Bad Bergzabern
Feuerwehr übt in Tunnelbaustelle
Um 18.30 Uhr geht auf der Baustelle des Tunnels, der Teil der Ortsumgehung im Zuge der B427 wird und 2026 fertig sein soll, fast alles seinen gewohnten Gang. Ein Lastwagen bringt frischen Beton rein, die Betonmischanlagen laufen. Die Bagger stehen jedoch still. Und auch die Bauarbeiter stehen erwartungsvoll im Kreis.
Zu den Arbeitern, die außerhalb des Tunnels stehen, gesellen sich die ersten Kameraden der Feuerwehr. Sie besprechen die Lage. Auf Deutsch und für die aus dem Nachbarland dazugestoßenen Kollegen auch auf Französisch.
10.000 Kubikmeter Qualm
Um kurz nach 19 Uhr begeben sich ein Baustellenmitarbeiter und Andreas Füß von Pyroconcept-Feuerwerke in den Tunnel. Im Gepäck: Rund 20 Rauchbomben, die für etwa 10.000 Kubikmeter Qualm sorgen sollen und gleich ein Feuer simulieren, aus dem die anrückende Wehr eine Handvoll Bauarbeiter retten muss. Das Szenario soll den Brand eines Radladers mit einer verletzten Person simulieren.
Füß entzündet die Rauchbomben. Einige ganz am Ende des bereits über 500 Meter weit gegrabenen Tunnels, einige direkt neben einem feuerfesten Schwadencontainer, vor dem vier Baustellenmitarbeiter bereits warten. Bevor die Sicht nun langsam schlechter wird, suchen Füß und der Mitarbeiter, der ihn in den Tunnel gefahren hat, das Weite. Die Bauarbeiter im Tunnel müssen sich jetzt schnell im Container verbarrikadieren. Und auf Hilfe warten. Bis zu zwölf Stunden könnten sie in dem mit Trinkwasser, Toilette und W-Lan ausgestatteten Container ausharren, wie Zugführer Andreas Wölfle verrät.
Mit zwei Schläuchen in den Tunnel
So lange soll es bei der Übung aber nicht dauern. Als Füß wieder aus dem Tunnel herauskommt, ertönen aus der Ferne bereits die Sirenen. Durch die ausgelöste Brandmeldeanlage wurden die Rettungskräfte alarmiert. Im Handumdrehen rollen fünf Feuerwehrfahrzeuge und drei Wagen des Deutschen Rotes Kreuzes (DRK) an. Primär wird das sogenannte Tunnelfahrzeug eingesetzt, das mit Atemschutzplätzen und einem speziellen Gerät für Tunnel- und Tiefgarageneinsätze konzipiert wurde und von der Tunnelbaufirma Bemo mitfinanziert wurde. Das berichtet Christian Hauck, der für die Pressearbeit der Feuerwehr Bad Bergzabern zuständig ist.
Mit 35 Kräften ist die Feuerwehr, mit 16 das DRK ausgerückt. Am Tunnel angekommen, machen sich die Feuerwehrleute bereit, ziehen ihre Gasmasken und Sauerstoffflaschen an und bereiten zwei Schläuche und eine Trage vor. Zu fünft dringt der erste Trupp in den Tunnel vor. Er ist für die Brandlöschung zuständig. „In der Regel brauchen wir fünf Personen zum Löschen, fünf zum Suchen und Retten und fünf zum weiteren Erkunden“, erklärt Wölfle.
Erst löschen, dann retten
Im Container bekommen die Eingeschlossenen indes die Durchsage: „Noch 30 Minuten bis zur Rettung.“ Im Tunnel gelten andere Regeln als beispielsweise bei einem Häuserbrand, wo die Menschenrettung an erster und die Brandbekämpfung an zweiter Stelle stehe. „Hier müssen wir den Brand sofort bekämpfen, damit wir durch die Brandsenkung möglichst viele Personen retten können“, sagt der Zugführer. Einer der beiden Schläuche sei dafür da, das Feuer zu löschen, der andere, um die Tunnelstruktur zu kühlen und vor dem Einsturz zu bewahren.
Die Rauchschwaden haben jetzt ordentlich zugenommen. Damit die Kameraden sich und den Weg nicht aus den Augen verlieren, sind sie mit Leuchten ausgestattet. Draußen am Einsatzleiterfahrzeug wird währenddessen die Lage besprochen, und alle Geschehnisse werden mit Uhrzeit dokumentiert.
Grüne Lichter zeigen den Ausgang
Auch das Rote Kreuz hat sich draußen mittlerweile in Position gebracht. Auf dem Boden vor dem kleineren Rettungstunnel, der parallel neben der Hauptröhre gegraben wird, sind 16 Helfer positioniert, die bereits Liegen und Versorgungsmittel vorbereitet haben.
Das „Feuer“ ist gelöscht, die Tunnelwand stabilisiert. Nun kann der Rettungstrupp ausrücken. Am Container angekommen, statten die Wehrleute die wartenden Bauarbeiter mit Sauerstoffflaschen aus und führen sie aus dem Container heraus. Im Tunnel ist es immer noch neblig. Die Feuerwehrleute orientieren sich an grün blinkenden Punkten am Boden, die sie zum mit grünem Neonlicht markierten Ausgang zum Rettungstunnel führen.
Rotes Kreuz sofort zur Stelle
Auf den Ausgang des Rettungstunnels blicken nicht nur die Helfer des Roten Kreuzes gespannt, sondern auch einige Zuschauer vom Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM) und von der Baustellenfirma Bemo. Etwa um 20.30 Uhr sind im Tunnel kleine Lichter zu erkennen, die an den Anzügen der Feuerwehrleute hängen. Kurz darauf erblicken diese mit den geretteten Bauarbeitern wieder das Tageslicht. Auch die durch eine Puppe dargestellte verletzte Person wird mithilfe einer Trage geborgen. Das Rote Kreuz nimmt die Bauarbeiter sofort entgegen, legt sie erst einmal auf die Liegen und macht erste Gesundheitschecks. Es scheint allen gut zu gehen. Niemand muss weiter ärztlich versorgt werden. Die Übung war erfolgreich.
Das findet auch Wehrleiter Dirk Nerding, der ein positives Fazit zieht, jedoch auch anmerkt, dass die Distanz von 450 Metern, die die Einsatzkräfte zur Brandlöschung zu Fuß zurücklegen mussten, zu weit sei. Einigen Kameraden des Löschtrupps war die Anstrengung anzusehen, einer hatte im Tunnel sogar mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. „Das nächste Mal müssen wir mit dem Feuerwehrauto rein fahren, auch wenn es danach dann vielleicht unbrauchbar ist“, fügt Nerding an sein Abschlussfazit an.
Weitere Ausbildungen geplant
Alles in allem habe sich aber die Tunnelausbildung, die die Feuerwehrleute in ihrer Freizeit in der Schweiz absolviert haben, ausgezahlt. Weitere Ausbildungen sind laut Hauck geplant und werden von der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern finanziert. Als Belohnung gibt’s für alle Beteiligten Bratwurst und Getränke.