Bornheim / Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Hornbach modernisiert und vergrößert Stammsitz

Patric Conrad und Anna Krall im neuen Konferenzzentrum in Holz- und Beton-Optik.
Patric Conrad und Anna Krall im neuen Konferenzzentrum in Holz- und Beton-Optik.

Zukunft, Tradition, Region, Miteinander – das sind die Eckpfeiler für die Umgestaltung der Konzernzentrale der Hornbach Baumarkt AG. Ab Samstag ziehen 280 Mitarbeiter von Neustadt nach Bornheim um. Dort erwarten sie futuristische Telefonzellen und Räume, die wie Weinsorten heißen.

Hier hängt noch ein Schild „Vorsicht, frisch gestrichen“, da muss noch eine Tür eingehängt werden, dort fehlen noch ein paar Stühle. Einige Restarbeiten sind noch zu erledigen, „aber zu 99 Prozent sind wir fertig“, sagt Patric Conrad, der das Gebäudemanagement bei der Hornbach Baumarkt AG leitet. Für rund 8,5 Millionen Euro hat der Konzern das Haupthaus des Stammsitzes in Bornheim renovieren lassen, um den Groß-Umzug von Neustadt in die Südpfalz vorzubereiten. 20 Jahre hatte der Baumarkt-Konzern einen Teil seiner Verwaltung im Quartier Hornbach in Neustadt untergebracht, weil’s in Bornheim irgendwann zu eng wurde. Dort, wo auch der Sitz der Muttergesellschaft, der Hornbach Holding, ist. Die bleibt am angestammten Platz, aber die Baumarkt-Köpfe sollen alle zusammengezogen werden. Einerseits weil man sich Einsparungen erhofft – im hohen sechsstelligen Bereich, jährlich –, andererseits weil so das ewige Hin- und Hergefahre entfällt und der Austausch verbessert werden soll.

Bereits 2017 hat Hornbach mit dem Bau zweier neuer Verwaltungsgebäude für 15 Millionen Euro die Weichen gestellt. Nun hat noch das Hauptgebäude eine Frischzellenkur bekommen. Innerhalb der fünf Gebäude in Bornheim gab es in den vergangenen Wochen schon einige Arbeitsplatzwechsel, ab Samstag beginnt dann die große Umzugswelle von Neustadt. Coronakonform in mehreren Etappen. Bis Anfang August sollen alle 280 Mitarbeiter ihre neuen Arbeitsplätze bezogen haben. Dann werden rund 1650 Verwaltungsmitarbeiter in Bornheim beschäftigt sein. Zumindest auf dem Papier. Durch Corona hat das mobile Arbeiten bei Hornbach richtig Fahrt aufgenommen. „Früher hatten wir eine Belegungsquote von etwa 70 Prozent, aktuell sind wir bei einem Drittel“, berichtet Conrad.

Moderne Arbeitswelten

Wer das Gebäude mit dem markanten Glasturm betritt, blickt sofort auf eine Wand aus Holz und Pflanzen. „Ja, sie sind echt“, kommentiert Pressesprecherin Anna Krall den prüfenden Blick. Das Haus ist im Inneren in anthrazitfarbener Beton-Optik gestaltet, gemischt mit natürlichen Materialien. Hier wird ein Baumarkt-Konzern verwaltet, und das wird auch gezeigt. Auf jeder Etage rund ums Treppenhaus gibt es das, was man früher Teeküche nannte. Die Nicht-Teeküchen von Hornbach sind so groß wie ein Wohnzimmer, bieten kostenlosen Kaffeegenuss, Raum für zwanglosen Austausch und Industrial-Charme mit offenen Decken voller Rohre und Lüftungsanlagen. „Das bleibt so, damit es aussieht wie drüben im Baumarkt“, stellt Krall klar.

Man kennt’s ja von der avantgardistischen Baumarkt-Werbung, Hornbach wagt gern mal was. In der Konzernzentrale prallen moderne Arbeitswelten auf bewahrte Historie. Nirgendwo sonst kann man das besser sehen als in der vierten Etage. Die war früher der Vorstandsriege vorbehalten. Mittlerweile sind die Führungskräfte in eines der hinteren Gebäude umgezogen. Nein, nicht in Einzelbüros. „Davon haben wir nur noch vier im gesamten Stammsitz“, berichtet Conrad. Auch auf der obersten Ebene sitzt man beisammen, um den Austausch zu fördern. Aber kommen wir zurück zur alten Vorstandsetage. Die ist gerade eine Großbaustelle. Wir dürfen einen Blick in das Büro des 2014 verstorbenen Firmengründers Otmar Hornbach werfen. Sei’s verraten: Es besteht zu 70 Prozent aus dunkelbraunem Holz-Einbauschrank. Der Rest ist Glasfront mit einem famosen Blick auf den Bornheimer Baumarkt, der den Grundstein für das Familienimperium legte, das 2019/2020 einen Umsatz von 4,73 Milliarden Euro erwirtschaftete. Aussicht, Terrasse, große Räume: „Wir wollen diese geile Fläche jedem zur Verfügung stellen“, erklärt Conrad. Deswegen wird sie gerade zu einem Projekt-Konferenz-Bereich umgestaltet. Übrigens, die 1990er-Jahre-Einbauschränke bleiben, auch der grüne Teppichboden und der zwölf Meter lange Besprechungstisch. Aber natürlich wird alles mit modernen Elementen und neuester Technik aufgemotzt. „Wir wollen den Blick nach vorne richten und trotzdem die Tradition wahren“, gibt Conrad die Richtung vor.

Miteinander arbeiten, Rückzugsräume haben

Alle Büros sind auf das Miteinander ausgerichtet. Man sitzt gemeinsam in einem großen Raum. Natürlich mit Schallschlucker-Böden und -Wänden. Überall gibt es aber auch Zimmer oder Abtrennungsmöglichkeiten, um Rückzugsorte zu haben. Wie den „Mikrorückzugsraum“, der aussieht wie eine futuristische Telefonzelle, oder die Besprechungszimmer, die die Namen von Pfälzerwald-Verein-Hütten oder Weinsorten tragen. „Da sagt man dann eben: Lass uns in der Landauer Hütte oder in Riesling treffen!“, berichtet Krall.

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