist mit dem Hinweis versehen, dass er über die Vergangenheit berichtet und diskriminierende Begriffe, die damals falsch waren und heute falsch sind, enthält. Anstatt die Sprache nachträglich zu verändern, soll der Film ein Zeitzeugnis darstellen, der unter anderem den falschen Sprachgebrauch sichtbar macht.

Info

Weitere Informationen zum Unternehmen gibt es im Internet unter www.trauth-herxheim.de. Der Film ist auch unter www.calimedia.de abrufbar.

Daniel Trauth führt das Unternehmen in vierter Generation.
Daniel Trauth führt das Unternehmen in vierter Generation.
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