Kommentar
Drohendes Kita-Aus: Forderung der Lebenshilfe ist frech
Die Lebenshilfe Südliche Weinstraße möchte keinen Cent mehr für den Betrieb der integrativen Kita Pusteblume bezahlen, Trägerin aber möchte sie bleiben. Diese Forderung, mit der sich die Stadt Bad Bergzabern konfrontiert sieht, ist frech. Es kann nicht sein, dass die Kommune eine Einrichtung komplett finanziert – wohlgemerkt mit Steuergeld –, bei deren Betrieb sie kein Mitspracherecht hat.
Natürlich müssen beide Seiten gesprächs- und vor allem kompromissbereit sein in Sachen neuer Finanzierung. Weder kann es sich die Tochtergesellschaft der Lebenshilfe leisten, jährlich ein Defizit von 300.000 Euro anzuhäufen, noch kann die Kurstadt riskieren, die Kita-Plätze zu verlieren.
Mit dem Verhalten der Lebenshilfe-Vorsitzenden Marina Hoffmann ist ein Kompromiss aber nicht möglich. Einerseits macht die Drohung, ohne Vollfinanzierung gleich zwei Kitas zu schließen, jegliche Diskussion überflüssig. Andererseits bleibt schleierhaft, woher das große Defizit überhaupt kommt.
Klar ist, dass die Stadt 26.000 Euro zu den Sachkosten beiträgt, und dass Land und Kreis einen Großteil der Personalkosten abdecken. Welche Kosten an der Lebenshilfe hängen bleiben, ist hingegen unbekannt. Solange Hoffmann die Karten nicht auf den Tisch legt, sind ernsthafte Gespräche über eine Neuverteilung der Lasten ausgeschlossen.
So darf man sich nicht verhalten. Schon gar nicht, wenn man in seinem Leitbild „Wir sind für den Menschen da“ stehen hat. Denn am Ende geht es um Menschen. Um 100 Kinder und deren Familien. Die dürfen ab Sommer 2024 nicht ohne Betreuungsplatz dastehen.