Kreis Südliche Weinstraße
Göcklingen: Im Gockelmuseum über Kräh-Kurse gegackert
Die alljährlichen Krähmeisterschaften in Göcklingen sind auf seinem Mist gewachsen. Im Sommer 2018 eröffnete Gerhard Hoffmann mit seiner Frau Claudia in ihrem Weingut das erste deutsche private Gockelmuseum. Eine erste Zwischenbilanz.
Alle präsentierten Sachen im Zeichen von Hühnern und Hähnen: Von A wie Ausstechfomen oder Aschenbechern, B wie Butterdosen oder Briefmarken, C wie Christbaumkugeln, F wie Flaschenstopper oder Feuerzeug, K wie Krawatte, U wie Uhren, W wie WC-Bürste bis zu Z wie Zündholzschachteln reicht die Sammlung, die die „Hoffmänner“ zeigen. „Ganz neu hinzugekommen ist laut einem Zertifikat eine etwa 2500 Jahre alte Tonfigur, die aus Kreta stammt und die uns ein Sammler gespendet hat“, erzählt Gerhard Hoffmann im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Auch ein uraltes Hostieneisen mit Hühnern drauf komplettiert die Ausstellung, die es inzwischen auf über 4000 Exponate bringt. „Obwohl wir bisher bewusst auf aktive Werbung verzichtet haben, können wir mit der Resonanz sehr zufrieden sein“, sagt der 51-Jährige. Das Gockelmuseum bringe auch der Gemeinde Göckllngen großen Zulauf und starkes Medieninteresse. Weil der Eintritt frei sei, lägen keine konkreten Besucherzahlen vor. „Aber allein im Tourismus-Supermonat September sind zwischen 1200 und 1300 Leute bei uns in der Steinstraße 25 gewesen“, schätzt der Ur-Göcklinger, der auch gegenüber hochdeutsch sprechenden Gästen kein Geheimnis um seine Herkunft und seinen Dialekt macht.
„Bei uns läuft das immer ganz unkompliziert. Die Leute kommen, schauen sich um, machen ihre Fotos. Oft essen oder trinken sie was“, so Gerhard Hoffmann, der in der Hochphase der Traubenlese und Glühweinherstellung alle Hände voll zu tun hatte. Deswegen hat der leidenschaftliche Biowinzer und Kritiker der aktuellen Agrarpolitik auch bei der kürzlichen Bauerndemo nicht mitmachen können. Aber bei seiner in der Presse vielbeachteten Traktorfahrt vor Monaten nach Berlin konnte er ja genug Dampf ablassen. Den Kampf für den Berufsstand der Landwirte will er auch in Zukunft nicht aufgeben.
Es ist noch nicht lange her, da wurde Gerhard Hoffmann vom SWR in die Sendung „Talk am See“ nach Konstanz eingeladen. „Dem zuständigen Redakteur habe ich beim ersten Telefonat aber gleich gesagt, dass es von mir keine Schönwetterreden zu hören gibt“, berichtet der Landwirt, der 17 Hektar bewirtschaftet. Als ein Mann des offenen Worts ist er auch als Beigeordneter der Gemeinde Göcklingen bekannt. Gewählt wurde er, zu seiner eigenen Verwunderung, in Abwesenheit, denn zu diesem Zeitpunkt war er gerade als Ehrengast beim Jubiläum einer Gockelkrähmeisterschaft in Kärnten eingeladen.
Seine Frau Claudia, 1993 für ein Jahr Pfälzische Weinkönigin, ist inzwischen Kirchenführerin und widmet sich – wie könnte es anders sein – der Bedeutung von Hähnen auf Kirchturmspitzen. In Vorbereitung sind bei den „Hoffmännern“ eine eigene Hühnerhaltung und Kräh-/Gackerseminare. „Damit wir unser Programm themengerecht noch weiter abrunden können“, sagt das 51-jährige Original und schmunzelt.