Gossersweiler-Stein Kurioser Fund: Schnappschildkröte bei Tierretter untergebracht

Kevin Keßler mit dem Schnappschildkröten-Weibchen.
Kevin Keßler mit dem Schnappschildkröten-Weibchen.

„Sie besitzen zwar eine Beißkraft wie ein Löwe oder ein Gepard, aber sie sind keine Killer“, weiß Kevin Keßler. Die Rede ist von zwei Schnappschildkröten. Eine davon wohnt jetzt bei ihm.

Am Straßenrand hat Kevin Keßler die beiden Reptilien aufgelesen. Er betreibt eine Auffangstation für Reptilien in Gossersweiler-Stein. Deshalb wurde er vorgestern sowohl nach Altrip als auch nach Biblis gerufen, wo die Schildkröten aufgetaucht waren. Das Tier aus Altrip hat die Berufstierrettung Rhein-Neckar nach München in eine Reptilienauffangstation gebracht. Das in Biblis gefundene Weibchen verbleibt in Keßlers Obhut. Es wiegt knapp zehn Kilogramm, das Alter schätzt Keßler auf 20 bis 30 Jahre.

Die Reptilien gelten in Deutschland als invasiv, und seit 1999 ist es offiziell verboten, sie zu besitzen oder mit ihnen zu handeln. Rein vom Alter her könnte das Exemplar aus Biblis noch vor dem Verbot ausgesetzt worden sein. Das täten viele Besitzer, wenn die Tiere zu groß würden, erzählt Keßler. Die aufgefundenen Schildkröten gehörten aber vermutlich niemandem. Keßler hält es für wahrscheinlicher, dass sie in freier Wildbahn geboren wurden und jetzt aufgrund der Überschwemmungen ihre Wege aus Altrheintümpeln auf die Straße gefunden haben.

Stärkere Ausbreitung durch Klimanwandel

Ursprünglich kommen Schnappschildkröten aus Nordamerika. Deshalb seien sie verschiedene klimatische Bedingungen gewohnt. Der Klimawandel mache ihre Ausbreitung in Deutschland noch leichter. Je milder die Winter werden, desto besser könnten sie sich vermehren. Auch an Stellen, wo warmes Abwasser aus der Industrie in den Rhein geleitet werde, begünstige das die Fortpflanzung der Tiere, so Keßler. Er habe ein- bis zweimal im Jahr mit Schnappschildkröten in der Region zu tun, Tendenz steigend.

Und wie weiter mit dem Weibchen aus Gossersweiler-Stein? Sie wird wohl dort bleiben. Manche Schildkröten, Schlangen und Echsen vermittelt Keßler von seiner Auffangstation aus weiter. Aufgrund des Halteverbots von Schnappschildkröten sei eine Weitervermittlung jedoch nur unter hohem behördlichem Aufwand möglich. Zoos hätten oftmals auch kaum Kapazitäten, um die Tiere aufzunehmen. Deshalb wird Keßler das Weibchen wohl weiterhin beherbergen. Je nachdem, wie alt das Tier wird, bedeutet das einen hohen finanziellen Aufwand für den gemeinnützigen Tierschutzverein. Keßler wirbt deshalb dafür, den Verein und vor allem die Tiere mit Spenden oder Fördermitgliedschaften zu unterstützen.

 

Info

Alle Informationen zum Verein sind unter www.auffangstation-reptilien.de zu finden.

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