Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Kurstadt spart Geld wegen Fehler der Telekom

Der Brunnen auf dem Ludwigsplatz läuft – mittlerweile ohne das Zutun der Telekom.
Der Brunnen auf dem Ludwigsplatz läuft – mittlerweile ohne das Zutun der Telekom.

Bad Bergzabern muss erneut Geld für die Reparatur des Brunnens auf dem Ludwigsplatz bezahlen. Am Ende freut sich die Kurstadt trotzdem – wegen eines Eigentors der Telekom.

Der Springbrunnen auf dem Ludwigsplatz in Bad Bergzabern ist ein Blickfang. Zum einen ist das mit Sicherheit seiner prominenten Lage direkt an der Kurtalstraße geschuldet, durch die täglich unzählige Autos rollen. Zum anderen ist das Wasserspiel aber auch einfach schön anzuschauen – wenn es läuft. Denn immer wieder zickt die sprudelnde Attraktion vor der katholischen Kirche. So wollten vor ein paar Jahren die bunten Lichter einfach nicht leuchten. Im Vorjahr streikte dann die Wasserzufuhr, weshalb für mehrere Zehntausend Euro neue Pumpen angeschafft und eingebaut werden mussten.

Derlei Probleme bereitet der Springbrunnen derzeit zum Glück nicht. Das Wasser spritzt wie vorgesehen in die Höhe, um Sekunden später auf den gepflasterten Kreisen niederzuprasseln. Und trotzdem ist die Zierde des Ludwigsplatzes Thema in der jüngsten Sitzung des Stadtrates am Mittwochabend im idyllischen Ortsbezirk Blankenborn. Denn mal wieder musste die klamme Kurstadt Geld für eine Reparatur in die Hand nehmen, wie Stadtbürgermeister Hermann Augspurger (FWG) berichtet. Was zunächst niemand ahnt: Die Ausgabe ist überaus lohnenswert. Dazu aber später mehr.

Springbrunnen in Bad Bergzabern wird aus Kaiserslautern gesteuert

Zunächst einmal zur leidigen Frage, was denn nun schon wieder nicht funktioniert hat am Springbrunnen. Die Antwort in Kurzform: die Technik. Genauer gesagt, die Telekommunikationstechnik. Die ist im konkreten Fall wichtig für den Betrieb des Wasserspiels, der von einem IT-Dienstleister aus Kaiserslautern organisiert wird. Wann läuft der Brunnen wie, wann läuft er nicht – all das wird von der Firma aus der Westpfalz geregelt. Der Clou an der Sache ist, dass sich dazu niemand ins Auto setzen und die knapp 60 Kilometer fahren muss. Die Steuerung funktioniert aus der Ferne.

„Die Firma kann den Brunnen anrufen“, erklärt Augspurger etwas vereinfacht. Was er meint: Der IT-Dienstleister nimmt über die Telefonleitung Kontakt zum Springbrunnen auf, um ihm die entsprechenden Befehle zum Betrieb zu geben. Allerdings klappte das zuletzt nicht mehr. Es hieß für die Techniker aus Kaiserslautern quasi „kein Anschluss unter dieser Nummer“, wenn sie Bad Bergzabern angefunkt haben. Der Grund dafür blieb zunächst unklar, weshalb doch jemand vor Ort nachschauen musste, erzählt der Bürgermeister.

Telekom kappt Telefonleitung zwischen Südpfalz und Westpfalz

Die Ursachenforschung dauerte schließlich nicht lange. Es wurde festgestellt, dass die Telefonleitung gekappt wurde. Und zwar von der Telekom selbst. In der Nähe der katholischen Kita – und damit in unmittelbarer Nachbarschaft zum Springbrunnen – hat der Telekommunikationsriese aus Bonn vor einiger Zeit eine Telefonsäule abgebaut. Dabei sind die Arbeiter rigoros vorgegangen und haben laut Augspurger sämtliche Kabel, die sie dort gefunden haben, durchgeschnitten. Es gab also keine Verbindung mehr zwischen Westpfalz und Südpfalz.

Eine Idee, wie sie wiederhergestellt werden kann, hatte die IT-Firma aus Kaiserslautern schnell. Es sei ein Modem mit einer SIM-Karte gesetzt worden, erklärt Augspurger. Dadurch kann der Kontakt über Mobilfunk geknüpft werden. Zum Nulltarif gab es die neue Lösung natürlich nicht. Material und Einbau haben 775 Euro gekostet, wie der Bürgermeister im Stadtrat berichtet. Dazu kommen noch 100 Euro Jahresgebühr für die SIM-Karte. Die abermalige Brunnenreparatur schlägt also mit 875 Euro zu Buche.

Die neue Lösung kostet deutlich weniger als die alte

Genau in dieser Rechnung ist auch die gute Nachricht für die Stadt versteckt. Denn wie beschrieben, kostet die SIM-Karte jedes Jahr 100 Euro. An die Telekom hatte Bad Bergzabern für die Telefonleitung nach Kaiserslautern laut Augspurger bislang zwischen 280 und 290 Euro pro Jahr bezahlen müssen, also mehr als doppelt so viel. Insofern muss man festhalten: In dieser Geschichte sind die Rollen des Gewinners und des Verlierers klar verteilt. Die Telekom hat sich mit ihrem erbarmungslosen Kabelkahlschlag ein Eigentor geschossen. Denn der Mobilfunkvertrag ist mit einem anderen Anbieter geschlossen worden. Bad Bergzabern dagegen spart Jahr für Jahr Geld. Zugegebenermaßen ist das nicht der ganz große Wurf. Der finanziell arg gebeutelten Kurstadt tut aber gewiss jeder Euro gut, den sie nicht ausgeben muss.

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