Klingenmünster
Ehepaar Arnold feiert Eiserne Hochzeit
Karola Becker und Theo Arnold haben sich nach alter Tradition am Geburtstag des Bräutigams im Juli 1955 verlobt. Ein Jahr später gaben sie sich erst im Bürgermeisteramt ihres Heimatorts Klingenmünster das Ja-Wort, bevor sie es anschließend auch in der Protestantischen Kirche in Gleiszellen taten. Sie mussten dort ausweichen, weil sich die Kirche in ihrem Ort noch im Rohbau befand.
Gekannt haben sich die beiden schon in der Schulzeit. Sie saßen zwar im gleichen Klassenzimmer, waren jedoch in unterschiedlichen Klassenstufen. Allerdings gab es keinerlei Interesse aneinander. Im Gegenteil: Sie verloren sich aus den Augen, als Theo auf ein Internat in den Schwarzwald ging, dort die Schulzeit beendete und konfirmiert wurde. Karola blieb in Klingenmünster, besuchte in Landau die Handelsschule, danach eine Hauswirtschaftsschule.
Nach einigen Jahren das Wiedersehen
Als Jüngste von drei Schwestern sollte sie danach im elterlichen Betrieb die Verwaltungsarbeiten und die Buchführung übernehmen. Schon während der Schulzeit habe sie mit ihren Schwestern im Gasthaus und in den Weinbergen der Eltern tatkräftig mithelfen müssen. „In der knappen Freizeit besuchte ich gerne die Jugendstunde, die Theos Schwester im elterlichen Haus abhielt. Und hier trafen wir uns nach Jahren wieder“, erzählt die heute 89-Jährige. Ihr 90-jähriger Ehemann ergänzt: „Erfreut stellte ich damals fest: Aus dem kleinen Schulmädchen war eine hübsche junge Frau geworden!“
Ihre Elternhäuser waren sehr unterschiedlich, obwohl die Familien über die Dorfgrenze hinaus bekannt waren: Karolas Eltern als die Wirtsleute vom „Lamm“, Theos Vater als Steuer- und Gemeindeeinnehmer, der für Klingenmünster und die umliegenden Dörfer zuständig war – ein sehr akkurater Beamter. „Als unsere Zuneigung offensichtlich wurde, erklärte mir mein Vater: Bevor du keine Ausbildung hast, kein Geld verdienst, um eine Familie zu ernähren, brauchst du noch keine Freundin. Das förderte meinen Ehrgeiz.“ Mit Bravour habe er die Prüfung für den gehobenen Sparkassendienst bestanden und konnte so Karola heiraten.
Heimliche Treffen am Fenster
Zuvor hatte sich das Paar allerdings jeden Morgen heimlich getroffen. Bevor Theo jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Sparkasse nach Bad Bergzabern radelte, musste er dienstlich zur örtlichen Sparkassen-Filiale. Er nutze dabei einen Umweg, um Karola zu sehen. Sie übernahm ganz früh das Putzen der Wirtschaft, öffnete die Fenster, damit sie ihren Theo sehen konnte. Amüsiert erinnern sie sich noch heute daran, dass diese Begegnungen nicht verborgen blieben, denn der Dorffriseur Willi Funke hatte von seinem Salon her alles im Blick.
Nicht nur ihre Liebe zueinander, auch die Liebe zur Musik verbindet das Paar bis heute. Nach dem Klavierunterricht spezialisierte sich Theo Arnold auf das Orgelspiel und begleitete als Organist jahrzehntelang die Gottesdienste in den Protestantischen Kirchen in Klingenmünster, Gleiszellen-Gleishorbach und Bad Bergzabern. Auch seine Frau spielt seit ihrer Jugend Klavier.
Ein weiteres Hobby pflegten beide jahrelang: das Campen. Schon bei der Hochzeitsreise nach Berchtesgaden an den Königssee war ein Zelt dabei. Später führten die Urlaubsreisen mit den beiden Kindern mit dem Klappcaravan vor allem in südliche Gefilden. Heute genießt das Paar die Ruhe in seinem Haus und im Garten.