Ramberg RHEINPFALZ Plus Artikel Knausert die AOK bei der Krebsbehandlung? – Ein Betroffener berichtet

Die Untersuchung hat Alejandro Oswald zunächst aus eigener Tasche bezahlt. Aber er stellt sich die Frage: „Was, wenn ich mir die
Die Untersuchung hat Alejandro Oswald zunächst aus eigener Tasche bezahlt. Aber er stellt sich die Frage: »Was, wenn ich mir die 430 Euro nicht hätte leisten können? «

Bei dem Befund schrillten alle Alarmglocken: Alejandro Oswald könnte Krebs haben. Anstatt auf Nummer sicher zu gehen, geizte seine Krankenkasse bei den Untersuchungen. Hätte die AOK mehr machen können?

Heute ist Alejandro Oswald wieder gesund. Mit seiner Frau Barbara steuert der 65-Jährige auf die goldenen Jahre zu. Doch es ist noch nicht lange her, dass das Ehepaar in großer Sorge um seine Gesundheit war. Bei einer Vorsorgeuntersuchung war bei dem Ramberger eine erhöhte Krebsgefahr festgestellt worden. Seine Rettung war ein MRT – also eine Magnetresonanztomografie, mit der Gewebe und Organe im Körper dargestellt werden können, umgangssprachlich „die Röhre“. Doch seine Krankenkasse habe ihm das Verfahren nicht bezahlen wollen, sagt Oswald. Das Verhalten der AOK stößt dem Ehepaar sauer auf. Es glaubt: „Wenn wir alles so gemacht hätten, wie von denen vorgesehen, könnte der Krebs jetzt unentdeckt weiter wachsen.“

Es war eine Nachricht, vor der sich jeder Mann fürchtet: Bei einer Blutprobe wurde bei Oswald ein PSA-Wert von 9.8 festgestellt. PSA steht für Prostata-spezifisches Antigen, der Wert sollte drei Nanogramm pro Milliliter nicht überschreiten. Eine Erhöhung kann auf eine Krebserkrankung hindeuten. Der Patient muss nun eine Biopsie machen lassen, um eine schlimmere Erkrankung auszuschließen. Dabei legt der Arzt an verschiedenen Stellen der Prostata Stanzen und untersucht das entnommene Gewebe. „Vor der Gewebeentnahme riet mir mein Urologe dringend, ein MRT zu machen. Denn wenn dort auffällige Stellen zu sehen wären, könne er bei einer anschließenden Biopsie die zwölf Stanzen gezielt dort hinsetzen“, erzählt Oswald.

Durch MRT Karzinome entdeckt

Und so sollte es dann auch kommen: „Das MRT war insofern ebenfalls positiv, als sich Stellen abzeichneten, die sich bei der anschließenden Biopsie als drei Karzinome herausstellten. Die entsprechenden befallenen Stellen waren durch das erste MRT praktisch schon vorgegeben. Ohne das MRT hätte der Arzt womöglich zwölf Stellen gestanzt, die nicht vom Krebs befallen waren.“ Es folgten weitere MRT, eine Knochenszintigrafie und schließlich eine Prostatektomie. Oswald wurde also die Prostata herausgenommen, ehe sich der Krebs im restlichen Körper ausbreiten konnte. Damit verlief seine Krankheit dank Früherkennung insgesamt glimpflich. Was Oswald heute aufregt, ist, das seine Krankenkasse AOK ihm nach seinem Empfinden in der schweren Zeit kein guter Rückhalt war.

Der Zankapfel ist die erste MRT-Behandlung, die seinem Urologen die Vorlage für eine erfolgreiche Biopsie gab. „Ich wurde schon früh darüber informiert, das wir die Kosten für dieses MRT vermutlich selbst tragen müssen. Es geht um 430 Euro – die machen uns nicht arm, für diesen Betrag spiele ich nicht mit meinem Leben.“ Was ihn beschäftigt, ist aber die Frage: Was wäre wenn? Was, wenn ich mir die 430 Euro nicht hätte leisten können? Was, wenn der Urologe ohne die MRT-Ergebnisse an den Karzinomen vorbeigestochen hätte? „Vielleicht hätte man mir gesagt, es sei alles in Ordnung, und der Krebs wäre in Ruhe weiter in mir gewachsen. Warum genau erachtet meine Krankenkasse diese Behandlung also als optional?“

So begründet AOK ihre Entscheidung

Oswald hat auch einige Bekannte, die die gleiche Erkrankung durchmachen mussten – keiner habe das MRT bezahlen müssen. Das Ehepaar legte gegen die Entscheidung der AOK, die Behandlung aus eigener Tasche zahlen zu müssen, Widerspruch ein, der aber abgelehnt wurde. Auf Nachfrage erklärt uns die Krankenkasse, ihr seien bei der Sache die Hände gebunden: „Alle medizinisch notwendigen Untersuchungen und Behandlungen nach aktuell anerkanntem wissenschaftlichen Stand werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt“, so Pressesprecher Jan Rößler.

„Der Gesetzgeber schreibt vor, dass neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bewertet werden müssen, was Nutzen, Risiken und Nebenwirkungen der Methode angeht, bevor sie Kassenleistung werden.“ Der G-BA sei zu gleichen Teilen von Kassen- und Ärztevertretern besetzt, außerdem mit Patientenvertretern. Wenn eine Methode noch nicht bewertet wurde, habe der Gesetzgeber Aufnahmekriterien für Einzelfälle vorgesehen, in denen die Kassen die Kosten übernehmen können. In diesen Fällen obliegt die Entscheidung der Prüfung des Medizinischen Dienstes, ein unabhängiges ärztliches Gremium. Dieser habe schlussendlich den Widerspruch des Ehepaars abgelehnt.

Oswald überlegt, vors Sozialgericht zu gehen

Rößler erklärt weiter, bei dem MRT handele es sich „nicht um eine durch den G-BA anerkannte Methode. Die bisher vorliegenden Studienergebnisse haben den Nutzen noch nicht ausreichend belegt. Daher darf die gesetzliche Krankenversicherung diese Untersuchungsmethode (noch) nicht bezahlen.“ Die Aufnahmekriterien lägen, unabhängig vom Einzelfall, in der Regel nicht vor, da anerkannte Methoden wie die Stanzbiopsie zur Verfügung stünden. Letztere sei „ein bewährtes Verfahren, welches eine Erkrankung der Prostata zuverlässig erkennen“ lasse. Bei allem Verständnis für die Sorgen und Nöte der Versicherten gebe es hier keinen Entscheidungsspielraum für eine anderslautende Entscheidung, so der AOK-Sprecher. Keinesfalls verweigere sich die Krankenkasse einer notwendigen und zweckmäßigen Behandlung oder verzögere den Verfahrensablauf.

Alejandro Oswald können die Erklärungen wenig überzeugen. Gerade sein Fall zeige doch eindrucksvoll, wie wichtig das MRT vor der Biopsie sein könne. Er überlegt sich, mit dem Fall vor das Speyerer Sozialgericht zu gehen. „Dabei geht es uns nicht um die 430 Euro, sondern ums Prinzip“, meint seine Frau.

Der Redaktion liegen Informationen vor, wonach Private Krankenversicherungen die MRT-Kosten anstandslos übernehmen.

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