Kreis Südliche Weinstraße Göcklinger Landwirtschaftsaktivist und Erfinder der Krähmeisterschaft: Gerhard Hoffmann ist tot

Gerhard Hoffmann war Bio-Winzer aus Leidenschaft. Er war einer der ersten Weinmacher aus Rheinland-Pfalz, die auf Chemie in den
Gerhard Hoffmann war Bio-Winzer aus Leidenschaft. Er war einer der ersten Weinmacher aus Rheinland-Pfalz, die auf Chemie in den Weinbergen verzichteten.

Gerhard Hoffmann war das, was man landläufig einen Pfundskerl nennt: markig, ehrlich, südpfälzisch. Als Rebell auf dem Traktor machte der Göcklinger von sich reden, aber auch als Initiator der Deutschen Gockelkrähmeisterschaften. Der Winzer ist in der Nacht auf Dienstag überraschend gestorben. Über einen Mann, für den Angst ein Fremdwort war.

Gerhard Hoffmann war mal zu einer Talkshow des SWR in Konstanz eingeladen, das ist noch nicht allzu lange her. Im Vorgespräch mit dem zuständigen Redakteur ließ er am Telefon wissen, dass von ihm keine Schönwetterreden zu erwarten seien. So auf die Art: Entweder nehmt ihr Gerhard Hoffmann, wie er leibt und lebt – oder gar nicht. Und diese kleine Anekdote, die er später der RHEINPFALZ erzählt hat, umschreibt wunderbar den Charakter des Göcklingers, der die Dinge am liebsten selbst in die Hand nahm – und dabei keine Angst vor Konflikten hatte.

Erst zuletzt war der 51-Jährige unterwegs, um es mit den Großen aufzunehmen. Am 1. April vergangenen Jahres fuhr Hoffmann – aufmerksam von Medien beobachtet – mit seinem Traktor in Göcklingen los nach Berlin, um sich in der Bundeshauptstadt mit Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zu treffen. Der Grund: Er wollte seinen Unmut über die Umwelt- und Landwirtschaftspolitik loswerden.

„Ich bin ja auch nicht jeder“

Im Vorfeld hatte er bei Klöckners Vorzimmer angerufen, um das Treffen zu vereinbaren. Und das Telefonat lief laut Hoffmann so ab: „Bitte, wer sind Sie?“, fragte eine Frau am anderen Ende der Leitung irritiert. „Na, der Gerhard Hoffmann aus Göcklingen“, antwortete der Anrufer. Und der fügte dann hinzu: „Ich möchte bitte unsere Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner treffen.“ Die Vorzimmerdame versuchte, den Südpfälzer abzuwimmeln. „Da kann doch nicht jeder kommen“, sagte sie. Und Hoffmann entgegnete forsch: „Ich bin ja auch nicht jeder.“

Wie der Rebell in Gummistiefeln redete, so war er auch: markig, ehrlich, südpfälzisch. Hoffmann bewirtschaftete mit seiner Frau Claudia unter anderem rund 17 Hektar mit Weinreben. Als viele die Bio-Landwirtschaft noch für eine Utopie von Wollsocken tragenden Naturfreunden abtaten, setzte Hoffmann, der das elterliche Weingut in dritter Generation führte, bereits auf einen Weinbau ohne chemische Zusatzstoffe. In den 1980er-Jahren stellte er seinen Betrieb um – als einer der ersten in Rheinland-Pfalz. Sein Ruf als radikaler Biowinzer, der seine Pflanzenschutzmittel nach eigenen Rezepten herstellte, eilte ihm später voraus.

Medien berichten über gefiedertes Treiben

Der Göcklinger war aber nicht nur fürs Rabaukige zuständig, sondern auch fürs Heitere. Hoffmann ist der Erfinder der Deutschen Gockelkrähmeisterschaften, die er in seinem Heimatort jährlich auf eigene Faust organisierte. Inzwischen ist die Veranstaltung, bei der sich die Teilnehmer darin messen, wie gut sie die Laute und Bewegungen eines Gockels, einer Henne oder eines Kükens nachahmen können, ein Publikumsmagnet. Das haben auch Fernsehsender und Zeitungen aus ganz Deutschland erkannt, die stets breit über das gefiederte Treiben berichten. Weil Hoffmann unermüdlich war, gründete er vor zwei Jahren dann auch ein Gockelmuseum mit ungezählten Exponaten rund um Hahn und Huhn – wohl das erste seiner Art in Deutschland.

Noch am Montag war der christdemokratische Beigeordnete, zuständig für die Landwirtschaft, mit Göcklingens Ortsbürgermeisterin Manuela Laub in der Gemarkung unterwegs. Hoffmann wollte ihr zeigen, welche Feldwege saniert, welche Bäume gefällt und wo Bachläufe freigelegt werden sollten. Er kenne jedes Schlagloch in den Feldwegen rund um Göcklingen, habe er ihr mit einem Lachen auf den Lippen gesagt, erzählt Laub am Dienstag der RHEINPFALZ. „Er hat immer Ideen gehabt. Und er war auch in der Lage, sie umzusetzen. Ihm war dafür kein Weg zu weit“, sagt Laub.

Er spürte, wenn es anderen schlecht ging

Doch egal wie kraftvoll der bekennende Katholik auch war, wenn der Tod einen zu Fall bringen möchte, dann hat man keine Chance. Gerhard Hoffmann ist in der Nacht auf Dienstag an einem Herzinfarkt gestorben. Er hinterlässt seine Frau und drei Kinder. Laub sagt, er sei einer gewesen, der bei anderen gespürt habe, wenn es ihnen schlecht gehe. Und einer, der immer mit Humor an die Dinge herangegangen sei. Dieser sensible Pfundskerl wird fehlen – nicht nur in Göcklingen.

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