Kreis Südliche Weinstraße Das Schreiben als Kunst

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An der Wohnzimmerwand hängen Bilder mit warmer Grundierung, auf denen in passender Farbe sinnige Sprüche stehen. Aber nicht nur der Inhalt hält den Blick gefangen, sondern auch der Schriftzug. Akkurat – wie gedruckt, jedoch mit der Hand geschrieben. Ein Kalligraph, also einer, der sich mit schönen Schriften beschäftigt, ist Albert Weindel aus Maikammer.

„Schon in der Schule habe ich gern schön geschrieben und mich für Schriften interessiert“, nennt Weindel ein für Jungen eher ungewöhnliches Faible. Wie es oft der Fall ist, rückte anderes im Laufe der Zeit in den Vordergrund. Erst später hat er sich wieder seines Hobbys besonnen. Aus Neugier belegte der heute 64-Jährige zunächst an der Volkshochschule in Landau zwei Kurse. „Begonnen haben wir mit der einfachen schräg gestellten Antiqua“, erzählt Weindel. Neben dieser Schriftart habe er auch Italic kennen und schätzen gelernt. Doch der Lehrer habe bald aufgehört. Weindel musste sich nach neuen Quellen umtun. Bilder des Kalligraphen Helmut Hirmer, Neuhofen, die er in Speyer sah, animierten den passionierten Schönschreiber, sich intensiver mit Schriften zu beschäftigen. Er besuchte Seminare bei dem bekannten Kalligraphen. Über Hirmer stieß er auf die Kalligraphie-Gilde Südwest, die einmal eine ganze Woche lang Kurse im Herz-Jesu-Kloster in Neustadt anbot. „Namhafte Kalligraphen aus aller Herren Länder sind da gewesen, selbst jener, der fürs englische Königshaus tätig ist“, schwärmt Weindel. Ein Niederländer habe in die Farbenlehre eingeführt. Weindel selbst arbeitet am liebsten mit Airbrush-Farben. „Die sind farbecht und bieten sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten.“ Mit Pinsel, sagt der Kalligraph, „kann ich viel genauer schreiben als mit der Feder“. Dennoch besitzt er ungefähr 40 Federn, von der Stärke 0,5 bis fünf Millimeter. Fehlen darf nicht der kurios wirkende Ellenbogenfederhalter, der speziell für die englische Schreibschrift verwendet wird. Die Feder ist leicht abgeknickt, damit der Schreiber die nach einer Seite ausgerichtete Schrift besser sehen kann. Der Kalligraph beherrscht natürlich eine ganz Reihe von Schriftarten. Manche kann er auswendig, für andere legt er sich die Vorlagen neben das Schriftstück. Was Weindel gar nicht mag, ist, wenn Schriftzüge oder Namen ausschließlich mit Initialen geschrieben werden, das sei einfach nicht leserlich. Der ehemalige Verwaltungsbeamte schreibt aus Spaß an der Freude, übernimmt aber auch Auftragsarbeiten. „Leute bringen mir Gäste- oder Hochzeitsbücher.“ Auch manch Goldenes Buch oder Ehrenurkunden hat er schon geschrieben. Des Weiteren hilft er, alte Dokumente oder Bibeln zu restaurieren. Damit er die Schriftstücke lesen und die Schriften nachahmen kann, absolvierte er Kurse bei der Evangelischen Landeskirche. Bei Ausstellungen sind Weindels geschriebene Bilder und Karten zu bewundern. Mittlerweile gibt er selbst Kurse. Die Teilnehmer lernen in ähnlicher Weise die Schriften wie die Erstklässler. Zu den kunstvollsten Werken, die Weindel gefertigt hat, gehören jene mit den keltischen Knoten; sie werden nach einem ausgeklügelten Punktesystem aufgebracht. Gerade arbeitet der Kalligraph an einem Märchenbuch für seine Enkeltochter. (giw)

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