Kreis Südliche Weinstraße Er läuft und läuft und ...

Farris genießt die Gastfreundschaft der Israelis.
Farris genießt die Gastfreundschaft der Israelis.

„Am schlimmsten waren die Nächte“, berichtet der 49-jährige Reinhard Farris aus Eußerthal. „Die Kälte und die Einsamkeit forderten mich körperlich und mental gleichermaßen.“ Farris war Ende 2017 in das Heilige Land gereist, um den 1000 Kilometer langen Israel National Trail zu bezwingen. Und zwar allein. Der Fernwanderweg, von den Einheimischen kurz Shvil genannt, zählt laut dem „National Geografic“ zu den zehn schönsten Wanderwegen dieser Erde. Der Weg bietet einzigartige Landschaften — von einer reichen Vegetation im Norden Israels und einer mediterranen Küstenlandschaft rund um Tel Aviv über die Vororte Jerusalems bis hin zu den beiden imposanten Wüstenlandschaften der Judäischen Wüste und des Negevs. Allerdings gilt der Shvil auch als einer der härtesten Wanderwege. Im September 2017 ist der Lehrer in seinem Sabbatjahr mit dem Auto in Richtung Italien gestartet. Von dort aus setzte er mit einem Frachtschiff über — von Monfalcone nach Ashdod (Israel). In Israel angekommen, lief erst einmal nichts nach Plan. Der Zoll gab sein Auto nicht frei. Und Geld in der passenden Währung, um mit dem Bus ins Stadtzentrum zu fahren, hatte er nicht. Also machte sich Farris zu Fuß auf den zehn Kilometer weiten Weg. Er sollte jedoch nicht weit laufen müssen, da ihm eine freundliche Israelin die umgerechnet 1,50 Euro für den Bus schenkte. „Ich habe sie an einer Tankstelle getroffen und dort zum ersten Mal die unglaubliche Gastfreundschaft der Einheimischen kennengelernt“, erzählt der Abenteurer. Nachdem er seinen Jeep einen Tag später abgeholt hatte, reiste er damit durchs Land. Anfang November begann er schließlich den Shvil. Zu Fuß bezwang Reinhard Farris schroffe Kanten und steinige Wege, schwitzte in der Hitze und kämpfte mit der frühen Dunkelheit. Laufuhr und Handy hatte er zur Sicherheit immer dabei. Um das Wasserproblem in der Wüste zu lösen, war er zuvor mit dem Auto die ersten Etappen angefahren. Bei den Nachtlagern — karge Plätze, auf denen gecampt werden darf — hatte er Wasservorräte und Essenskonserven vergraben. „Ich habe mich dann zurückfahren lassen, bin die Etappe bis zu meinem Jeep gewandert und habe das Ganze wiederholt, bis ich die 1000 Kilometer komplett gelaufen war.“ Für die Strecke benötigte Farris zusammengezählt 39 Tage. 20.000 Höhenmeter hatte er dabei überwunden. Auf seinem Rücken trug er 18 Kilogramm schweres Gepäck. Hin und wieder kehrte er bei sogenannten Trail Angels ein. Das sind Menschen, die entlang des Fernwanderwegs wohnen und aus purer Nächstenliebe Wanderern einen Platz zum Schlafen geben. „Die Warmherzigkeit dort ist wie die Landschaft einzigartig“, erzählt Farris, der nebenbei noch den Wüstenmarathon in Eliat gelaufen war. Als er Anfang Dezember nach erfolgreicher Etappe sein Auto erreichte, fand er es aufgebrochen. Scheiben kaputt, Laptop weg. „Das war ein derber Schlag für mich“, berichtet der Eußerthaler. Als er dann noch eine Panne hatte, flog er heim. Knapp zwei Wochen später beendete er mit neuer Kraft den Trail. „Ich würde den Trail jederzeit wieder laufen, aber nicht mehr allein“, sagt Farris. Denn die Absturzgefahr in den Bergen, Schlangen, Skorpione und die stechende Hitze seien eine große Gefahr. Israel selbst aber sei ungefährlich, betont er. „Dank der Präsenz der Sicherheitskräfte fühlt man sich sicher. Außerdem wollen die meisten Menschen dort ohnehin nur eines — Frieden.“ Weil Farris nach dem Trail noch lange nicht genug vom Laufen hatte, lief er weiter: Im März den Jerusalemmarathon, im April den Weinstraßenmarathon und im Mai die letzte Etappe des Jakobswegs. „Mir fehlten noch die letzten 1150 Kilometer“, erklärt der Pfälzer, der die Strecke von Eußerthal bis nach Moissac in Frankreich bereits gepilgert war. Die letzte Etappe absolvierte er in 27 aufeinanderfolgenden Tagen — jeweils in Marathondistanz.

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