Kreis Südliche Weinstraße Die Wiege der Demokratie

Der Platz hinter dem Engel könnte bald zum „Platz der Bergzaberner Republik“ werden.
Der Platz hinter dem Engel könnte bald zum »Platz der Bergzaberner Republik« werden.

Ende September stellte die SPD-Stadtratsfraktion den Antrag, den Marktplatz in „Platz der Bergzaberner Republik“ zu widmen. Ein Vorschlag, den der Historiker und Stadtarchivar Rolf Übel kritisch sieht: „Die Idee, mit einem Platz an dieses historisch bedeutsame Ereignis zu erinnern, finde ich gut. Nur der Marktplatz ist dafür weniger gut geeignet.“ Die Verleihung der Stadtrechte im Mittelalter sei unmittelbar mit dem Marktplatz verbunden. Der Marktplatz habe deshalb eine wichtige Bedeutung. Übel war am Donnerstag Gast im Stadtrat, um über die historische Bedeutung der Bergzaberner Republik zu informieren. Am 10. November 1792 sandten der Stadtrat von Bergzabern und Vertreter von Gemeinden des Oberamtes – gemeint sind rund 30 Nachbargemeinden – eine Adresse an den Pariser Konvent und baten um die Aufnahme in die Französische Republik. Diese erfolgte im März 1793. In den Monaten bis dahin bildeten die Bergzaberner und ihre Nachbarn einen eigenen Freistaat: die „Südpfälzer Republik“. Unter Historikern ist heute unumstritten, dass dieses demokratische Aufbegehren als die erste Ausrufung einer Republik auf deutschem Boden gilt. Die Bergzaberner waren damit einige Monate vor den Mainzern dran, die lange Zeit diese Ehre für sich reklamiert hatten. Hans-Peter Geiger (SPD) betonte, dass seine Fraktion nicht auf den Marktplatz als „Platz der Bergzaberner Republik“ fixiert sei. Man habe diesen Vorschlag gemacht, weil man einen Erinnerungsort haben wolle, und weil man das Gefühl habe, dass das Ereignis von der Stadtspitze nicht so richtig gewürdigt werde. Übel schlug vor, auf dem Platz hinter dem Renaissance-Gasthaus Zum Engel an die Bergzaberner Republik zu erinnern. Einerseits sei dort gekämpft worden, es sei also tatsächlich der Ort des Geschehens. Und andererseits hofften er und die Mitglieder des Historischen Vereins ja weiterhin, dass das Stadtmuseum im Engel erhalten bleibe. Gäste könnten dann den Platz als Erinnerungsort besuchen und anschließend im Museum ihre Eindrücke vertiefen. Schließlich würden viele Relikte aus den Revolutionsjahren dort ausgestellt. Übels Vorschlag fand Gefallen. Der Stadtrat will sich mit dem Thema noch einmal befassen und dann entscheiden. Übel warb noch für die von der Landeszentrale für politische Bildung und dem Historischen Verein der Pfalz, Bezirksgruppe Bad Bergzabern, organisierte Veranstaltung „Die Mutterstadt der Freyheit – Die Bergzaberner Republik 1792/93“ am Freitag, 10. November, 19 Uhr, in der Aula des Alfred-Grosser-Schulzentrums.

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