Südpfalz
Freibäder dürfen in zwei Wochen wieder öffnen
Schwimmen, planschen, sonnenbaden – das gehört zum Sommer einfach dazu. Nach den aktuellen Corona-Bestimmungen dürfen Schwimmbäder nicht öffnen. Noch nicht. Am Mittwoch kam die Nachricht aus Mainz, die viele Wasserratten strahlen lassen dürfte: Ab 27. Mai dürfen Freibäder wieder ihren Betrieb aufnehmen. Unter Auflagen. Wie diese konkret aussehen, ist noch nicht bekannt.
Die Kommunen haben sich in den vergangenen Wochen bereits Gedanken gemacht. Sie mussten für alle möglichen Fälle planen – eine Absage der Saison war ebenso möglich wie eine Öffnung unter Auflagen. Mitarbeiter der Schwimmbäder und Rathäuser in der ganzen Region haben an neuen Regeln für den Badebetrieb gearbeitet. Sie orientierten sich dabei an Konzepten verschiedener Fachvertreter wie der Internationalen Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen oder der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen.
Schichtbetrieb statt Freischwimmer
In dem Pandemieplan des Bäderverbands wird beispielsweise empfohlen, die Anzahl von Menschen im Becken und im gesamten Bad einzuschränken, um die Abstandsregeln einhalten zu können. Wie anderswo auch ist der Maßstab hier zehn Quadratmeter pro Person. Auch bei Warteschlangen am Kiosk oder an der Rutsche soll der Abstand kontrolliert werden. Für die sanitären Anlagen und die Umkleidekabinen ist eine tägliche Desinfektion vorgesehen. Die Handläufe an Beckenleitern oder Türgriffe sollen in kurzen Abständen desinfiziert werden. Der Bäderverband empfiehlt außerdem, Planschbecken und Nicht-Schwimmer-Becken gleich ganz geschlossen zu lassen.
Um der eingeschränkten Personenanzahl zu entsprechen, aber gleichzeitig möglichst vielen Leuten ein Badeerlebnis zu ermöglichen, hat der Landauer Oberbürgermeister Thomas Hirsch bereits vor einigen Wochen die Idee eines Schichtbetriebs angeregt. Jeder Badegast könnte dann pro Tag zwei Stunden das Schwimmbad nutzen. So plant das auch Eberhard Frankmann, erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Edenkoben, für das Edesheimer Freibad: „Um Warteschlangenbildung zu vermeiden, werden wir außerdem wohl auf eine Art Reservierungssystem zurückgreifen müssen.“ Doch das werde zu einem deutlichen Rückgang der Badegäste führen. „Im letzten Jahr hatten wird am 30. Juni den stärksten Besuchertag mit rund 2000 Badegästen. Nach unserem aktuellen Hygienekonzept sollten wir uns bei rund 175 Badegäste gleichzeitig einpendeln“, erklärt Frankmann.
Wie schnell können die Bäder öffnen?
„Wir müssen nun unsere Konzepte den Vorgaben der Regierung anpassen, sobald wir diese bekommen“, sagt Frankmann weiter. Das weitere Vorgehen werde er genau mit dem Gesundheitsamt abstimmen. Für eine Öffnung des Edesheimer Freibads am 27. Mai tritt er aber auf die Bremse: Anfang Juni stehe noch eine Wartung der Chlorgasanlage an, sodass das Bad wohl frühestens in vier Wochen öffnen könne. Mike Bourquin, Sachgebietsleiter der Verbandsgemeinde Offenbach, wurde am Mittwoch von der Freigabe zur baldigen Öffnung überrascht: „Das Bad in zwei Wochen aufmachen zu können, das wird ein Wettlauf, es ist aber nicht unmöglich.“
Gabriele Flach, Verbandsbürgermeisterin von Maikammer glaubt, dass sich die Hygienevorschriften umsetzen lassen. „Natürlich geht das nur im Zusammenspiel mit unseren Badbesuchern. In Maikammer haben wir ein sehr gutes Verhältnis mit unseren Kunden, sodass ich sehr zuversichtlich bin, dass die Besucher die Regeln einhalten werden.“ Über den Beschluss der Landesregierung, den Badebetrieb wieder zuzulassen, ist sie erfreut – „gerade für Familien, die auf ihren Sommerurlaub verzichten müssen.“ Ob eine Öffnung des Kalmitbads in Maikammer bereits in zwei Wochen möglich ist, hänge davon ab, wie die Auflagen schließlich aussehen werden. Und: Es soll keine Alleingänge im Landkreis geben. Das bestätigt auch Hedi Braun, Verbandsbürgermeisterin von Herxheim: „Wir sprechen uns mit den anderen Verbandsgemeinden ab. Wir werden nicht aufmachen, wenn Offenbach noch zu ist.“ Ein Andrang auf einzelne Schwimmbäder solle verhindert werden.
Ortschef von Billigheim-Ingenheim noch skeptisch
Für Dietmar Pfister, Ortsbürgermeister von Billigheim-Ingenheim, bleiben noch viele Fragen offen: „Ich bin der Letzte, der eine Öffnung unseres Schwimmbads verhindern möchte. Aber ohne die genauen Vorgaben zu kennen, kann ich unmöglich sagen, ob und wann wir aufmachen können.“ Pfister war bereits vor der Bekanntgabe des Beschlusses eher skeptisch gewesen: „Das Herz sagt ja, der Verstand nein.“ Um das Pandemiekonzept des Bäderverbands umsetzen zu können, rechnete er mit 5000 bis 6000 Euro zusätzlichen Personalkosten pro Monat, die die Gemeinde stemmen müsse.