Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Herxheim: Backstubenleiter bei Trauth geht nach 50 Jahren in Rente

Ludwig Adam (Mitte) hatte alle Teige gemacht – von Brot und Brötchen über Kuchen und Torten bis zu Nudeln.
Ludwig Adam (Mitte) hatte alle Teige gemacht – von Brot und Brötchen über Kuchen und Torten bis zu Nudeln. Foto: Iversen

Bäcker werden und nichts anderes. Das wollte Ludwig Adam schon als Schüler. In der traditionsreichen Bäckerei-Konditorei Trauth in Herxheim schrieb er als Geselle, Meister und Backstubenleiter ein Stück Firmengeschichte mit. Sein 50. Betriebsjubiläum ist auch sein Abschied.

„Ludwig hat alle Höhen und Tiefen des Betriebs mitgemacht“, sagt Peter Trauth über seinen langjährigen Backstubenleiter. Trauth ist Bäckermeister und in fünfter Generation Firmenchef der Bäckerei-Konditorei Trauth in Herxheim. 50 Jahre hat Ludwig Adam hier Brötchen, Naschwerk und Co. gebacken. Für den 63-jährigen Bäckermeister, der 2010 die Goldplakette des Pfälzischen Handwerks erhielt, waren Fehltage „ein Fremdwort“.

Angetan von dem Jubilar ist auch Seniorchef Heinz Trauth, der den Betrieb 1969 übernommen hatte und den 33 gemeinsame Berufsjahre mit Adam verbinden. Ihn habe beeindruckt, „wie interessiert und zielsicher der damals 13-Jährige war“, der bei ihm ins Bäckerhandwerk schnupperte. 1970 begann Adam im Alter von 14 Jahren seine Bäckerlehre, die er drei Jahre später mit dem Gesellenbrief abschloss. Damals hatte die Backstube gerade einmal 20 Quadratmeter Größe, heute misst sie 180 Quadratmeter.

Auch mal 70 Stunden durchgearbeitet

Es seien harte Jahre gewesen, erinnert sich Ludwig Adam, der 1979 erfolgreich seine Meisterprüfung ablegte. Und damit der „erste Meister“ war, der im Stammhaus ausgebildet wurde. „Es war eine Zeit, in der das Mehl noch in Säcken angeliefert wurde und die Auswahl mit Misch-, Korn- und Weißbrot noch recht überschaubar war“, erinnert sich Adam. Eine Zeit, in der die Bauern ihren Teig in Sechspfündern in Handwagen anlieferten und den Hof zustellten. Die Zeit des „Grumbeergusskuchens“, der geflochtenen und gefüllten Hefekränze und der vielen Tortenböden, die man in Herxheim gerne „Deckel“ nennt. Vor Festtagen wie dem Weißen Sonntag hätten die Bäcker durchaus „bis zu 70 Stunden durchgearbeitet“, berichten Adam und Trauth.

Ludwig Adam hat freilich auch all die Modernisierungen des Traditionsbetriebs miterlebt – wie die Gründungen von Filialen in Herxheim, Offenbach und Ottersheim, früher auch Bellheim und Rheinzabern. „Große Erleichterung im Arbeitsalltag brachte uns die neue Backstube, die 1993 in Betrieb ging“, resümiert er. Der Neubau mit über 300 Quadratmetern Produktionsfläche und Nebenräumen war modern ausgestattet und wird stetig modernisiert. Backöfen sowie Silo-, Gefrier- und Sauerteiganlage sind computergesteuert.

Künftig nur noch Kuchenbacken daheim

Ludwig Adam hat in der Backstube alle Teige gemacht. Die von heute 25 Brot- und 20 Brötchensorten, die des großen Kuchen- und Tortensortiments in der Konditorei, die Marion Trauth führt, und die der Eiernudeln. Spätestens um 1 Uhr nachts begann für ihn die Arbeit, gegen 9 Uhr endete die Schicht. Sein erster Blick galt stets dem Bestellzettel. „Zwar haben die Filialen kleine Backstationen, aber hier ist die Produktion für die Teiglinge“, erklärt Adam beim Rundgang.

Ganz so, als sei er noch nicht im Abschied begriffen, zeigt er auf die Teigteilmaschine, die die Brötchen abpresst, den großen Stikkenofen mit mehreren Großblechen für die Brötchen, die Einschussapparate für den Etagenofen, die den früheren „Schießer“ aus Holz fürs „Broteinschießen“ ersetzen, und einiges mehr.

Ein wichtiger Grund für das halbe Jahrhundert Betriebstreue seien „das gute Betriebsklima, die Wertschätzung und die familiäre Atmosphäre“ gewesen, sagt Adam. Wofür auch die langjährige Zugehörigkeit der meisten anderen 40 Beschäftigten spricht. Er blicke zufrieden zurück und werde auch „ab und an noch als Aushilfe einspringen“. Der Vater zweier erwachsener Kinder, der gerne wandert, freut sich nun vor allem auf den anstehenden Türkei-Urlaub mit seiner Frau. „Und aufs wöchentliche Kuchenbacken daheim.“ Denn, so ganz geht die Leidenschaft nicht.

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