Dörrenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Lösungsmittel im Trinkwasser

Seit Freitag versorgen Robert Dorf und seine Kameraden von der Dörrenbacher Feuerwehr die Bevölkerung mit Trinkwasser.
Seit Freitag versorgen Robert Dorf und seine Kameraden von der Dörrenbacher Feuerwehr die Bevölkerung mit Trinkwasser.

Eine Trinkwasser-Abgabestelle mitten im Ort. Was man eher in einem Kriegs- oder Katastrophengebiet vermutet, ist seit Tagen in Dörrenbach Realität. Das Leitungswasser stinkt nach Chemie, Feuerwehr und Verbandsgemeinde-Werke versorgen die Bevölkerung mit Wasser. Die Ursache ist mittlerweile gefunden. Aber noch kann keine endgültige Entwarnung gegeben werden.

Bemerkt, dass mit ihrem Trinkwasser etwas nicht stimmt, haben am Freitag einige Dörrenbacher, die sich bei der Verbandsgemeinde meldeten. Irgendwie roch es nach Farbe, wenn sie ihren Wasserhahn aufdrehten. „Wir hätten das so schnell nicht entdeckt“, sagt Martin Engelhard, erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde und verantwortlich für die Verbandsgemeinde-Werke. Engelhard alarmierte die örtliche Feuerwehr und setzte einen Tankzug mit Frischwasser in Richtung Dornröschen-Dorf in Bewegung. Am Feuerwehrhaus in der Ortsmitte wurde eine Trinkwasserausgabe eingerichtet.

„Wir sind mit Lautsprechern durch den Ort gefahren und haben die Menschen gewarnt“, sagt Wehrführer Sven Krieger. Das Leitungswasser durfte auf Anordnung des Gesundheitsamtes bis auf Weiteres „aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes nicht zum Trinken oder zur Zubereitung von Nahrungsmitteln verwendet werden“. Bevor die Feuerwehr ihre Lautsprecherdurchsagen machte, wurde die Bevölkerung per Sirenenalarm vorgewarnt. „Das hat für Aufmerksamkeit gesorgt“, so Krieger. „Wenn es an der ganzen Situation etwas Positives gibt, dann die Erkenntnis, dass Sirenen doch nicht ganz überflüssig sind“, betont Krieger. Es gibt Gemeinden im Land, in denen Sirenen bereits abgebaut wurden. In anderen Kommunen wird darüber diskutiert. Doch das ist ein anderes Thema.

Ursache für Verschmutzung ist gefunden

Das Gesundheitsamt hat am Freitag Proben genommen, die von einem Speziallabor untersucht wurden. Die Ursache für die Verschmutzung ist inzwischen gefunden, der Übeltäter kann benannt werden. Derzeit wird der Hochbehälter, der Dörrenbach mit Wasser versorgt, saniert. Unter anderem wurde der Fußboden in der Vorkammer des Hochbehälters von einer Fachfirma neu beschichtet. In der Beschichtung ist ein Lösungsmittel enthalten, das Dämpfe entwickelte. „Der Vorraum ist komplett abgedichtet, da kann nichts nach draußen“, erläutert Engelhard. In Richtung Wasserbehälter gibt es aber nur eine Trennwand. „Und da haben sich die Dämpfe durchgedrückt und das Wasser verunreinigt“, berichtet Engelhard. Das dies passieren konnte, ist für Engelhard absolut unverständlich. „Das ist eine Fachfirma, die müssten das doch wissen“, wundert sich der Werkleiter. Engelhard kündigt an, dass man die verantwortlichen in Regress nehmen wolle: „Die ganze Aktion kostet einiges, irgendwo zwischen Ingenieurbüro und Fachfirma ist da etwas nicht professionell abgelaufen.“

Am Montag zur Mittagszeit läuft das Wasser aus dem Tankwagen, der vor dem Feuerwehrhaus steht, in den Gully. Das bedeutet aber nicht, das die Aktion beendet ist. „Die Werke bringen einen neuen Tank mit frischem Wasser“, sagt Krieger. Bürger auf der Suche nach Trinkwasser sind in dem Moment gerade keine in Sicht. „Es geht aber den ganzen Tag“, sagt Feuerwehrmann Robert Dorf. Von 6 bis 22 Uhr ist das Gerätehaus besetzt, natürlich im Schichtdienst. Robert Dorf ist aber fast die ganze Zeit vor Ort. „Ich bin schon seit Wochen im Dauereinsatz“, sagt er. Mehrfach war er in den vergangenen Wochen im Hochwassergebiet an der Ahr, nun der Sondereinsatz in der Heimat. Demnächst müsse er sich mal wieder um seinen Job kümmern.

Alle Supermärkten nach Wasser abgeklappert

Dorf war auch dabei, als die Feuerwehr am Freitagmittag die Supermärkte in der Region abklapperte, um Wasservorräte anzulegen. „Wir haben zwölf Europaletten mit Wasser geholt“, erzählt Dorf. Auf jeder Palette sind 80 Sixpacks mit 1,5-Liter-Flaschen. Ein Ehepaar kommt vorbei, um Nachschub zu holen. „Wir waren am Samstag schon einmal hier“, sagt der Mann. „Die Herrschaften bei uns im Haus sind alle schon etwas älter, denen fällt das Tragen schwer, deshalb nehmen wir für die ein paar Flaschen mit“, erzählt er.

Die Resonanz der Bevölkerung sei großartig, so Krieger. „Beschwert hat sich noch niemand. Wir bekommen sehr viel Lob.“ Fast wie auf Bestellung kommt eine ältere Frau, die sich eine Flasche Wasser holen will. „Ich würde euch gerne etwas zu essen machen“, sagt sie zu Krieger. „Wie viele Männer seit ihr denn hier?“, will sie wissen. Man werde hier ganz gut versorgt, sagt der Wehrführer. „Ja, das glaube ich. Ich will euch aber etwas zu essen machen, um danke zu sagen für das, was ihr hier macht“, lässt die Frau nicht locker.

Werke kündigen Gutschrift für alle Haushalte an

Voraussichtlich kann der Einsatz beendet werden. Die Verbandsgemeindewerke haben mittlerweile das Trinkwasser im Hochbehälter und den Hauptversorgungsleitungen ausgetauscht. „Wasser marsch!“ geht aber noch nicht. „Zunächst muss auch das Wasser in den Hausanschlussleitungen ausgetauscht werden“, betont Engelhard. Das können die Werke nicht übernehmen. Hierzu werden alle Haushalte gebeten, ihre Kalt- und Warmwasseranschlüsse im Haus für 15 Minuten zu öffnen und das Wasser laufen zu lassen. Am Montagnachmittag fährt die Feuerwehr durch den Ort, um die Bevölkerung per Lautsprecher zum Aufdrehen des Wasserhahns aufzufordern. Nach vorheriger Ankündigung durch die Sirene, wie Krieger verspricht.

Zeitgleich werden die VG-Werke die Hauptleitungen nochmals spülen und weitere Proben nehmen. „Die Proben werden dann direkt ins Labor gegeben“, kündigt Engelhard an. Mit den Ergebnissen wird am späten Dienstagnachmittag gerechnet. Der Werkleiter ist zuversichtlich, dass danach die Wasserversorgung wieder im Normalbetrieb läuft. „Die Verbandsgemeindewerke werden für die Spülaktion der Hausanschlüsse jedem Wasserabnehmer 2000 Liter bei der Jahresabrechnung 2021 als Gutschrift gewähren“, kündigt Engelhard an.

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