Kreis Südliche Weinstraße Generation „Hurrapatriotismus“

„Hurra, es gibt Krieg, endlich Krieg“, jubelten nicht nur die Menschen in Neustadt am 2. August 1914, als die Kriegserklärung auf dem Marktplatz verlesen wurde. Warum sie darüber gejubelt haben, schildert der damals 17-jährige Felix aus Neustadt, der zunächst begeistert in den Krieg zieht. Das erzählt wiederum Michael Landgraf in seinem Roman.
Mit einem Grammofon, Bildern, Feldpostkarten und Kapiteln aus seinem Buch „Felix zieht in den Krieg“ brachte Landgraf seinen Zuhörern bei der gut besuchten Buchlese in der Bibliothek des Alfred-Grosser-Schulzentrums in Bad Bergzabern den Zeitgeist von vor 100 Jahren nahe. Der 1961 geborene Michael Landgraf hat seine Heimatstadt Neustadt gewählt, um in einem rund 80-seitigen bebilderten Buch durch seinen Protagonisten Felix die Zeit vor und während des Ersten Weltkrieges greif- und begreifbar zu machen. Landgraf ist Dozent in der Lehrerfortbildung, Verfasser von Kinder- und Jugendbüchern und Schulbüchern. Es war eine lehrreiche, aber auch spannende und manchmal sogar humorige Geschichtsstunde, die er seinen Zuhörern geboten hat, die aber in keinem Moment das Thema verharmlost hat. „Damals kamen sehr wenige auf die Idee, dass Krieg etwas Schlimmes ist, es schien ein langerwarteter und sogar ’heiliger Krieg′ gewesen zu sein“, so Landgraf. Auch sein Protagonist Felix, 1897 geboren, träumt von Heldentaten. In Neustadt, einer damals „typischen Kleinstadt des Deutschen Reichs“. Sein Vater erwartet Gehorsam und liest die „Pfälzische Bürgerzeitung“. Gerne sei darin über das Militär oder Kriegsschiffe berichtet worden, erzählt Felix. Wie seine Geschwister trägt er Matrosenanzüge, denn „Uniformen schienen das Größte zu sein“. In seiner Schulfibel sind Kinder als Soldaten zu sehen, bei Lehrer Krause lernt er viel über die „großen Siege der Deutschen“. Auch der Pfarrer erzählt im Konfirmandenunterricht begeistert, dass er gespürt habe, dass Gott dem deutschen Volk in diesem Krieg nahe gestanden habe. Das allgemeine „Hurra“, mit dem Felix und seine Schulkameraden im Sog der Kriegsverherrlichung als „Helden für das Vaterland“ mit einem „Notabitur“ in den Krieg ziehen, wird schnell von der bittere Realität eingeholt. Am Ende sagt Felix: „Nie wieder sollen junge Menschen in den Krieg ziehen.“ Landgraf hat die im Buch dargestellten Ereignisse mit Biografien und persönlichen Erlebnissen belegt und recherchiert. Der Tipp des Autors: Es gibt Internetseiten zur Regionalgeschichte des Ersten Weltkrieges unter www.ersterweltkrieg-rlp.de oder www.regionalgeschichte.net und das Netzwerk Friedensbildung: netzwerk-friedensbildung-rlp.de. (pfn)