Steinfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Freibad Steinfeld: Diskussion um Sanierung geht weiter

Das Freibad Steinfeld ist mehr als 40 Jahre alt.
Das Freibad Steinfeld ist mehr als 40 Jahre alt.

Das Freibad Steinfeld muss saniert werden. Fünf Millionen Euro stehen dafür im Raum. Kann sich die Verbandsgemeinde das leisten? Sie muss, sagen die meisten Räte. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

„Sie fahren ein altes Auto und hatten noch keinen großen Schaden.“ So beschreibt Julia Leibiger den Status quo des Steinfelder Freibades gegenüber dem Verbandsgemeinderat Bad Bergzabern. Nur weil die Einrichtung am Rande des Bienwaldes sehr gut gepflegt sei, sei sie noch zu nutzen. Ihr Ingenieurbüro Richter und Rausenberger hat sich das mehr als 40 Jahre alte Bad genau angeschaut. Das Ergebnis ist eindeutig. Die reguläre Betriebszeit ist weit überschritten, eine große Sanierung muss sein. Die gute Nachricht: Leibiger und ihre Kollegen erachten eine Modernisierung als grundsätzlich möglich. Die schlechte Nachricht: Die Sanierung wird laut Machbarkeitsstudie rund fünf Millionen Euro kosten.

Will, oder besser gesagt kann sich die Verbandsgemeinde (VG) Bad Bergzabern das leisten? Genau diese Frage bewegt die Gemüter seit geraumer Zeit. Entscheiden muss am Ende der Verbandsgemeinderat. Schon vor einem Monat stand das Thema auf der Agenda des Gremiums und sorgte für eine emotionale Debatte. Bei der Entscheidungsfindung weiterhelfen sollte nun die Vorstellung der Studie im Gremium.

Bürgermeisterin: Schließung kein Thema

„Sie hatten Glück, dass die Becken noch dicht sind“, sagte Architektin Leibiger in der Sitzung am Montagabend. Denn die Bauweise in Steinfeld sei ungewöhnlich, es handele sich nämlich um Betonbecken, deren Wände gefliest seien. Wegen der verschiedenen Materialien sei es schwer, bei einem Schaden nachzuarbeiten. Das soll sich laut Sanierungsvorschlag ändern, die Becken sollen komplett mit Edelstahl ausgekleidet werden. Auch abseits der Schwimmbereiche gibt es jede Menge Handlungsbedarf. So muss die Technik dringend modernisiert werden, unter anderem wird ein zweiter Filter benötigt. Das Gebäude mit Kasse, Kiosk und Sanitärbereich braucht ein neues Dach, die Umkleiden und Duschen entsprechen in der jetzigen Form nicht mehr den Richtlinien. Unter dem Strich kosten all diese Baustellen wie bereits erwähnt rund fünf Millionen Euro.

Trotz dieser immensen Geldsumme scheint ein Ende des Freibades Steinfeld kein Thema zu sein – jedenfalls für die große Mehrheit. „Es war nie die Rede von der Schließung des Bades“, stellte Verbandsbürgermeisterin Kathrin Flory (SPD) klar. Im Rat bekannte sich vor allem CDU-Fraktionschef Matthias Ackermann mehrfach deutlich zum Erhalt. Aus den anderen Fraktionen kam zumindest kein Widerspruch. Die anschließende Abstimmung darüber, ob im Haushalt 2024 knapp 250.000 Euro für die weitere Planung bereitgestellt werden sollen – das ist nötig, um Fördermittel zu beantragen –, zeigte aber: Es gibt einzelne Räte, die die große Sanierung mit Skepsis betrachten. Mit Hermann Augspurger (FWG) und Ursula Schulz (Grüne) stimmten Bad Bergzaberns Stadtbürgermeister und eine der Beigeordneten der Kurstadt dagegen.

Augspurger hält Investition für zu hoch

Augspurger erklärt auf RHEINPFALZ-Nachfrage, dass er es nicht für machbar halte, dass die Verbandsgemeinde fünf Millionen Euro investiere. Denn seiner Meinung nach würde dies unweigerlich zu einer Erhöhung der VG-Umlage führen – und das könnten sich die Ortsgemeinden und die Stadt nicht leisten.

Dazu muss man wissen: Die VG hat abgesehen von der Vergnügungssteuer keine eigenen Steuereinnahmen. Ihren Haushalt finanziert sie hauptsächlich über die Umlage, die die einzelnen Gemeinden bezahlen müssen. Für die Sanierung des Freibades müsste die VG Schulden machen, die sie über Jahre zurückzahlen muss. Dafür braucht es Mehreinnahmen aus der VG-Umlage.

Die VG müsse in ihrem Haushalt auf Jahre 200.000 bis 300.000 Euro ausgleichen, rechnet Augspurger vor. Die Erhöhung der Umlage um einen Punkt bringe um die 280.000 Euro Mehreinnahmen. Etwa ein Drittel des gesamten Umlagevolumens steuert laut Augspurger die Stadt Bad Bergzabern bei. Das heißt: Das ohnehin schon immense Defizit der Kurstadt erhöhe sich Jahr für Jahr um jeweils weitere knapp 95.000 Euro. „Am Ende zahlen die Bürger dann die Zeche, denn wir müssten die Grundsteuer weiter anheben“, erklärt Augspurger.

Arbeitskreis soll weiterhelfen

Er betont, dass er nicht für eine sofortige Schließung des Bades ist. „So lange es noch läuft, kann es auch weitergehen. Und gegen Reparaturen bis zu einem gewissen Maß sage ich auch nichts.“ Allerdings stelle er sich schon die Frage, ob die Verbandsgemeinde es sich noch leisten kann, ein zweites Freibad um jeden Preis zu behalten, sagt der Stadtbürgermeister mit Blick darauf, dass es in Bad Bergzabern ebenfalls ein Freibad gibt.

„Der Wunsch der Steinfelder, ihr Freibad behalten zu wollen, ist vollkommen legitim.“ Augspurger lobt auch den großen Einsatz des Fördervereins für das Freibad. „Das finde ich super, davon würde ich mir in Bad Bergzabern auch mehr wünschen.“ Er fordert aber, dass vor der Entscheidung über eine Sanierung die Zahlen ganz offen auf den Tisch gelegt werden und auch klar gesagt wird, welche Auswirkungen die Kosten auf die Gemeinden und im Endeffekt auf die Bürger hätten.

Von einer Grundsatzentscheidung darüber, ob die millionenschwere Sanierung angegangen werden soll oder nicht, ist der VG-Rat noch ein ganzes Stück entfernt. Auf dem Weg dorthin unterstützen soll ein Arbeitskreis aus Vertretern von Verwaltung, VG-Rat, Gemeinderat Steinfeld und des Fördervereins. Das wurde in der Sitzung am Montagabend so beschlossen.

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