Kreis Südliche Weinstraße Kommentar: Bitte keine DDR

Rohrbach hat sein Okay für ein Fachmarktzentrum gegeben. Das ist richtig.
Die Gemeinde investiert damit in ihre Zukunft. Der Rest ist Marktwirtschaft.
Wenn Kommunalpolitiker ihre Reden in den Dorfgemeinschaftshäusern der Republik halten, geht es immer wieder um die Daseinsvorsorge auf dem Land. Viele flüchten aus den kleinen Orten in die Städte, auch weil sie keine Lust haben, für ein paar neue Jeans erst ins Auto steigen zu müssen. Die Gemeinde Rohrbach weiß das und handelt. Sie ermöglicht einem Investor, auf dem ehemaligen Real-Gelände ein Fachmarktzentrum zu bauen. Das ist absolut nachvollziehbar. Und es ist richtig. Die Stadt Landau ist nicht sonderlich erfreut über die Pläne und prüft rechtliche Schritte. Das Argument: Es sollen in Rohrbach innenstadtrelevante Waren verkauft werden. Die Angst: Weniger Kunden kommen in die City. Es ist legitim und nachvollziehbar, dass Oberbürgermeister Thomas Hirsch gegen das Projekt wettert. Er ist gewählt, um die Interessen der Stadt zu vertreten. Und richtig ist auch, dass Landau einiges an Infrastruktur für sein Umland bereitstellt. Die Stadt bezahlt dafür, ohne eine Gegenleistung zu bekommen. Doch im speziellen Fall von Rohrbach ist die Landauer Haltung nichts anderes als Protektionismus. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass Landau von den 111.000 Kreisbürgern profitiert, die ihr Geld in die Stadt tragen und mit vollen Tüten wieder nach Hause fahren. Und genau diese Menschen sollten auch ein Recht darauf haben, direkt vor ihrer Haustür auf Shoppingtour gehen zu können. Wenn es das Gesetz zulässt. Das Landesentwicklungsprogramm, auf das sich die Stadt stützt, tut es in Rohrbach. Denn darin steht: Wenn sich große Geschäfte in kleinen Orten bereits etabliert haben, ist ein Bestandsschutz möglich. Das besagte Landesentwicklungsprogramm ist kein Korsett. Es setzt lediglich einen Rahmen, in dem sich die Akteure frei bewegen dürfen und sollen. Das nennt sich Marktwirtschaft. Dieser Maxime folgen die Rohrbacher. Mit den zu erwartenden Steuereinnahmen investieren sie in die Zukunft ihres Ortes. Nichts anderes tat Landaus früherer Oberbürgermeister Christof Wolff, als er die Ansiedlung des Media-Marktes genehmigte. Auch das hatte Folgen für die Innenstadt. Doch Wolff ließ dem Markt seinen Raum. Alles andere wäre Wirtschaftspolitik à la DDR gewesen. Das kann ernsthaft keiner wollen.