Kreis Südliche Weinstraße „Da verlieren Berge ihre Schrecken“

EDENKOBEN. Wenn zig rote Elektrofahrräder mit der Aufschrift des Sponsors Pfalzwerke vor dem Fahrrad-Verleih am Goldenen Eck in Edenkoben in Reih und Glied stehen, dann ist RHEINPFALZ-Sommeraktion. Und die Teilnehmer verlieren schnell die Angst vor der Technik – und „die Berge ihren Schrecken“. Denn mit den Pedelecs werden selbst starke Steigungen spielend leicht gemeistert.
„Ich habe zwar selbst eins daheim, bin damit auch in der Umgebung unterwegs, aber ich wollte mal eine geführte Tour mitmachen“, sagt Christel Wollenschläger aus Bornheim zu ihrem Beweggrund, sich mit Ehemann Theo für die RHEINPFALZ-Aktion anzumelden. Wie sie ist auch Angela Koch aus Siebeldingen ein Glückspilz. Schon im vergangenen Jahr konnte sie dank Losentscheid bei der Tour dabei sein. „Es ist wirklich eine tolle Sache, die die RHEINPFALZ Jahr für Jahr für Daheimgebliebene in den Sommerferien bietet“, lobt die Leserin, die normalerweise gestern hätte arbeiten müssen, doch dann mit einer Kollegin tauschen konnte. Selbst ein Teilnehmer aus Gerolsheim ist in die Südpfalz gekommen: Egbert Galster. Hintergrund: Seine Lebensgefährtin, die aus Landau stammt, hat das „Pfälzer Tageblatt“ abonniert und sich für eine Teilnahme interessiert. „Nachdem sie aber nun einen unaufschiebbaren Termin hat, muss ich für sie in die Bresche springen“, erklärt der Unterhaardter. Während Achim Kleist vom Fahrradverleih mit seinen Mitarbeitern die fahrbaren Untersätze für die jeweilige Körpergröße heraussucht und den Sattel entsprechend einstellt, blickt Norbert Arend von Genußradeln Pfalz mit Sorge gen Himmel. Eigentlich sollte die Tour erst um 11 Uhr beginnen, doch mit Blick auf die Wetterprognosen wurde der Start um eine Stunde vorgezogen. „Erst gegen Nachmittag soll es regnen“, hofft der Radtouren-Spezialist und weiht die Teilnehmer in die Geheimnisse der Pedelecs ein. „Ob Ebene oder Steigung, auch mit einem E-Bike muss man in die Pedale treten. Sonst geht gar nichts“, warnt er vor der Illusion eines manchen Starters, dass man sich nur in den Sattel schwingen und dann nur noch lenken muss, um vom Punkt A zum Punkt B zu kommen. „Unter jedem Helm steckt ein kluger Kopf“, appelliert Arend an die Vernunft, unbedingt eine bei Unfällen schützende Kopfbedeckung zu tragen. „Und bitte immer in der Gruppe bleiben, auch wenn es mal über eine vielbefahrene Kreuzung gehen sollte. Wir sind zwar meist auf Feld- oder Wingertswegen unterwegs, doch bei jeder Kurve dran denken, dass dahinter auch ein Gegenverkehr lauert. Von Radlern oder landwirtschaftlichen Fahrzeugen.“ Eine, die genau zuhört und sich alles zu Herzen nimmt, ist Marion Denz aus Großfischlingen. Auch sie hat ein E-Bike in der eigenen Garage, „doch ich bin schrecklich orientierungslos in der Fremde, deswegen freue ich mich, heute mitfahren zu dürfen.“ Noch nie auf einem solchen kraftsparenden Drahtesel saß bisher Margarita Hoffmann aus Schaidt. Sie wartet ab, wie es sich anfühlt. „Dann werde ich mir überlegen, mir ein solches E-Bike anzuschaffen. Ich bin gespannt auf die vielen Anregungen.“ Nach einer kurzen „Aufwärmrunde“ auf dem Parkplatz am Goldenen Eck kann es losgehen. Zwar prasselt just zu diesem Augenblick ein Schauer nieder, doch der kann die Freude an der Tour über die Villa Ludwigshöhe nach St. Martin, zu einem Platz unterhalb des Hambacher Schlosses, zum Mittelpunkt der Deutschen Weinstraße, Diedesfeld, und schließlich zum Hotel Alte Rebschule oberhalb von Rhodt nicht trüben. Dort haben Seniorchefin Hannelore Hafen und Juniorchefin Sonja Schäfer für ein herzhaftes Picknick gesorgt. Mit Sitzplätzen unter freiem Himmel unter einem überdimensionalen Schirm. Denn man weiß ja nicht, was das Aprilwetter im August noch alles für Überraschungen parat hält. Es schmeckt allen, und so bleibt die Frage nach Problemen bei der Fahrt angesichts kauender Backen unbeantwortet. Doch dann kommen sie schon, die positiven Stimmen: „Auf einem E-Bike verlieren Berge ihre Schrecken.“ Oder: „Man fühlt sich wie gezogen.“ Oder: „Das ist wie technisches Doping.“ Insofern ist es kein Wunder, dass nicht ein Teilnehmer Schwierigkeiten beim Bewältigen der vom Wechsel Gefälle-Steigung geprägten „Hängematte“ verspürt. Doch es wird nicht nur in die Pedale getreten, geschaltet, gegessen und getrunken – der Reiz der Landschaft genossen. Regisseur und Moderator Arend streut – seine neueste Spezialität – unterwegs ein paar erlebnispädagogische Spiele ein. Damit jeder in der Gruppe merkt, dass er für den Gesamterfolg wichtig ist. Einmal steht sogar ein Zauberstab im Mittelpunkt. Vielleicht liegt es daran, dass schlimme Regengüsse ausbleiben. (mik)