Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Initiative Südpfalz-Energie: Windräder besser als ihr Ruf

Die Leistung der Windräder in der Südpfalz sei beachtlich, auch wenn wie im Frühjahr und Sommer mal still stünden, sagt Wolfgang
Die Leistung der Windräder in der Südpfalz sei beachtlich, auch wenn wie im Frühjahr und Sommer mal still stünden, sagt Wolfgang Thiel.

In der Südpfalz sind Windräder eher rar gesät, verglichen mit den nördlicheren Landesteilen. Gegner betonen gerne, dass sich die Anlagen hier mangels Wind nicht lohnen würden. „Das stimmt nicht“, behauptet Wolfgang Thiel. Der Vorsitzende der Initiative Südpfalz-Energie legt zum Beweis überraschende Zahlen vor.

„Im Jahr 2019 konnten sich die Betreiber der Windparks in der Südpfalz über sehr gute Erträge freuen“, sagt Wolfgang Thiel. Die Windparks Freckenfeld, Gollenberg, Offenbach II und Hatzenbühl hätten zusammen 160 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt, so der Vorsitzende der Initiative Südpfalz-Energie. „Damit konnten fast 40.000 Haushalte im vergangenen Jahr mit Strom versorgt werden.“

Der 71-Jährige hält Vorträge über den Energieverbrauch und die Energieerzeugung in Deutschland, natürlich mit dem speziellen Blick auf die Südpfalz. Er spricht nicht nur bei den Energiestammtischen der Initiative Südpfalz-Energie (ISE), sondern auch in Schulen, bei Parteien oder den Naturfreunden. „Wer Interesse an einem Vortrag hat, kann sich gerne bei mir melden“, sagt Thiel. Die Windkraft ist dabei nur ein Aspekt. „Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung liegt in Deutschland bei 46,1 Prozent, angeführt von der Windenergie mit einem Anteil von 24,6 Prozent“, rechnet Thiel vor. Die Windenergie habe damit den größten fossilen Energieträger Braunkohle mit 19,7 Prozent deutlich übertroffen.

Windkraft-Freund hat im Kraftwerkbau gearbeitet

Thiel weiß, wovon er spricht. Von Beruf war er Ingenieur, 38 Jahre hat er bei Siemens im Kraftwerkbau gearbeitet. „Die Atomkraftwerke in der Nähe kenne ich alle“, erzählt er. 2005 hat Thiel mit einigen Mitstreitern die ISE gegründet, um die Energiewende in der Südpfalz voranzutreiben. „Ich bin vom Saulus zum Paulus geworden. Spät zwar, aber nicht zu spät.“ Zur Vorbereitung auf einen Vortrag hat er bei den Betreibern der südpfälzischen Windparks nach den Ertragszahlen gefragt. Energie Baden-Württemberg (Freckenfeld), CEE-Group (Gollenberg), Energie Südwest (Offenbach II) und die Stadt Speyer (Hatzenbühl) gaben bereitwillig Auskunft. „Ich war selbst überrascht, wie problemlos das ging“, sagt Thiel.

„Bemerkenswert ist, dass die Windkraftanlagen in der Region mit durchschnittlich fast 2300 Volllaststunden einen sehr hohen Wert für Süddeutschland erreicht haben“, so Thiel. Mit den Volllaststunden wird der Jahresnutzungsgrad einer Anlage ermittelt – also die Anzahl der Volllaststunden geteilt durch 8760 Stunden, das ist die Stundenzahl eines Jahres. „Mit 2300 Volllaststunden wird ein Jahresnutzungsgrad von 26,2 Prozent erreicht. Diese Zahlen werden die Windkraftgegner in der Region wohl sehr nachdenklich machen, weil sie solche Erträge bisher angezweifelt haben“, meint Thiel.

Erhebliche Kapazitäten bei Fotovoltaik

In Freckenfeld wurden demnach 2362 Volllaststunden erreicht, auf dem Gollenberg 2165, Offenbach II schaffte 2405 und Hatzenbühl 2248 Volllaststunden. Die Windparks Freckenfeld, Gollenberg und Offenbach II verfügen über jeweils sechs Windkraftanlagen, bei Hatzenbühl stehen fünf Windräder. Natürlich seien die Windparks in der Südpfalz nicht mit denen in Norddeutschland zu vergleichen. Thiel stellt in seinem Vortrag den Vergleich mit dem Offshore-Windpark Baltic 2 in der Ostsee an. Dort stehen 80 Windkraftanlagen, die von EnBW betrieben werden. „Dieser Windpark hatte 2019 mit 4100 Volllaststunden auch ein gutes Ergebnis.“

Der Initiative Südpfalz-Energie gehe es nicht darum, mehr Windräder an der Südlichen Weinstraße zu fordern. „Es ist aber klar, mit 15 Prozent erneuerbare Energien beim Primärverbrauch stehen wir noch ganz am Anfang der gesamten Energiewende“, betont Thiel. Wind und Sonne hält er für die entscheidenden Faktoren für das Gelingen der Energiewende. In der Südpfalz mit ihren vielen Sonnenstunden spiele Fotovoltaik eine entscheidende Rolle. Gerade hier gebe es noch erhebliche Kapazitäten.

Beachtliche Leistung der Windräder

„Ich bekomme oft zu hören, die Windräder in der Südpfalz würden ständig stehen. Das ist absoluter Quatsch“, ärgert sich Thiel. Die vorgelegten Zahlen würden etwas anderes beweisen. Natürlich seien die Erträge im Frühjahr und Sommer nicht so hoch, da stünden die Windräder auch länger mal still, aber im Jahresdurchschnitt sei die Leistung beachtlich. „Die spezifischen Energieerträge bei Wind und Sonne sind in der Südpfalz ermutigend, auch wenn Klimaskeptiker gerne eine andere Botschaft verbreiten“, lautet Thiels Fazit. Vor der ISE liege deshalb noch viel Aufklärungsarbeit.

Info

www.i-suedpfalz-energie.de

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