Schweigen
Corona: Bundespolizei kontrolliert bei Schweigen Grenzverkehr zwischen Südpfalz und Elsass
Noch sind die Elsässer erwünscht, allerdings nicht mehr so ganz. Grand Est. Die Großregion mit der Champagne, dem Elsass und Lothringen ist von den Behörden in Sachen Coronavirus als Risikogebiet eingestuft worden. Hierzulande dürfen beispielsweise Weißenburger nicht mehr nach Deutschland zur Arbeit einpendeln. Zunächst gilt das für 14 Tage. In Frankreich lebende Schüler dürfen nicht mehr an deutschen Schulen am Unterricht teilnehmen, ein Dilemma. Und weil die Fachkräfte aus dem Nachbarland fehlen, ist die Aufrechterhaltung des Betriebes in der Südpfalz bei der ein oder anderen Kita ein Problem.
Elsässer: „Kontrollen bringen eh nix“
Die ganze Dramatik um den kleinen Krankheitserreger juckt die Elsässer in ihrem Alltag offensichtlich recht wenig. Zumindest gestern Mittag nicht, wie ein Besuch der RHEINPFALZ an der Grenze zeigte. Zwischen Bad Bergzabern und Weißenburg hat rund ein Drittel der Verkehrsteilnehmer ein französisches Kennzeichen. Und genau diese Halter wurden auch vornehmlich von sechs Mann der Bundespolizei-Abteilung Bad Bergzabern auf den Parkplatz des „Schweigener Hofes“ gewunken und kontrolliert. Mit der RHEINPFALZ wollte keiner der Kontrollierten sprechen. Lediglich eine Gruppe von vier älteren Männern im Schatten des Weintores machte sich über die Kontrollen etwas lustig: „So eine Kontrolle hilft nicht. Du kannst eh nix ändern“, meinte einer, der nach eigenen Aussagen in Weißenburg wohnt. Der Rest der Runde, ein Pole, ein Rumäne und noch ein Elsässer, grinst sich eins.
Nur einen von drei Übergängen kontrolliert
Nein, mit Corona habe das nichts zu tun, sagt einer der Bundespolizisten auf Nachfrage der RHEINPFALZ. Viel mehr sagt er aber auch nicht. Auch nichts dazu, dass es gleichzeitig auch beim Grenzübergang bei Neuburg/Hagenbach im Landkreis Germersheim Kontrollen gibt. Ansonsten bleiben die Bundespolizisten wortkarg. Es wird auf die Pressestelle am Standort Bad Bergzabern verwiesen. Die dortige Pressesprecherin Daniela Kretschmer verweist wiederum zur Hauptstabsstelle nach Potsdam. Die Anfrage läuft. Bis Redaktionsschluss gab es keine Rückmeldung. Insbesondere dazu nicht, dass nur ein Grenzübergang nach Weißenburg kontrolliert wurde. So war die „Grüne Grenze“ an der Schweighofener Annexe Windhof unbewacht. Wie die RHEINPFALZ vor Ort zählte, fuhren gegen 13 Uhr binnen zehn Minuten rund 25 Autos mit französischem Kennzeichen nach Deutschland ein. Des Weiteren wurde auch nicht in Weißenburg-Weiler kontrolliert. Der Grenzübergang nach St. Germanshof in der Südwestpfalz.
Über Kontrolle wird täglich neu entschieden
Immerhin. Das ein oder andere sagte Kretschmer von der Bad Bergzaberner Abteilung dann doch: Die Order für die Kontrolle an der Grenze am Freitag sei am Donnerstag von „oben“ gekommen. Ob es heute, Samstag, weitergeht, wisse sie nicht. Es werde angesichts der Situation von Tag zu Tag entschieden. Im Übrigen sei die Bundespolizei nur zur Hilfe geeilt, auf Anforderung der Gesundheitsämter. Selbst habe man keine Entscheidungsbefugnis in dem ganzen Ablauf. Grundsätzlich gelte aber nach wie vor: „Die Grenzen sind offen.“
Hinter Rücken der Polizei nach Deutschland
Die Informationspolitik ist nicht befriedigend. So kann keiner der Bundespolizeistellen erklären, weshalb die „Allgemeine Verkehrskontrolle“ etwa fünf Meter vor einer Zufahrtsstraße vom Schweighofener Ortsteil Windhof stattfindet. Dort gibt es einen unbewachten Grenzübergang von und nach Weißenburg. Ein Elsässer nach dem anderen fährt von dort auf die Weinstraße ein – im Rücken der Bundespolizei.
Ortswechsel. Das Schweigener Hotel-Restaurant, auf dessen Parkplatz die Bundespolizei die zu Kontrollierenden lotst, spürt die Corona-Krise ganz deutlich: „Allein heute habe ich rund zehn Absagen bekommen. Busse, Tische, Zimmer“, erzählt Senior-Chef Norbert Storz im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Ich weiß nicht, ob ich nächste Woche überhaupt noch Elsässer bewirten darf.“ Und nach eigener Aussage habe er etliche Franzosen unter seinen Gästen. Er selbst habe keine Angst vor dem Coronavirus, erzählt Storz, der auch mal unkonventionell mit der Kochschürze an der Rezeption steht: „Ich wasche mir 20- bis 30-mal am Tag die Hände.“ Dass die Bundespolizei seinen Parkplatz zur Kontrolle nutzt, sei ihm recht. Die Uniformierten seien in der Regel alle vier Wochen vor Ort. „Seither gebe es keine Spitzbuben mehr“ rund um das Weintor, das einst ein Anlaufziel von Autoknacker und Taschendieben war.
„Elsässer Gäste haben sich verabschiedet“
Auch in der benachbarten Gebietswinzergenossenschaft Deutsches Weintor ist es für einen Freitagmittag auffällig ruhig. Gerade mal drei Gäste sind da. Einer davon, mit Rucksack unterwegs, wartet auf den Bus. Dienst haben am Freitagmittag Marion Heller und Susanne Ullrich. Ja, Corona habe die Gästezahl seit Montag schon sinken lassen. Insbesondere die Elsässer Kunden hätten sich persönlich verabschiedet, so Ullrich. „Die Leute achten schon darauf“, fügt sie in Bezug auf die Gefahr hinzu. Wirklich etwas sagen könne man erst nach dem Wochenende, wenn ansonsten die Gäste in Scharen in die Vinothek strömen.