Bad Bergzabern
Dekanat will kirchliche Aufgaben neu verteilen
Wegen der rückläufigen Zahlen der Kirchenglieder und -steuern müssen die Dekanate im Land in regelmäßigen Abständen schauen, wie sie sich aufstellen. Um so gut es geht für die Gläubigen da zu sein, Kitas in protestantischer Trägerschaft betreiben und die Vielzahl an Pfarrhäusern, Kirchen und anderen Immobilien in den Gemeinden unterhalten zu können. Ihr Handlungsspielraum hängt dabei auch vom Stellenbudget ab, das alle fünf Jahre von der Landeskirche beschlossen wird. Das künftige besagt, dass es im Kirchenbezirk Bad Bergzabern weniger Pfarrer geben wird.
Sind für die 20 Kirchengemeinden des Dekanats derzeit 10,25 Pfarrstellen vorgesehen, werden es ab 2025 neun sein. Bis dahin werden jedoch Posten frei. Dann, wenn sich Seelsorger in den Ruhestand verabschieden. Das berichtet Dekan Dietmar Zoller. Dabei weist er darauf hin, dass die beiden Kirchengemeinden Klingenmünster und Gleiszellen-Gleishorbach sowie Heuchelheim-Klingen und Göcklingen bald von einem Theologen betreut werden. Dadurch entfalle eine halbe Pfarrstelle.
Wo Seelsorger entlastet werden sollen
Es soll jedoch verhindert werden, dass die bestehenden Pfarrämter immer wieder größer und den Seelsorgern dadurch mehr Aufgaben aufgebürdet werden. „Das Ziel sollte sein, dass jede Kirchengemeinde einen festen Ansprechpartner hat, dass sich also ein Pfarrer mit den Presbytern verständigt“, sagt Zoller im RHEINPFALZ-Gespräch. Es werde jedoch zeitgleich geschaut, wie die Pfarrer entlastet werden können. Ziel ist es, dass sie weniger Verwaltungskram erledigen müssen.
Dafür sind in der Vergangenheit bereits zwei Pfarramtsassistenten mit jeweils einer halben Stelle eingestellt worden. Ab Januar 2022 wird es zudem einen Kita-Trägerverband geben, der sich mit dem Personalmanagement und dem Finanzbereich der Einrichtungen beschäftigen soll. Die pädagogische Betreuung der Erzieher und der Eltern soll in den Händen der Pfarrer bleiben.
Es kommt noch mehr aus Ehrenamt an
Bei der ganzen Entwicklung wird den ehrenamtlichen Kräften in den Gemeinden mehr Bedeutung beigemessen. Auf sie wird es ankommen, wie das kirchliche Leben vor Ort gestaltet und angenommen wird, während Pfarrer zwischen den Gemeinden pendeln, um etwa Trauerfeiern und Taufen begleiten sowie Jubilare beglückwünschen zu können. Darüber hinaus könnten bald bestimmte Aufgaben von Kirchengemeinden schwerpunktmäßig erledigt werden, schwebt Zoller vor. Etwa was die Gottesdienste und den Konfirmandenunterricht betrifft. Oder die Frage, wie junge Menschen für die Kirche gewonnen werden können.
Wie erfolgreich das Ganze sein wird, hängt laut Zoller auch davon ab, ob die richtigen Personen für die Kirchenarbeit gefunden werden können. Menschen, die sich durch ihre Engagement auszeichnen und andere mit antreiben, wenn es um einzelne Projekte geht. Das Haus der Familie in Bad Bergzabern stehe exemplarisch dafür, wie gut Angebote angenommen werden, wenn sie von bestimmten Personen übernommen und weiterentwickelt werden.
Zusammenlegung der Dekanate denkbar
Die Entwicklungen und Pläne im Kirchenbezirk Bad Bergzabern ähneln jenen im Dekanat Landau. Dort wird es ab 2025 nur noch 16 statt 19 Pfarrer geben. Auch in deren drei Kooperationszonen mit ihren Kirchengemeinden und Pfarrämtern sollen die Strukturen geändert werden, damit die Seelsorger häufiger vom Schreibtisch wegkommen und mehr Zeit für die Menschen haben.
Die beiden südpfälzischen Dekanate Landau und Bad Bergzabern tun gut daran, die Entwicklungen bei den Nachbarn zu beobachten. Noch ist es Zukunftsmusik, doch eine Fusion ist für Zoller eine Frage der Zeit. 2030 könnte es so weit sein. Angesichts des Spardrucks, der auch in der Landeskirche herrscht, wäre das nicht überraschend. Nachdem sich im Donnersbergkreis kleinere Kirchenbezirke zu einem großen Dekanat zusammengeschlossen haben, ist das Dekanat Bad Bergzabern mit seinen rund 14.000 Kirchenmitgliedern der kleinste im Land.