Bad Bergzabern
„Keine Ausreden“: Extremsportler motiviert Schüler
„Ich bräuchte Motivation, ich bin saufaul in der Schule“, sagt ein Schüler vor dem Erfahrungsbericht von Extremsportler Jonas Deichmann in der Aula des Alfred-Grosser-Schulzentrums. „Aufholen nach Corona“ heißt das Bundesprogramm, das Deichmann nach Bad Bergzabern geführt hat. Und dort gibt es gleich zwei Premieren. Zum ersten Mal nach mehr als zwei Jahren Pandemie ist die Aula mit 200 Schülern voll besetzt. Und für Deichmann ist es der erste Auftritt in diesem Jahr an einer Schule.
„Ihr wart während der Pandemie nicht ordentlich versorgt“, ist die Bilanz des Schulleiters der Realschule plus, Ludwin Michels. Daher gebe es jetzt durch das Bundesprogramm zusätzliche Möglichkeiten, unter anderem versäumten Stoff nachzuholen. Und Veranstaltungen wie diese zu organisieren. Allein zwei Jahre Masketragen sei eine große Leistung der Schüler. Einer hat eine ganz besondere Methode gefunden, mit der Maskenpflicht klarzukommen. „Ich trage die Maske den ganzen Tag, dann ist es normal“, sagt er.
500 Kilometer geschwommen
Der 33-jährige Jonas Deichmann, nach eigenem Bekunden Extremsportler und Abenteurer von Beruf, hat die volle Aufmerksamkeit der Schüler. Denn seine Abenteuer und sportlichen Leistungen, bei denen er schon einige Weltrekorde aufgestellt hat, hören sich unglaublich an. Einmal um die Welt geradelt, geschwommen und gelaufen. In einem Jahr. Unter anderem ist er in 54 Tagen fast 500 Kilometer geschwommen. Sein eigenes Gepäck hatte er auch im Wasser immer dabei, ein Beiboot habe es jedoch nie gegeben. Er ist im vergangenen Jahr auch noch durch die Ukraine geradelt, auch durch Charkiw, das durch den Krieg jetzt zerstört ist, erzählt Deichmann. Mental und körperlich habe er harte Situationen erlebt, sich nach den sportlichen Höchstleistungen auch nachts nie ein Hotel gegönnt.
Keine Ausreden, Dinge sofort erledigen, das ist seine Devise. Die Zuhörer sind erstaunt, als er erzählt, dass er in keinem Land schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht habe. Nicht mal in Mexiko, das als sehr gefährlich gelte und inzwischen sein Lieblingsland sei. Dort habe sich sein Lauf sogar als Volkslauf entwickelt. Täglich seien andere Menschen ein Stück mitgelaufen, auch die Polizei. Und ein Mann mit nur einem Bein ohne Prothese sei 15 Kilometer mit ihm gehumpelt.
Kleine Ziele setzen
Dabei habe er eine wichtige Erfahrung gemacht: „Wenn es richtig hart wird, gibt es keine Zweifel mehr, nur noch das Ziel.“ In solchen Situationen habe er sich immer kleine Ziele gesetzt. „Noch fünf Kilometer, dann kommt ein Geschäft, da gibt es einen Schokoriegel“, habe er sich gesagt und in diesen Momenten nicht auf das große Ziel mit Tausenden Kilometern geschaut.
„Es ist ganz wichtig, an sich zu glauben“, gibt er den Schülern mit, die in der anschließenden Fragerunde vieles von dieser sehr ungewöhnlichen Reise um die Welt wissen wollen. „Ich sehe mir auf jeden Fall Ihren Film an und verfolge Sie auf Instagram“, verspricht eine Schülerin. „Er hat Mut gemacht“, sagt eine andere. Und für einen Schüler wird die Sache ganz konkret: „Ich werde mich jetzt viel mehr beim Fußball anstrengen.“