Edesheim / Pfalz
Hühner-Fred-Jubiläum: So wurden die Grillwagen zum Pfälzer Kult
Auf den Supermarktparkplätzen in der Region sind sie omnipräsent. Das gelbe Grillmobil ist ein Blickfang, der Name bleibt im Kopf. „Der Hühner Fred“ aus Edesheim gehört zu den Gastro-Unternehmen mit dem höchsten Wiedererkennungswert in der Region. Dass aus einer Handvoll Imbisswagen in 30 Jahren eine Riesenflotte wurde, hat auch mit einem pingeligen US-Konzern zu tun.
Sie haben sie alle schon einmal gesehen. Auf der Straße, auf dem Parkplatz des Supermarkts Ihres Vertrauens, auf Wochenmärkten: die großen gelben Trucks von „Der Hühner Fred“. Das Pfälzer Hähnchenimbiss-Unternehmen schafft im Kleinen das, was die großen Fastfood-Ketten so erfolgreich macht: Es ist gefühlt überall und schon von Weitem zu erkennen. Wenn der Geschmack dann auch noch stimmt, ist man gut im Geschäft. Und das sind die Edesheimer nun seit 30 Jahren. Über die Jahre ist die Firma langsam und stetig gewachsen und profitierte dabei von einigen glücklichen Fügungen.
30 Jahre Hühner Fred
Geschäftsführer Marcel Kramer war bereits seit den frühen 80ern im Hähnchengeschäft. Mit Freunden gründete er 1996 „Der Hühner Fred“. Der Name entstand aus einer Schnapslaune. „Fred hieß ein Kumpel von uns, der ein bisschen sympathisch-verpeilt unterwegs war“, erinnert sich Kramer. „In einer Kneipe habe ich ihm einmal gesagt: Wenn ich noch mal eine Hähnchenfirma aufmache, dann nenne ich die ,Hühner Fred’. Und das hab ich dann auch eiskalt durchgezogen.“
Fast ganz von Beginn an stand die Firma auf dem Gelände in Edesheim, das ihr bis heute als Basis dient. Damals noch mit einer kleinen Handvoll lila-türkisfarbener Verkaufsfahrzeuge. Als die RHEINPFALZ zum Gespräch vorbeikommt, stehen gelbe Hähnchenlaster in langen Reihen um den Hof herum. „Normalerweise sind es um diese Tageszeit deutlich weniger“, erklärt Niederlassungsleiter Bodo Hoffmann. Aber an Montagen seien die Kunden oft sozusagen noch satt vom Wochenende, darum bleibt der Großteil der Flotte zu Hause.
32 Grillwagen fahren jede Woche 150 Standorte an
Die wichtigsten Zahlen: „Der Hühner Fred“ hat 32 Fahrzeuge, die in einem Radius von 75 Kilometern um Edesheim herum jede Woche 150 Standorte bedienen. Die Planung soll immer möglichst gleich bleiben. So können sich die Kunden darauf einstellen, dass es zum Beispiel am Landauer Rewe in der Haardstraße jeden Dienstag von 11 bis 19 Uhr gebratene Hähnchen gibt.
Es gibt einen überraschenden Grund, warum die Fahrzeuge heute in dem bekannten gelben Look statt in Lila-Türkis daherkommen. Oder hätten Sie gedacht, dass ein milliardenschwerer US-Konzern hinter der Entscheidung steckt?
Warum die Grillwagen gelb sind
Walmart versuchte Ende der 90er, in Deutschland Fuß zu fassen. Unter anderem am heutigen Landauer Kaufland-Standort war damals eine Filiale der amerikanischen Supermarktkette. „Und die hatten ganz bestimmte Vorstellungen, wie ein Imbiss auszusehen hat, der auf ihrem Parkplatz stehen darf“, erinnert sich Hoffmann. Nach einigem Hin und Her stimmte Walmart einem Designvorschlag mit der heute bekannten dunkelgelben Farbe zu. Die Ironie dabei: Aus Walmarts geplantem Siegeszug auf dem deutschen Markt wurde nichts, das Unternehmen zog sich 2006 zurück. „Der Hühner Fred“ ist 20 Jahre später noch immer unterwegs.
„Es gibt ein paar größere Entwicklungen, die unser Wachstum über die Jahre begünstigt haben“, weiß Hoffmann. „Als die Angst vor BSE umging, haben viele Leute angefangen, lieber Hähnchen als Rind zu essen. Genauso ist es in jüngerer Zeit mit dem Trend zu fettärmerer Ernährung.“ Und auch die wachsende Anzahl an Menschen mit Migrationshintergrund habe zur Folge, dass heute mehr Hähnchenfleisch gegessen wird als früher.
Was den Erfolg trägt
Doch nur mit Glück und gutem Timing bleibt niemand 30 Jahre im Geschäft. Die Firma setzt auf hohe Qualitätsstandards, durchgetaktete Betriebsabläufe und Treue zum etablierten Geschäftsmodell. Am Angebot – halbe Hähnchen, Hähnchenschenkel, Schweinshaxe, Spare Ribs, Pommes, Salat – wird wenig herumgeschraubt. „Das soll aber nicht heißen, dass wir nicht mit der Zeit gehen“, wirft Juniorchef Colin Kramer ein. Damit meint er etwa die Nutzung sozialer Medien, die Einbindung in die App „Hähnchenradar“ oder Dips, die es auf vielfachen Kundenwunsch nun auf die Speisekarte geschafft haben.
„Wir verkaufen keine Tiefkühlware. Die Hähnchen treffen innerhalb von 24 Stunden nach der Schlachtung aus Spanien, Italien und Deutschland bei uns ein und werden in der Regel am nächsten Tag verkauft“, erklärt Colin Kramer. In der Zwischenzeit wird das Fleisch in Edesheim veredelt, gewürzt, auf den Drehspieß gesteckt und kühl zwischengelagert, ehe die Verkaufsfahrzeuge bestückt werden.
So läuft der Betrieb in Edesheim
Um 9 Uhr morgens erscheinen die Verkäufer und machen sich nach einer Inventur auf den Weg zu den Supermarktparkplätzen der Region. Sie arbeiten selbstständig als Fahrer, Grillmeister und Verkäufer. Zum festen Lohn kommt eine Verkaufsprovision. Soweit möglich, sollen die 45 festangestellten Mitarbeiter regelmäßig die gleichen Plätze anfahren, um bei den Kunden Vertrautheit zu schaffen.
Zum 30-Jährigen hat die Firma nichts Außergewöhnliches vor. Große Sprünge liegen nicht im Naturell des mittelständischen Unternehmens und wären in der heutigen Wirtschaftslage ohnehin kaum zu machen. Natürlich betrachten Hoffmann und Kramer aktuelle Entwicklungen mit Sorge. Teuerungen auf den Gas- und Dieselmärkten müssen sie schlucken. Ohne das eine brutzeln die Hähnchen nicht, und ohne das andere bleiben die Fahrzeuge stehen. Noch könnten Elektromotoren die schweren Brummer nicht antreiben.
