Südpfalz
Lebensmittel und Personal knapp: Die Tafel hat zu kämpfen
Die Vorsitzenden des Tafelverbundes Vorderpfalz Süd, deren Vorsitzende Uschi Bisanz ist, haben sich in den Räumen der Tafel Bad Bergzabern getroffen. Zum ersten Austausch nach Corona. Im Verbund sind 15 Tafeln. Zwölf Vorsitzende davon waren gekommen. Sie repräsentieren rund 720 Ehrenamtliche, die ungefähr 10.000 Menschen mit Lebensmitteln versorgen. Gewaltige Zahlen. Und gewaltige Probleme. Aber es macht auch allen Spaß, die Hilfs- und Spendenbereitschaft ist nach wie vor groß und in der Bevölkerung noch gewachsen, betonen sie. Die Probleme wollen sie trotzdem nicht klein reden.
Einen Aufnahmestopp hat die Tafel Bad Dürkheim, die 600 Menschen versorgt, davon 250 Ukrainer. Die Gründe sind zu viele Kunden, zu wenig Lebensmittel und personell ist es eng. Mit 63 Ehrenamtliche stoße die Tafel an ihre Grenzen, wenn sie pro Ausgabe 100 Familien versorgen soll. „Wir sind sehr in Sorge, was auf uns zukommt, wenn die Heizkostenabrechnungen an die Haushalte zugestellt werden“, so Grill. „Er hat schon alles gesagt“, bestätigt ihm Ingrid Daum von der Herxheimer Tafel, die 450 Personen versorgt und die Lebensmittel einteilen muss. „Wir geben so viel raus, wie wir haben“, sagt sie.
27 Prozent aus der Ukraine
Mathilde David von der Tafel in Bad Bergzabern hat eine Warteliste angelegt und einen kleinen Puffer für Härtefälle. Werner Seesle aus Germersheim vertritt in dieser Runde die größte Tafel, mit 90 Ehrenamtlichen, die rund 2000 Menschen versorgen. „Die Zahlen explodieren“, erzählt er. Seesle fürchtet auch, dass es noch sehr viel mehr werden, wenn die ersten hohen Energieabrechnungen kommen.
Explodierende Zahlen bestätigt auch Peter Brachart aus Annweiler, er verzeichnet 70 Prozent mehr Kunden als noch vor einem halben Jahr. 700 Menschen werden in der Trifelsstadt versorgt. Speyer hat die Ausgabetage auf drei pro Woche erhöht. „Wir müssen die Ware einteilen“, erzählt Karin Maier. In Neustadt und Hassloch gibt es Aufnahmestopps. Hier werden insgesamt 900 Menschen versorgt. „Noch klappt alles,“, ist die Bilanz von Uschi Bisanz, Vorsitzende der Tafel Wörth, die 1600 Menschen mit Lebensmittel versorgt. Sie hat genaue Zahlen. 27 Prozent sind derzeit Ukrainer, 24 Prozent Deutsche, 49 Prozent andere Nationalitäten.
Bestandteil des Sozialsystems
In Landau hat die Tafel, die 1200 Menschen versorgt, seit Anfang Juni einen Aufnahmestopp. „Die Ehrenamtlichen kriechen auf dem Zahnfleisch“, berichtet Kerstin Baudisch und erntet Beifall der Anwesenden. Einerseits liege es daran, dass die Jugend fehle und die Älteren krankheitsbedingt teils ausfallen oder nach Corona jetzt lange verschobene Operationen nachholen müssen, ist ihre Analyse. Edenkoben ist mit Ehrenamtlichen noch gut bestückt und kann 600 Personen versorgen, darunter 166 Ukrainer. 24 Nationen hat Barbara Böckmann in Grünstadt bei den 700 Menschen, die die Tafel versorgt, gezählt. Probleme im Alltag der Tafeln werden viele genannt. „Wir sind Bestandteil des Sozialsystems geworden, das ist nicht unsere Aufgabe und wird auf die Dauer nicht gut gehen“, so eine Stimme.
Auch dass Verwaltungen Flüchtlinge ohne Informationen gleich zu den Tafeln schicken würden. Und einige der ukrainischen Gäste unzufrieden mit dem Angebot seien. „Das Zeug will ich nicht essen, das füttert man nicht mal den Schweinen“, wird die Bemerkung einer ukrainischen Frau zitiert. „Die Stimmung kippt, wir haben bald Flüchtlinge zweiter Klasse“, fürchtet ein Vorsitzender. Wünsche der Teilnehmer am Verbandstreffen gibt es einige: Die Kommunen müssten sich mehr einbringen, auch finanziell. Ein großer Wunsch ist, dass sich mehr junge Leute bei den Tafeln engagieren. Und das es weniger bürokratische Stolpersteine in Form von Auflagen gibt, wenn sich zum Beispiel lange Schlangen vor den Ausgabestellen bilden. Begrüßt wurde das Modell in Germersheim, dort ist der Bürgermeister im Vorstand der Tafel. „Wir alle machen es gerne, aber wir können nur eine Ergänzung sein und keine Vollversorger“, sind sich die Teilnehmer des Verbandstreffens einig. Trotz vieler Hürden wollen sie engagiert weitermachen.