Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Für Schüler ist Zwiebellook angesagt

0 Minuten nach Unterrichtsbeginn soll gelüftet werden, daran halten sich auch die Lehrer am Landauer Eduard-Spranger-Gymnasium.
0 Minuten nach Unterrichtsbeginn soll gelüftet werden, daran halten sich auch die Lehrer am Landauer Eduard-Spranger-Gymnasium.

Im Herbst und Winter soll während des Unterrichts alle 20 Minuten gelüftet werden, um mit dem Coronavirus belastete Aerosole zu vertreiben. Viele Eltern sehen eine Erkältungsgefahr für ihre Kinder. Wie sieht die Lüftungssituation an Schulen aus? Und wie sinnvoll sind Luftfilteranlagen?

Die Schüler sitzen im Unterricht und tragen dabei Jacken. Zwei Fenster des Klassensaals sind geöffnet und eine kühle Brise weht herein. „Die Kinder werden noch krank, wenn sie im kalten Durchzug sitzen!“, sorgt sich eine Mutter. Solche Gedanken beschäftigen derzeit viele Eltern. Doch Lüften ist aktuell wichtiger denn je: Beim Ausatmen gelangen kleine Wasserpartikel, Aerosole genannt, in die Luft. Diese verbleiben dort über Stunden und können das Coronavirus übertragen.

Die Innenraumluft soll mindestens alle 20 Minuten durch ein mehrminütiges Stoß- beziehungsweise Querlüften ausgetauscht werden, sieht der Corona-Hygieneplan für die Schulen in Rheinland-Pfalz vor. „Eine Kipplüftung ist weitgehend wirkungslos, da durch sie kaum Luft ausgetauscht wird“, steht in der Verordnung. Sobald die Fenster eines Raumes nicht dauerhaft geöffnet werden können, ist dieser für den Unterricht ungeeignet, außer es sei eine effektive Lüftungsanlage vorhanden.

Die Vorgaben des Landes werden umgesetzt

Die Klingbachschule in Billigheim-Ingenheim verfügt als ehemalige Grund- und Hauptschule über ein großes Platzangebot, da sie inzwischen nur noch als Grundschule genutzt wird. „So kann in einigen Unterrichtsstunden die Raumsituation entzerrt werden“, berichtet Rektorin Christine Gein. 20 Minuten nach Beginn der Unterrichtsstunde wird gelüftet und am Ende jeder Unterrichtsstunde. „In den Wintermonaten werden wir dies so fortführen. Die Kinder sollten Zwiebelkleidung tragen, sodass beim Lüften eine warme Jacke übergezogen werden kann“, sagt Grein

So oder so ähnlich halten es wohl die meisten Schulen im Land. „Wir setzen diese Vorgaben vollumfänglich um und lassen Unterricht selbstverständlich nur in Räumen stattfinden, in denen gelüftet werden kann“, sagt Dagmar Linnert, Oberstudiendirektorin des Eduard-Spranger-Gymnasiums in Landau.

CO2-Ampeln in vielen Schulen im Einsatz

Die Verantwortung für die sachgemäße Lüftung im Unterricht tragen allein die Lehrer. Hierbei kann die Ermittlung der CO2-Konzentration mittels CO2-Ampeln im Raum hilfreich sein. Diese messen allerdings nicht die Aerosole, sondern lediglich den CO2-Wert im Raum. Der Leitwert von 1000 ppm Kohlendioxid der Innenraumluft gilt als hygienisch unbedenklich. Dabei steht „ppm“ für parts per million, also Millionstel.

Diese CO2-Ampeln kommen in der Paul-Moor-Schule in Landau, einer Schule mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung, zum Einsatz. „Die Fenster in den Klassenräumen werden teilweise umgebaut, damit sich pro Raum zwei Fenster ganz öffnen lassen zum Stoßlüften“, erzählt Schulleiterin Dorothee Braun-Stickel. „CO2-Ampeln nutzen wird in den Klassenräumen. Die weitere Situation muss betrachtet werden.“

Luftreinigungsgeräte sind umstritten

Ein nicht nur in Schulen derzeit viel diskutiertes Thema ist der Einsatz von Lüftungsgeräten. Die Verbandsgemeinde Herxheim als Schulträger der Grundschulen in Herxheim und Rohrbach verweist auf Ergebnisse eines Expertengesprächs, das das Ministerium für Bildung in Rheinland-Pfalz geführt hat. In den Ergebnissen vom 14. September steht, dass zum aktuellen Zeitpunkt mobile Luftreinigungsgeräte in Innenräumen nicht empfehlenswert seien. Bisher gebe es keine anerkannten Prüfverfahren. Außerdem würden verschiedene Faktoren die Wirksamkeit stark einschränken, wie beispielsweise ungünstige Raumgeometrien, Standortwahl der Geräte im Raum und die Anzahl der Personen. Geräte, die die Luft unkontrolliert im Raum verbreiteten, könnten möglicherweise zur Virenverbreitung beitragen und somit gesundheitliche Risiken mit sich bringen. Dazu komme, dass die Geräte kontinuierlich fachgerecht gewartet und die Filter sachgerecht entsorgt werden müssten. Hinzu komme weiter, dass die Finanzierungsfrage bisher nicht geklärt sei, und die Schulträger eventuell die Luftfilteranlagen aus eigener Tasche zahlen müssten.

Auch im Herbst und Winter bei kühlen Temperaturen sei das Lüften in Unterrichtsräumen wichtig und für Schüler zumutbar, heißt es weiter in dem Protokoll. Die Raumluft kühle beim Stoßlüften in Räumen über wenige Minuten nur um rund zwei bis drei Grad ab, was gesundheitlich unproblematisch sei und sogar vorbeugend gegen Erkältungen wirke.

Stoßlüften auch außerhalb der Pandemie

Dieser Meinung ist auch Bernd Rieder, Schulleiter der Grundschule Herxheim: „Zu einer Unterkühlung der Kinder kommt es bei einer Lüftung von drei bis fünf Minuten nicht.“ Dabei sollte kein Kind im Durchzug sitzen. Rieder erklärt, dass das Gebäude der Temperaturträger sei und sich die Räume nach dem Lüften schnell wieder erwärmten. Regelmäßiges Stoßlüften sollte auch außerhalb der Pandemie erfolgen, dann „kann man wieder klar denken“, meint der Schulleiter.

Die Schulen verweisen noch auf einen anderen Aspekt: Vollständig geöffnete Fenster müssen wegen der einhergehenden Unfallgefahr beaufsichtigt werden. Im aktuellen Hygieneplan für Schulen steht außerdem, dass in den Pausen die Tür aufgemacht werden soll, um für Durchzug zu sorgen.

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