Kreis Südliche Weinstraße Knicklicht-Ampel für Alkohol-Pegel
„Wir wurden fast überall sehr positiv wahrgenommen“, blickt Gaby Fritsch zurück. Bereits der erste Einsatz beim Fest des Federweißen in Landau im Oktober 2015 sei ein voller Erfolg gewesen. Der kleine Info-Wagen – die „Blaue Huddel“ – sei schon auf acht Weinfesten unterwegs gewesen. 1500 Menschen pusteten gegen eine kleine Spende ins Atemalkoholtestgerät. „Alle Altersgruppen“ seien dabei gewesen, erinnert sich Rainer Hehl. „Bis 21 Uhr ist bei uns recht wenig los“, plaudert Fritsch aus dem Nähkästchen, „gegen Mitternacht ist die Schlange oft am längsten.“ Meist in Gruppen kämen die Festgäste dann und gönnten sich den „Spaß“ zu testen, wie viel Promille sie getankt haben. „Die meisten erschrecken erst mal. Nicht wenige haben das Auto anschließend stehen lassen“, blickt Rainer Hehl zurück und sieht darin den Wert und den Erfolg der Aktion. Die 17-jährige Tochter einer Familie beispielsweise habe stolze 1,8 Promille geblasen. „Der Vater fand das erst lustig. Aber dann habe ich ihm erklärt, dass ein Mädchen, das sich mit diesem Pegel so unauffällig verhält, nicht nur samstagabends auf Weinfesten trinkt. Das hat ihn nachdenklich gemacht.“ Mit wachsender Erfahrung im Umgang mit Weinfestbesuchern – vor allem Jüngere hätten sich einen Sport daraus gemacht, den steigenden Pegel nach jeder Runde zu testen – binden die Ehrenamtlichen nun jedem Getesteten leuchtende Knicklichter ans Handgelenk: „Grün für sauber, gelb für grenzwertig und rot für Alarmstufe und nicht mehr fahrtauglich“, erklärt Fritsch. Im Verlauf der Tour 2015 habe sich unter den Jüngeren eine Fangemeinde gegründet, die der „Blauen Huddel“ nachgereist sei. Nicht zuletzt habe der Einsatz der Selbsthilfegruppe für Jugendliche neue Teilnehmer eingebracht: „Viele erkennen erst in aufklärenden Gesprächen, dass sie bereits Gewohnheitstrinker sind“, haben Hehl und seine Helfer erfahren. Wer ohne den Genuss von Alkohol dessen Wirkung auf die Reaktionsfähigkeit testen will, kann mit einer „Rauschbrille“, die Trunkenheit vortäuscht, einen Parcours durchlaufen. Nur auf einem Weinfest seien sie angepöbelt und mit dummen Sprüchen vertrieben worden. „Die Winzer leben von vielen Gästen, die viel trinken“, nennt Hehl als Rechtfertigungsversuch für Sprüche auf Plakaten wie: „Es trinkt der Mensch, es säuft das Pferd, in … ist’s umgekehrt.“ Aber es gebe auch Dörfer, in denen die Organisatoren darauf bedacht seien, Ausschreitungen durch Betrunkene zu vermeiden. „In Insheim wird kein harter Alkohol ausgeschenkt“, berichtet Hehl: „In Rohrbach haben sich die Kontrolleure vom Jugendamt und der Polizei bei uns versammelt und unsere Aufklärungskampagne gelobt.“ Dennoch sind die Ehrenamtlichen vom „Blauen Kreuz“ vorsichtiger geworden. „Wir würden gerne die Tour erweitern, möchten aber sichergehen, dass wir erwünscht sind“, sagt Hehl und freut sich über Anrufe von Organisatoren oder Bürgermeistern. In Rohrbach bliesen an beiden Abenden 170 Besucher in den Alcotester. Am Freitag waren recht früh nicht wenige junge Besucher so betrunken, dass Sicherheitskräfte tätig werden mussten, wie Hehl berichtet. Der Samstag war dagegen ruhig. Termine „Blaue Huddel“ 10. Juli: Landauer Sommer, 5. bis 9. August: Weinfest Nußdorf, 12. bis 15. August: Weinfest Ingenheim, 19. bis 21. August: Plätzlfeschd Herxheim, 2. bis 5. September: Weinfest Insheim, 13. bis 16. Oktober: Fest des Federweißen Landau. (srs)