Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Keine Weihnachtsbäume auf öffentlichen Plätzen

Ein großer Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz hat in der Kurstadt Tradition. In diesem Jahr fehlt die Tanne, was bei vielen Bürge
Ein großer Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz hat in der Kurstadt Tradition. In diesem Jahr fehlt die Tanne, was bei vielen Bürgern für Verdruss sorgt.

Adventsstimmung kommt in der Kurstadt in diesem Jahr nur schwer auf. Der Karolinenmarkt fiel der Pandemie zum Opfer. Schlimm genug, aber nachvollziehbar. Dass aber kein Weihnachtsbaum die Innenstadt ziert, ärgert Bürger und Gäste. Wahrscheinlich wird das in den kommenden Jahren noch häufiger der Fall sein.

Hell erstrahlt der riesige Tannenbaum vor der imposanten Marktkirche im Zentrum Bad Bergzaberns. Ein Postkarten-Motiv. Beim abendlichen Spaziergang ist man da ganz schnell in Weihnachtsstimmung. Wehmut kommt da bei vielen Bürger in der Kurstadt auf, wenn sie sich an dieses Bild zurückerinnern. Denn in der aktuellen Adventszeit fehlt die geschmückte Tanne. Nicht nur auf dem Marktplatz, in ganz Bad Bergzabern sucht man die Bäume vergebens. Normalerweise stellt die Stadt fünf Weihnachtsbäume auf: auf dem Marktplatz, vor dem Schloss, auf dem Ludwigsplatz, vor den Stadtwerken und in Blankenborn.

„Wir haben in diesem Jahr keine geeigneten Weihnachtsbäume bekommen“, erklärt Bürgermeister Hermann Augsburger das triste Bild in seiner Stadt. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Bäume in der Regel von Privatleuten gespendet. „Wir haben im August drei Mal im Südpfalzkurier inseriert und um Baumspenden gebeten, es kam aber nichts Passendes“, sagt Augspurger. Es habe zwar das ein oder andere Angebot gegeben, aber entweder war es nicht möglich, die Bäume von den jeweiligen Grundstücken zu holen, oder sie hatten einfach nicht die passende Größe. Eine brauchbare Tanne müsse mindestens zehn Meter hoch sein. „Wenn wir einen Baum aufstellen, der nur fünf Meter groß ist, lachen uns ja die Leute aus“, meint der Stadtchef.

Kein Geld im Haushalt

Er habe auch bei Revierförster Tobias Keller nachgefragt, doch auch der konnte die Wünsche der Stadtspitze nicht erfüllen. „In unserem Stadtwald gibt es fast keine Tannen mehr“, so Augspurger. Nur tief im Wald würden noch ein paar Tannen stehen, die Stelle sei aber nur sehr schwer zugänglich. Normalerweise beauftragt die Stadt die Firma Union-Bau, die den Weihnachtsbaum mit den erforderlichen Geräten ausgräbt und anschließend mit einem Kran aus dem jeweiligen Garten auf eine Lkw wuchtet. Das alles ist in einem schwer zugänglichen Waldstück nicht möglich.

Am Donnerstag vergangener Woche habe es noch das Angebot gegeben, einen Baum aus dem Spirkelbacher Wald zu holen, so Augspurger. Für 5000 Euro. Dazu wären noch die Kosten fürs Ausgraben und den Transport gekommen. „Dafür haben wir kein Geld im Haushalt“, sagt Augspurger. Er habe sich mit seinen Beigeordneten besprochen, dann sei klar gewesen: „Das machen wir nicht.“

Blankenborner besorgen sich selbst einen Baum

Also gibt es in diesem Jahr keine Weihnachtsbäume auf den öffentlichen Plätzen. Und es ist zu befürchten, dass sich dieses Desaster in den nächsten Jahren wiederholen wird. „So wie es aussieht, gibt es auch in den nächsten fünf, sechs Jahren keine passenden Bäume. Die Tannen, die vielleicht infrage kämen, sind lange noch nicht groß genug“, sagt Augspurger. Für Abhilfe sollen sogenannte Lichterbäume sorgen. Eine Weihnachtsbeleuchtung, die etwa an einem Fahnenmast aufgehängt wird und an einen Tannenbaum erinnert. Laut Augsburger hat die Idee Charme, schließlich sei Bad Bergzabern Modellkommune für Nachhaltigkeit. Lichterbäume seien eine über Jahre verwendbare Alternative. „Vielleicht gelingt es uns noch in diesem Jahr, einen Lichterbaum mit LED-Lampen zu besorgen“, so Augspurger. Ein acht Meter hoher Lichterbaum würde knapp 1000 Euro kosten. „Damit wäre auch das Problem gelöst, Jahr für Jahr passende Bäume zu finden“, betont Augspurger.

Im Stadtteil Blankenborn steht übrigens trotzdem in diesem Jahr ein Baum, auch wenn keiner von der Stadt geliefert wurde. Der Ortsbeirat und einige Bürger ergriffen in dieser Notsituation selbst die Initiative und besorgten in Silz einen Tannenbaum, der rechtzeitig vor dem ersten Advent aufgestellt wurde.

Dass das Tannenbaum-Thema in der Kurstadt hochkocht, kann Augspurger verstehen. „Ich hätte es mir auch anders gewünscht“, sagt er. Trotzdem wurmt ihn so manches Gespräch, das er derzeit führen muss. „Als wir im August drei Wochen hintereinander mit weihnachtlichen Bildern nach Bäumen gesucht haben, hat man uns ausgelacht. Und genau die Leute sind es, die jetzt am lautesten schreien.“

Lichterbäume sollen echte Tannen ersetzen.
Lichterbäume sollen echte Tannen ersetzen.
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